Porträt: Kunst in der Provinz Abseits der großen Metropolen

Der Verein Kunst in der Provinz unterstützt Kreative im ländlichen Raum mit Ausstellungen und Wettbewerben.
03.09.2018, 12:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss

Landkreis Diepholz. Seit der Gründung im Jahr 1980 mit 26 Mitgliedern ist der rührige Zusammenschluss Kunst in der Provinz auf 260 Mitglieder gewachsen. Und nicht nur das: Die Aktivitäten haben zugenommen, das Interesse von Künstlern aus dem norddeutschen Raum richtet sich vermehrt auf diesen Verein und das Geschehen. „Seit 38 Jahren steht der Verein für die Entfaltung von Kunst und Kultur abseits der großen Metropolen“, sagt Vorsitzende Brunhild Buhre. „Die Mitglieder unseres Vereins haben sich im Kunstverein zusammen gefunden, um Lebendigkeit und Vielfalt des künstlerischen Schaffens zu leben, zu fördern und auszubauen.“

Bis zu seinem Tode führte der Maler, Grafiker, Fotograf und Autor plattdeutscher Werke, Hans O. E. Gronau, den Verein. Seit 2001 haben die Kulturmanagerin Buhre und ihr Team die Vereinsführung übernommen. Für sie steht fest, dass die Erfolgsgeschichte immer weiter geht. Unter den Mitgliedern findet man nicht nur Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen und Galeristen, sondern auch Autoren, Musiker, Komponisten, Kleinkunstdarsteller, Kulturvereine und auch viele Leute, die einfach an Kultur interessiert sind. „Aktuell lebt unser Verein vom Engagement seiner Mitglieder.“ Viele Projekte entstehen auch in der Zusammenarbeit mit anderen kulturfördernden Institutionen und Vereinigungen wie beispielsweise dem Kreismuseum in Syke und den einzelnen Städten und Gemeinden.

Eine bunte Palette künstlerischer Angebote prägt neben den Mitgliedern und für dieselben den Verband. Also Vorträge, Diskussionsforen, Symposien, Künstlergespräche, Atelierbesuche, Kinderprojekte, Kunstpreisverleihungen, Exkursionen, Ausstellungen, Lesungen und musikalische Inszenierungen. Alle diese Aktivitäten sollen dazu beitragen, Kunst als Potenzial der gesellschaftlichen Gestaltung wahrzunehmen, zu vermitteln und aktiv zu verstehen.

So wurden mehr als 26 Kunstpreise für verschiedene Bereiche mit unterschiedlicher Thematik bislang vom Verein aus eigenen Mitteln vergeben. Buhre blickt zurück auf die zugrunde liegenden, tieferen Motivationen: „Der Kunstpreis hat in unserem Verein einen ganz besonderen Stellenwert. Alle Mitglieder werden eingeladen, sich daran zu beteiligen, und viele fühlen sich von den unterschiedlichsten Themen angesprochen und stellen sich der Herausforderung.“ Mit dem Kunstpreis möchte der Verein Neues in der Kunst fördern und hierzu ermutigen, außerdem Künstler materiell stärken sowie Wertschätzung und Anerkennung vermitteln, ohne die keine Kunst entstehen und überleben kann. In diesem Jahr geht es um das Thema „Das Verdeckte und das Sichtbare“ für die Bereiche Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Musik, Fotografie oder Literatur. Preisverleihung wird am 18. November im Syker Kreismuseum sein.

Ein ganz besonderes künstlerisches Ereignis, auf das die Gemeinde Weyhe seit 2004 mit Recht stolz ist, ist das Bildhauersymposium auf dem Mühlengrund an der Wassermühle. Es zieht es jedes Jahr Künstler aus nah und fern an – und es ist eines der ganz wenigen seiner Art weit und breit. Hier treffen sich an einem Sommer-Wochenende immer gut ein Dutzend Bildhauer aus Norddeutschland. „Wir sind der Meinung, dass gerade über den Austausch Neues entsteht: kreative Momente und Innovationen, die uns in der Kunst und im Zusammenleben künftig weiterbringen – mitreißend, Neugierde weckend und wegweisend“, so Buhre.

Dazu kommt die „Skulptura“, bei der die Werke des letztjährigen Symposiums gleichzeitig im Müllerhaus ausgestellt werden. „Die Symposien haben einen ganz besonderen Reiz für die Künstler, ist es doch spannend für sie, gemeinsam zu arbeiten, sich untereinander auszutauschen, zu fachsimpeln und zu sehen, was sich in den letzten Jahren verändert hat.“ Und für Kunstinteressierte ist dieses Symposium eine gute Gelegenheit, den Künstlern, die aus ganz Norddeutschland angereist sind, über die Schulter zu schauen und zuzusehen, wie diesen groben Materialien Leben eingehaucht wird.

Zu diesen Aktivitäten gesellen sich eine Vielzahl von Gemeinschaftsausstellungen. Um nur einige zu nennen: im Fachwerkhaus am Meierdamm in Sulingen, im Diepholzer Rathaus, im Kreismuseum in Syke oder in der Auburg in Wagenfeld. Und seit einem Jahr auch in Syke auf dem Landsitz Wachendorf von René Rameil und Sabine Greulich. Dort sind aktuell gut 150 Werke von 20 Mitgliedern des Vereins mit dem Titel „Kunstzeug II“ ausgestellt.

Des Weiteren bieten die Künstler alle zwei Jahre einen Einblick in ihr Schaffen bei den Tagen der offenen Ateliers. „Die Veranstaltung umfasst viele Orte unseres Vereins im Nordwesten Deutschlands in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Verden und Minden sowie in Bremen“, so Buhre.

Zurzeit sind folgende Ausstellungen in Planung: vom 28. Juni bis 14. September „bedrängnis“, Malerei von Heidemarie Schulz-Due und Johannes Pätzold im Dienstleistungszentrum Wagenfeld; am Sonntag, 1. Juli, wird im Kreismuseum die Ausstellung „Von 0 auf 80 … Kreativität mit Leidenschaft“ des Vereinsmitglieds Adam eröffnet.

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