Gemeinderat Grasberg

Abwehrkampf soll weitergehen

Die Deutsche Erdöl AG hat ihren Antrag zur Genehmigung von Erdgasmessungen zurückgezogen. Im Grasberger Gemeinderat traut man dem Braten aber nicht. Und Grasbergs Bürgermeisterin hat einen Verdacht.
05.12.2018, 18:48
Lesedauer: 3 Min
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Abwehrkampf soll weitergehen
Von André Fesser

Grasberg. Jetzt ist es offiziell: Die Deutsche Erdöl AG (Dea) hat ihren Antrag auf seismische Messungen zur Suche nach Erdgas in den Landkreisen Osterholz, Rotenburg, Verden und Diepholz zurückgezogen. Das hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am Mittwoch bekannt gegeben. Sollte sich das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, doch noch seismische Messungen in dieser Gegend vornehmen zu wollen, müsste es einen neuen Antrag einreichen.

Erleichterung mag sich angesichts dieser Entwicklung in der Region aber nicht einstellen. So gingen auch die Mitglieder des Grasberger Gemeinderates bei ihrer Sitzung am Dienstagabend davon aus, dass die Dea einen weiteren Anlauf nehmen könnte, um in der Region nach Erdgas zu suchen und es auch zu fördern. Aufgeschoben sei das Verfahren, nicht aufgehoben, hatte ein Dea-Sprecher zu Wochenbeginn gegenüber unserer Redaktion verkündet – „Diesen Satz habe ich mir gemerkt“, sagte SPD-Vertreterin Elke Schnakenberg. Sie empfahl den Menschen in der Region, sich auch weiterhin den Plänen zu widersetzen und den Erdgasförderern beispielsweise zu untersagen, ihre Grundstücke zu betreten.

Ganz genauso sah es CDU-Vertreterin Silke Paar. Sie zeigte sich erfreut, dass die Dea ihren Antrag auf Sondernutzung der Gemeindestraßen am Tag zuvor auch schon gegenüber der Grasberger Gemeindespitze zurückgezogen hatte. Man sollte aber weiter am Ball bleiben und davon ausgehen, dass es weitergeht, so Paar. Dabei ging es ihr nicht allein um das Messvorhaben im Raum Grasberg. Sie blickte noch weiter voraus, das im Juli kommenden Jahres die sogenannte Aufsuchungserlaubnis ausläuft, die es der Dea gestattet, im Raum Unterweser nach Erdgas zu suchen. Es sei davon auszugehen, dass das Unternehmen beim Land Niedersachsen eine Verlängerung beantragen wird. Hierzu würde die Gemeinde Grasberg nicht gefragt. Daher halte sie es für sinnvoll, schon jetzt per Onlinepetition an den Bundestag darauf hinzuwirken, dass die Auflagen für die Erdgasförderung erhöht werden, so Paar.

Auch CDU-Ratsherr Joachim Bauer wies darauf hin, dass es sich nicht um ein lokal begrenztes Thema handelt, das allein die Grasberger kümmern muss. „Wenn es hier nicht passiert, dann eben woanders.“ Wie auch andere Ratsmitglieder lobte Bauer den Einsatz der Bürgerinitiative und er nahm die Politik in die Pflicht, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, um eine Veränderung beispielsweise des Bergbaurechts zu erzielen. Auf diese Weise könnten es die Politiker den Bürgerinnen und Bürgern in den Bewegungen ersparen, sich beim Werben für ihre Sache „die Hacken abzulaufen“.

Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann erklärte, das es Anfang kommender Woche noch ein Gespräch mit der Dea geben solle. Sie ließ durchblicken, dass sie sich vorstellen könnte, dass das Unternehmen beim nächsten Anlauf anders vorgehen und auf einen Antrag zur Sondernutzung der Gemeindestraßen für die Messung verzichten wird. Entweder, so mutmaßte Schorfmann, werde sich die Dea allein an private Grundstückseigentümer wenden oder aber komplett auf die Messungen verzichten und gleich einen Antrag auf eine Probebohrung stellen. „Die holen jetzt Luft.“ Daher müsse man jetzt geschlossen vorgehen und auch auf die Abgeordneten auf Kreis-, Landes- und Bundesebene einwirken.

Ein Vorschlag, den CDU-Vertreter Kai Entelmann unterstrich: Ein Ansprechpartner der CDU sei unter anderem Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, während sich die SPD auch an Ministerpräsident Stephan Weil wenden sollte. Zugleich nahmen Entelmann und andere den an diesem Donnerstag tagenden Kreistag in die Pflicht, das Thema auch nach der Lageänderung ernsthaft zu behandeln. Eigentlich sollte der Kreistag eine vom Bauausschuss vorgelegte Resolution verabschieden, die die Erdgasförderung in der Region ablehnt. „Es wäre“, so Entelmann, „ein völlig falsches Signal, dieses Thema von der Tagesordnung zu nehmen.“

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