Irmgard Bellmer und Enno Timm aus Bruchhausen-Vilsen erfüllten sich ihren Lebenstraum mit einer Reise 22801 Kilometer - bis nach Kapstadt

Von Karin Neukirchen-Stratmann
16.04.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Neukirchen-Stratmann

Bruchhausen-Vilsen. "Der Höhepunkt meines Lebens", so könnte der Buchtitel lauten, der Irmgard Bellmer vorschwebt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Enno Timm (64) reiste die 68-Jährige von Oktober 2010 bis Januar 2011 insgesamt dreieinhalb Monate von Bruchhausen-Vilsen bis nach Kapstadt. Die Erfahrungen dieser Reise haben beide schriftlich festgehalten - Enno Timm in Kurzform, Irmgard Bellmer in Langfassung. Diese würde sie gerne als Buch veröffentlichen, einen Verlag dafür hat sie schon im Auge.

Für Enno Timm ist Afrika nicht neu, er hat bereits fünf Jahre in Südafrika gelebt und gearbeitet. Das ist lange her, doch seit damals, konkret seit 1973, reifte die Idee in ihm, diese Reise zu unternehmen. "Damals wollte ich von Südafrika mit dem Bus nach Deutschland zurückkehren, das war 1975, aber ich habe keinen Mitfahrer gefunden." So blieb es lange Jahre nur bei der Idee. Als selbstständiger Geschäftsmann mit eigenem Laden im Luftkurort kam eine solche Reise alleine aus Zeitgründen nicht in Frage.

Doch mit dem Verkauf des Geschäftes änderte sich das. Seit dreißig Jahren leben Irmgard Bellmer und Enno Timm zusammen, haben gemeinsam schon viele Reisen unternommen, auch nach Namibia, Südafrika und in viele andere Länder. Mit den konkreten Reisevorbereitungen für die Tour nach Kapstadt hat das Paar im März 2010 begonnen.

Mit einem VW-Bus ging es los, den hatte Enno Timm im Internet in England gefunden. "Es sollte ein Rechtslenker sein, weil man ab Kenia links fährt." Weitere Reisevorbereitungen, wie Impfungen, wurden in Bremen erledigt. "Beim Hafengesundheitsamt hat uns ein Schiffsarzt sehr gut beraten", erklärt Irmgard Bellmer. Ohne größere Blessuren oder Reisekrankheiten landeten die beiden reiselustigen Rentner dann auch wieder in Deutschland. Und selbst unter etwas fragwürdigen hygienischen Bedingungen während ihrer weiten Reise gab es keine größeren Probleme.

Die Reiseplanung hat Enno Timm mit dem ADAC abgestimmt. "Die haben unsere Route bestätigt und uns auch kostenlos Karten zur Verfügung gestellt." Gereist wurde nicht nach Navigationssystem, sondern mit Karte und Kompass. "Das hat auch immer ganz gut funktioniert. Und wenn einmal nicht, dann haben wir eben nach dem Weg gefragt", so Irmgard Bellmer. Per Internet hat sich Enno Timm die einzelnen Wegstrecken angesehen, dank moderner Satellitenaufnahmen ist das ja kein Problem mehr. Von politischen Unruhen, etwa in Ägypten, hat das Paar nichts gemerkt. "Den meisten Bammel hatten wir vor dem Sudan, aber das erwies sich im Nachhinein als völlig unbegründet. Im Gegenteil", erklärt Enno Timm.

Doch der Reihe nach. Sage und schreibe acht Visa habe man für die Reise benötigt, vier seien im Vorfeld beantragt worden, zwei konnte man direkt an der Grenze bekommen. Lediglich zwei Visa waren bis zur Abreise am 3. Oktober nicht da: für den Sudan und Äthiopien. Also ging die Reise von Bruchhausen-Vilsen zunächst nach Berlin. Dort waren die Botschaften sehr hilfsbereit, die Visa innerhalb Stunden ausgestellt. Von Deutschland ging es über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien in die Türkei.

Wer nun denkt, eine so lange Strecke hinter dem Steuer, immerhin konnten sich die beiden ja abwechseln, der hat falsch gedacht. "Da kennen Sie aber Enno nicht", muss Irmgard Bellmer schmunzeln. Die insgesamt 22801 Kilometer mit dem VW-Bus hat Enno Timm ganz alleine hinter dem Steuer gesessen. "Nicht, dass ich keinen Führerschein habe, ich habe sogar für Notfälle den internationalen Führerschein mitgenommen, aber gefahren ist ausschließlich mein Mann," erzählt Irmgard Bellmer. In der Türkei, weit hinter den Touristenhochburgen wie Antalya, habe es "wunderschöne Strände und Dörfer" gegeben, schwärmt sie.

Doch die Reise war alles andere als ein Strandurlaub, denn an die Küste führte die Reise nur in den wenigsten Ländern. Mit der Einreise nach Syrien ging das Abenteuer eigentlich richtig los, vor allem die Grenzformalitäten seien manchmal sehr nervenaufreibend gewesen, wie die beiden Reiseprofis berichten. Diverse Stempel müssen abgeholt werden, Papiere vorgelegt, teilweise von Deutschland aus nachgeordert werden. Da stoße man schnell auch an technische Grenzen. Aber Hilfe war immer in Sicht, und manchmal kam sie auch von anderen Reisenden, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. "Was zählt, sind US-Dollar", so Enno Timm. Bargeld vor allem, denn mit Kreditkarte komme man in Afrika nicht sehr weit.

Hilfe aber erfuhren beide unterwegs fast überall, sei es bei einem Problem mit dem Auto, bei der Beschaffung von Essen, bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten. Außer auf Campingplätzen oder vor Hotels war dies auch oft am Rande von Dörfern der Fall. Unsicher haben sich die beiden dabei nie gefühlt, obwohl sie einmal auch bestohlen wurden. Das war in Namibia. Ärgerlich, denn vor allem waren in der geklauten Tasche einige Speicherkarten voll mit Fotos. "Die sind nun alle weg", bedauert Irmgard Bellmer.

Besonders beeindruckend fand sie auf dieser Reise die Passage mit der Fähre von Ägypten nach Wadi Halfa im Sudan über den Nassersee. Die Menschen fuhren auf einer Personenfähre, die Fahrzeuge wurden per Ponton separat überführt. Alleine das Buchen dieser Passage sei richtig abenteuerlich. "Es muss ein Führungszeugnis vorgelegt werden, Zollkontrolle, und vieles mehr, das alles an sieben verschiedenen Schaltern", erzählt Enno Timm. Viele Dollars später hat man dann das Ticket glücklich in der Hand. "Geschlafen haben wir an Deck. Aufstehen ging nicht, dann wäre der Platz weggewesen", erinnert sich Irmgard Bellmer. Aber allein der Blick in den Nachthimmel aber habe für alles entschädigt. "Das ist einfach unglaublich, diese Sternenvielfalt."

Viel haben die beiden zu erzählen, von Äthiopien, einem Land voller Menschen, Tiere "und sehr viel Armut", von Namibia, das "auch heute noch fest in deutscher Hand ist", und vieles mehr. Größere Pannen gab es keine, keine Unfälle, keine Krankheiten. Alles in allem eine beeindruckende Reise, die jetzt schriftlich aufgearbeitet wird, und vielleicht demnächst für jedermann nachzulesen ist.

Gibt es schon Pläne für die nächste Reise? "Nein", lautet die Antwort. Aber für Enno Timm steht fest: "Im Winter geht es wieder nach Südafrika, für ein paar Wochen zumindest."

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