Diskussion um Straßenbeleuchtung Abwägung: Sicherheit oder Klimaschutz?

Die SPD-Fraktion im Ganderkeseer Gemeinderat möchte einen sicheren Heimweg für Bahnreisende und fordert, die Straßenbeleuchtung länger brennen zu lassen. Die Verwaltung ist aus Klimaschutzgründen dagegen.
18.02.2020, 06:00
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Abwägung: Sicherheit oder Klimaschutz?
Von Jochen Brünner

Bei der Frage, ob die Straßenbeleuchtung in der Gemeinde Ganderkesee zumindest im Umfeld der Bahnhöfe Hoykenkamp, Schierbrok und Bookholzberg statt bis 0.30 Uhr künftig bis 1 Uhr brennen soll, geht es vordergründig um einen eher kleinen Betrag von 15 000 Euro. Interessant ist die Beratung, die an diesem Mittwoch im Ausschuss für Straßen und Verkehr auf der Tagesordnung steht, vor allem deshalb, weil das Ergebnis auch ein politisches Statement darüber sein wird, ob die Fraktionen dem Sicherheitsbedürfnis Vorrang einräumen – oder dem Klimaschutzgedanken.

„So gewährleisten wir einen sicheren Heimweg für Zugfahrer und Radfahrer“, hatte nämlich SPD-Ratsherr Marcel Dönike in der Begründung seines Antrags explizit argumentiert. „Aus Sicht des Klimaschutzes ist eine Verlängerung der Brenndauer der Straßenbeleuchtung nicht zu begrüßen, da dieses den Stromverbrauch und somit den CO2-Ausstoß erhöht. Als Begründung anzuführen, dass die Zunahme des Stromverbrauchs aufgrund der energieeffizienten LED-Technik marginal sei, ist zwar grundsätzlich korrekt, aber dennoch nicht förderlich für den Klimaschutz“, schreibt dagegen die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage. Dieses Phänomen wird auch als „Reboundeffekt“ bezeichnet – und den würde sie an dieser Stelle gerne vermeiden.

Um die Laternen so lange eingeschaltet zu lassen, bis der letzte Zug die Haltepunkte in Hoykenkamp, Schierbrok und Bookholzberg passiert hat, müssten die Zeiten von montags bis freitags bis 1 Uhr und an Wochenenden bis 2 Uhr verlängert werden. Die Verwaltung kalkuliert bei einem entsprechenden Vorgehen mit Mehrkosten in Höhe von rund 15 000 Euro. Zwar würden sich die Kosten durch die weitere Umstellung auf LED-Technik in den kommenden drei Jahren noch um etwa 1200 Euro reduzieren, eventuelle Strompreiserhöhungen sind in der Kostenschätzung aber noch nicht berücksichtigt.

Mit dem gleichen Antrag hatte die SPD angeregt, auch die Ampeln im Ortskern länger in Betrieb zu halten. Zurzeit werden die Ampeln an den Kreuzungen Grüppenbührener Straße/Brüninger Weg, Grüppenbührener Straße/Urneburger Straße, Ring/Lange Straße sowie Ring/Bergedorfer Straße/Mühlenstraße sonnabends bereits um 18 Uhr ausgeschaltet. „Da sich die Öffnungszeiten der Supermärkte in Ganderkesee auch sonnabends mittlerweile bis auf 21 Uhr ausgedehnt haben, wird vorgeschlagen, dass die Betriebszeiten der Anlagen auch bis 21 Uhr verlängert werden“, hält die Verwaltung eine Anpassung an dieser Stelle durchaus für sinnvoll. An der Kreuzung Brüninger Weg könne eine Umstellung kurzfristig erfolgen, die anderen drei Ampelanlagen sollen im Rahmen einer geplanten Sanierung der Urneburger Straße und des Rings in diesem Sommer ohnehin erneuert werden. „Da eine Umstellung der Anlagen kostenintensiv ist und die vorhandenen Anlagen aufgrund ihrer Fehleranfälligkeit möglichst wenig verändert werden sollten, wird vorgeschlagen, die geänderten Betriebszeiten erst bei den neuen Anlagen vorzugeben“, erklärt die Verwaltung.

Weiterhin schlagen die Verkehrsexperten im Rathaus vor, dass sämtliche Bedarfsampeln für Fußgänger künftig rund um die Uhr in Betrieb bleiben sollen. Dies solle insbesondere sehbehinderten Menschen erleichtern, sicher die Straße zu queren. Von der Maßnahme, auch die Ampeln an den Kreuzungen dauerhaft eingeschaltet zu lassen, hält die Verwaltung dagegen nichts: Dies würde nur unnötigen CO2-Ausstoß durch wartende Fahrzeuge verursachen, heißt es zur Begründung.

Einmal mehr stehen auch Beratungen über die Umgestaltung der Kreuzung Oldenburger Straße/Westtangente zu einem Kreisverkehr auf der Tagesordnung. Wie die Verwaltung mitteilt, sind inzwischen alle Grundstückseigentümer der erforderlichen Flächen zum Verkauf bereit. Daran war die Realisierung des Kreisels zuletzt gescheitert. Allerdings ist es inzwischen keineswegs mehr sicher, ob das Kreiselprojekt, das rund 950 000 Euro kostet (von denen 500 000 Euro die Gemeinde zu tragen hätte), noch eine politische Mehrheit findet. Die Verwaltung betont in ihrer Sitzungsvorlage, dass ein Kreisverkehr an dieser Stelle aus ihrer Sicht nicht zwingend notwendig sei. Selbst die Voraussetzungen für eine Ampel seien nicht erfüllt.

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