Stahlwerke Arcelor-Mittal 300 000 Honigbienen im Einsatz

Seit Juli 2017 existiert die Werksimkerei auf dem Gelände der Stahlwerke. Inzwischen kümmern sich acht Mitarbeiter um das Wohl der Bienenvölker.
11.09.2018, 17:41
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Imke Molkewehrum

Bremen-Nord. Unter einer 120 Meter hohen Windkraftanlage auf dem Werksgelände von Arcelor Mittal liegt ein Wäldchen am Rande des Industrie-Areals. Böiger Wind treibt die Rotorblätter an. Am Waldesrand stehen acht grüne, durchnummerierte Kästen. Sie gehören der werkseigenen Imkerei, die seit Juli 2017 existiert und mittlerweile rund rund 300 000 Honigbienen beherbergt.

Mike Böhlken ist Vertrauenskörperleiter bei Arcelor Mittal und leidenschaftlicher Hobby-Imker. Als es darum ging, auf dem Werksgelände Bienen anzusiedeln, war er sofort Feuer und Flamme. Inzwischen kümmern sich acht Firmenmitarbeiter neben ihrer Arbeit regelmäßig um die Buckfast-Bienen, die aus drei unterschiedlichen Bienensorten gezüchtet wurden.

Bei der Arbeit tragen die Hobby-Imker weiße Schutzjacken mit Gummibündchen. Auch heute, beim Besuch einiger Kollegen aus der Führungsebene. Mit dabei ist auch die grüne Bürgerschaftsabgeordnete Maike Schaefer, die das Bienen-Projekt ins Rollen gebracht hat und selbst zwei Bienenvölker im eigenen Garten beherbergt. Die Politikerin hat sich selbst vorab „Hilfe beim Profi geholt“ und erzählt: „Wir haben dieses Jahr 30 Kilogramm Honig geerntet.“

Soweit sind die Stahlhütten-Mitarbeiter längst noch nicht. Erst sollen sich die Bienen akklimatisieren. Es riecht nach Rauch. Die Imker haben den Smoker aktiviert, um die Bienen ruhig zu stellen. Mike Böhlken holt eine Honigwabe aus einer der grünen Kisten und kontrolliert das Futter. Hunderte Bienen sitzen auf der verdeckelten Brut und den mit Wachs verschlossenen Futterreservoirs.

„Das sind ganz friedfertige Tiere – passend zu unseren Mitarbeitern“, hatte Jens Loock, Arbeitsdirektor bei Arcelor Mittal, kurz zuvor scherzhaft betont. Tatsächlich bleiben die meisten Bienen trotz der Störung beeindruckend gelassen. Einzelne schwirren aber nervös umher, und eine von ihnen verirrt sich prompt in den Hemdsärmel des Vorstandsvorsitzenden Reiner Blaschek. Vorsichtig schüttelt er das Tier an die frische Luft. Er wird trotzdem gestochen: von einer Biene, die sich in seinem Haar verfangen hat. „Parfüm oder Aftershave können eine Rolle spielen“, erklärt Mike Böhlken. Reiner Blaschek bleibt gelassen: Ich freue mich, dass hier in so kurzer Zeit so viel auf die Beine gestellt werden konnte.“

Böhlken sichtet derweil weitere Waben im Bienenstock und entdeckt die Königin, die mit einem winzigen roten Metallplättchen markiert ist, um sie in dem Gewimmel schneller zu entdecken. „Die werden zwei bis drei Jahre alt“, weiß Maike Schaefer. Oft würden die Königinnen in unterschiedlichen Farben markiert, um sie auseinanderzuhalten.

Bei Arcelor-Mittal hat der Sport- und Interessenverein die betriebseigenen Imker angeleitet. Auf den Aufruf hätten sich viele potenzielle Hobby-Imker gemeldet, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Wesling. „Acht sind bis heute dabei.“ Und die haben jetzt auch den betriebsinternen Wettbewerb zum Thema „Nachhaltigkeit und Umwelt“ gewonnen. Begonnen habe alles mit eineinhalb Kilo Bienen aus der Uckermark, erzählt Mike Böhlken. „Mir war wichtig, Bienen für Anfänger zu finden.“ Generell gehöre viel Geduld zur Imkerei. Man müsse die Brutwaben und die Tiere und immer wieder kontrollieren und beobachten, beispielsweise das Verhalten am Flugloch.

Die werkseigenen Völker seien eine Kreuzung aus drei Bienenrassen. Die türkische Anatolica sei „nicht sehr wehrhaft“, erklärt Mike Böhlken. „Sie sticht nicht, selbst wenn man in den Stock reingreift.“ Die sibirische Biene habe hingegen die Putzwut. Sie trage alle Fremdkörper sofort nach draußen – auch Milben. Die Zacharensis-Biene wiederum „arbeitet tüchtig und ist nicht witterungsempfindlich“. Anders als die „alte deutsche Biene“.

„Wir kümmern uns hier schon lange um das Thema Naturschutz“, erklärt Markus Ehrhart, Leiter der Umweltabteilung bei Arcelor Mittal. Insgesamt seien 35 Hektar des sieben Quadratkilometer großen Werksgeländes für den Naturschutz reserviert. Es gibt bereits Angelteiche, Krötenzäune und Nisthilfen. „Die Flächen werden jetzt aufgewertet, indem wir Sumpfwald eingerichtet haben. Und da werden wir keine neuen Anlagen mehr planen“, so Ehrhart.

Das Bienen-Projekt sei besonders attraktiv, da die Mitarbeiter langfristig in die Realisierung einbezogen werden. Auch die Bremer Lagerhaus Gesellschaft habe Bienen auf dem Gelände, erzählt Jens Loock und scherzt: „Allerdings Leihbienen. Wir hier wollen keine befristeten Arbeitsverträge.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+