Etelser Bürgerinitiative überreicht Landkreis Verden Unterlagen

1500 Einwendungen gegen Hähnchenstall

Der Widerstand gegen den in Etelsen-Giersberg geplanten Hähnchenmaststall mit 100.000 Plätzen wächst. Am Dienstag hat die Bürgerinitiative im Verdener Kreishaus 1529 Einwendungen gegen den Stall eingereicht.
12.05.2010, 06:00
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Von Johannes Heeg
1500 Einwendungen gegen Hähnchenstall

Dicke Aktenordner halten Andrea Arndt, Petra Krüler und Waltraut Bergmann in der Hand. Sie enthalten 1529 Einwendungen g

HEEG

Langwedel. Der Widerstand gegen den in Etelsen-Giersberg geplanten Hähnchenmaststall mit 100.000 Plätzen wächst. Am Dienstag hat die Bürgerinitiative, die seit zwei Jahren gegen das Vorhaben kämpft, im Verdener Kreishaus einen dicken Aktenordner abgeliefert. Der Inhalt: 1529 Einwendungen gegen den Stall, der der größte in Niedersachsen wäre, wenn der Landkreis ihn genehmigt.

Genau das will die Bürgerinitiative verhindern. Sprecherin Petra Krüler: 'Vor zwei Jahren, als das Genehmigungsverfahren anlief, gab es 213 Einwendungen gegen den Stall. Dass es jetzt mehr als sieben Mal so viele sind, zeigt: Die Leute sind wesentlich aufgeklärter.' Die Menschen sorgten sich um ihre Gesundheit und wollten auch nicht hinnehmen, dass ihre Häuser massiv an Wert verlieren, wenn in der Nähe neben dem schon bestehenden Maststall für 25000 Hähnchen ein weiterer, riesiger Stall errichtet werde, der nicht einmal Filteranlagen besitze. In dem 95 mal 48 Meter großen Stall sollen 100000 Küken binnen 32 Tagen zu schlachtreifen Hähnchen gemästet werden.

Die meisten Einwendungen sind Sammeleinwendungen auf Unterschriftenlisten. Einige der Stallgegner haben aber auch sehr differenziert Stellung genommen zu den Unterlagen, die der Landwirt Jürgen Ernst als Investor und Betreiber nachgereicht hat. In der ersten Runde des Verfahrens vor zwei Jahren hatte der Landkreis als Genehmigungsbehörde das Vorhaben auf Eis gelegt. Nach einem mehrtägigen Anhörungstermin sah die Verwaltung 'noch nicht alle für eine Genehmigung relevanten Fragen geklärt', so Landrat Peter Bohlmann damals.

Der Landkreis hatte unter anderem verlangt, dass aktuelle Winddaten in das Immissionsgutachten eingearbeitet und offene Fragen zu den Ammoniak- und Staubemissionen geklärt werden. Damit hatte sich die Familie Ernst so viel Zeit gelassen, dass die Kreisverwaltung mehrmals die Abgabefrist verlängern musste.

Öffentlicher Anhörungstermin

'Trotzdem taugen die neuen Gutachten nichts', sagt Petra Krüler, die eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben hat. Die Emissionsberechnungen seien nach wie vor mangelhaft. 'Wir verstehen nicht, dass der Landkreis das Gutachten überhaupt zugelassen hat', so Krüler. Die Auswirkungen einer Anlage von insgesamt 125000 Masthähnchen auf die Umwelt - auf Menschen, Tiere, Boden, Wasser, Luft - würden völlig unzureichend dargestellt.

Da die Hühner-Transporte erfahrungsgemäß werktags zwischen 22 und 6 Uhr erfolgten, würden die Anwohner der Giersbergstraße und die Bewohner im Wohngebiet Schillerstraße/Goetheweg/Lönsweg/ Kantweg in ihrer Nachtruhe belästigt. Die Auswirkungen auf die Nachtruhe der Anwohner durch den erwarteten Lkw-Verkehr würden in den Antragsunterlagen nicht dargestellt. Auch die Berechnungen der stark riechenden Ammoniak-Emissionen seien fehlerhaft.

Immerhin sei die von dem geplanten Hähnchenstall ausgehende Ammoniakbelastung 27 Mal größer als die der Rinder und Milchkühe auf dem Hof. Auch die Berechnung der Feinstaub-Belastung sei mangelhaft, weil der Gutachter die nahe Autobahn 27 als Feinstaubquelle nicht berücksichtigt habe.

Geschlampt worden sei auch bei der Ermittlung der Keimbelastung, meint Krüler. Sogar die Betreiber des geplanten Geflügelschlachthofs in Wietze hätten aus Gründen der Lebensmittelsicherheit gefordert, dass im Umkreis von 3000 Metern keine Tierhaltungsställe angelegt werden. Der Abstand der Ställe zu den Nachbarhäusern betrage in Giersberg aber nur etwa 160 Meter. Krülers Fazit: 'Der Gutachter hat das Ding zum zweiten Mal passend gerechnet.'

Weitere Einwendungen gegen den geplanten Stall in Giersberg können bis heute im Verdener Kreishaus eingereicht werden. Am Montag, 14. Juni, beginnt im Kreistagssaal um 10 Uhr der vorgeschriebene öffentliche Anhörungstermin zu dem Bauvorhaben. Alle Einwender können dabei ihre Gründe mündlich erläutern. Bei Bedarf könne die Anhörung auf mehrere Tage ausgedehnt werden, heißt es von der Verwaltung.

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