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Aufgetischt, Teil 24: Fischerhuder Gasthof Berkelmann mit langer Tradition / Einige Prominente unter den Gästen
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Rustikales fein serviert

GISELA ENDERS 04.01.2016 0 Kommentare

Restaurant Berkelmann in Fischerhude
Im Restaurant Berkelmann in Fischerhude hat das Ehepaar Anneliese und Ingo Tietjen das Sagen. Gemeinsam bewirtschaften sie seit 2009 den traditionsreichen Hof. (Björn Hake)

Galloways und Geflügel hat er gezüchtet, ein Taxi-Unternehmen geführt und ein renommiertes Feinkostgeschäft mit edlem Restaurantbereich im Bremer Ostertor: Die Rede ist von Ingo Tietjen, der in den 1940er-Jahren an der Unterweser das Licht der Welt erblickte. Was er anpackte, gelang dem agilen Mann, jedes seiner Unternehmen führte er zu großem Erfolg. Seine besondere Liebe gilt jedoch von jeher der Gastronomie – Grund genug für ihn, im Rentenalter noch einmal richtig loszulegen. Gemeinsam mit Ehefrau Anneliese bewirtschaftet er seit 2009 den Traditionsgasthof Berkelmann im „Dorf der Bauern und Künstler“, den er zuvor recht günstig ersteigern konnte.

1867, so geht es aus einer Chronik hervor, erwarb Georg Gerhard Christian Berkelmann aus Papenburg das Bauernhaus in Fischerhude, in dem sich Gastwirtschaft, Bäckerei und ein Gemischtwarenladen befanden. Durch Einheirat in eine Familie Blanken wurden die „Berkelmänner“ Mitglieder einer alteingesessenen Sippe. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor; fünf von ihnen blieben unverheiratet und leiteten das Gasthaus über viele Jahre erfolgreich.

„Eigentlich hätte ich mich schon zur Ruhe setzen können, aber das war und ist nichts für mich“, erzählt der jetzige Chef des Hauses und schmunzelt dabei. So hätten zunächst zahlreiche Handwerker den weitläufigen Komplex einer umfassenden Renovierung unterzogen, bevor die ersten Gäste wieder begrüßt werden konnten. „Verändert haben wir hier so gut wie nichts“, sagt der Hausherr, der sich der 150-jährigen Tradition des Hauses im Fischerhuder Ortskern verpflichtet fühlt und auch das Speiseangebot weitgehend übernommen hat. „Selbstverständlich fließen gelegentlich auch mal italienische Momente in unser Angebot ein, unser Hauptaugenmerk legen wir jedoch auf die sorgfältige Zubereitung feiner Hausmannskost“, erklärt Ingo Tietjen, im Herbst gehöre selbstverständlich Wild dazu. Bei einem Gang durch die Küche erzählt er von allerlei Prominenz, die im Laufe der Zeit sowohl zum Essen als auch zum Schlafen in die über dem Restaurant gelegenen Zimmer eingekehrt waren. Zu ihnen gehörten Paula und Otto Modersohn, der Dichter Rainer Maria Rilke und zahlreiche weitere Künstler aus der Region. Auch der ehemalige Bundespräsident Karl Carstens und der kürzlich verstorbene Helmut Schmidt hätten die Gastlichkeit des Traditionshauses zu schätzen gewusst.

Eine Vielzahl von Mitarbeitern – unter ihnen sechs gelernte Köche – ist unterdessen mit der Vorbereitung der Gerichte beschäftigt, die an 120 Plätzen in verschiedenen gemütlich eingerichteten Räumen des Komplexes verzehrt werden können. „Neben unseren selbst geschnittenen und klassisch gefüllten Rouladen sind im Moment natürlich Enten und Gänse besonders gefragt“, klärt Ingo Tietjen auf. „Dazu werden Klöße serviert und natürlich Rotkohl“. 45 Kilo des heimischen Gemüses seien gerade geschnippelt und gegart worden, fährt er fort, „die Knödel sind selbstverständlich handgemacht“. Geschmacksverstärker und andere künstliche Zusätze dulde er nicht, betont der Wirt, der fast ausschließlich Produkte aus der Region verarbeiten lässt. Während er sich um den Wareneinkauf, die Bücher und die zurzeit 18 Menschen umfassende Belegschaft kümmert, hat Ehefrau Anneliese als diplomierte Servicemeisterin die Zufriedenheit der vielen Gäste im Blick, die sich im Sommer auch gerne in dem gepflegten Garten niederlassen.

Die Rouladen, die in Reih und Glied in einer Kühlkammer auf Abnehmer warten, haben es mir besonders angetan. Während meine Portion ihrem Auftritt entgegen gart, erfreue ich mich als Entree an der kochend heißen Fischerhuder Hochzeitssuppe mit reichlich Eierstich, den ich für mein Leben gern mag. 4,80 Euro kostet die kleine Portion, ein großer Teller, der mir als Vorspeise etwas reichlich scheint, wird mit 6,50 Euro berechnet. Und dann kommt mein Hauptgang auf den Tisch, eine herzhaft duftende Angelegenheit, bei deren Anblick mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Begleitet wird das Fleisch vom schon erwähnten Rotkohl und frisch gestampftem Kartoffelpüree, die Soße kommt klassisch daher (17,20 Euro). Dazu mundet ein Bordeaux Supérieur vom Chateau de Lisennes, der zum Glaspreis von 8,60 Euro ausgeschenkt wird (0,2 l). Es geht natürlich auch günstiger, zwischen 4,50 und 5,80 Euro werden weitere Rotweine angeboten.

Eine kleine Pause ist angezeigt, ein Espresso (2,20 Euro) vertreibt die wohlige Müdigkeit, die sich nach einem opulenten Essen gerne mal einstellt. Und dann krönt Rote Grütze (4,90 Euro) mit einer aromatischen Vanillesoße das traditionelle Wintergericht, das mir ausgezeichnet geschmeckt hat. Vier Kinder hat das fleißige Gastronomen-Paar. „Alle sind Akademiker, und alle sind weg“, beschließt Ingo Tietjen unser Gespräch. So sei das eben, resümiert er ganz ohne Bitterkeit, er wolle ja ohnehin weitermachen. „Solange wir können“, sind sich die Eheleute einig, „im besten Fall noch mal zehn Jahre“.

Haus Berkelmann, Zum Dieker Ort 13, 28870 Fischerhude, Telefon: 0 42 93 / 3 44.

Rezept

◼ Rote Grütze (4 Portionen)

Zutaten:

1 Glas Sauerkirschen

1 Packung TK-Beeren

1 EL Zucker

2 EL Stärkemehl

Schlagsahne zum Garnieren

Zubereitung:

Die Sauerkirschen mit den Beeren und dem Zucker zum Kochen bringen. Stärke mit etwas Wasser glatt rühren, in das kochende Beerengemisch geben und 2 Minuten köcheln lassen. In Portionsschalen füllen, mit Sahnetupfern garnieren.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?