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Rezept nach alter Tradition
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Uphuserin lüftet das Butterkuchen-Geheimnis

Sven Marquart 18.12.2012 0 Kommentare

Achim.Wenn Elisabeth Bösche eingeladen ist, bringt sie statt Blumen auch schon mal ein Blech Butterkuchen als Gastgeschenk mit. Um ihr Wissen weiterzugeben und die alte Tradition zu bewahren, hat die Uphuserin interessierte Frauen in ihre Küche eingeladen. Die Resonanz ist so groß gewesen, dass aus dem einen geplanten Backabend drei geworden sind.

Der Clou: Marianne Liedtke spickt den Teig mit gesalzener Butter.
Der Clou: Marianne Liedtke spickt den Teig mit gesalzener Butter.
"So ein Schweinkram! Das kriegt man ja gar nicht wieder von den Fingern ab." Laut schimpfend versucht Hanna Beneke, ihre Hände von der klebrigen Masse zu befreien. Vergebens. Es hilft nur eins: kneten! "Der Teig will geschlagen werden – das ist schön, wenn man Wut hat", ermuntert sie Elisabeth Bösche, deren Küche sich an diesem Winterabend in eine Backstube verwandelt hat.

"Butterkuchen mag jeder, aber kaum jemand weiß heute noch, wie der Teig verarbeitet wird – es wäre schade, wenn diese alte Tradition nicht weitergegeben wird", sagt die 61-Jährige. Sie selbst backt einen vorzüglichen Butterkuchen und möchte dieses Wissen nun mit anderen teilen. Die Resonanz ist größer als erwartet: 13 Frauen wollen sich in die Geheimnisse des Hefeteigs einweihen lassen. So werden aus dem geplanten Backabend eben drei. Egal, Elisabeth Bösche fackelt da nicht lange.

Marianne Liedtkes Butterkuchen-Versuche endeten meistens frustrierend. "Kürbisbrot krieg’ ich hin, aber Butterkuchen nicht – dabei ist das auch Hefeteig", erzählt die Uphuserin. Wenn ihr Kuchen frisch aus dem Ofen kam, habe er zwar geschmeckt, sei aber jedesmal ganz schnell hart geworden.

Das soll in Zukunft anders sein, wünscht sie sich. Auch Anni Harders hat schon oft versucht, Butterkuchen zu backen. "Aber der ist nie etwas geworden", berichtet die Ueserin. "Ich hab’ schon mal fleißige Fee gespielt und die Zutaten hingestellt", unterbricht sie Elisabeth Bösche. Na denn mal los.

Warmes Plätzchen auf der Heizung

Zunächst mit dem Löffel eine kleine Mulde in das Mehl drücken und die Hefe hineinbröseln. "Den ganzen Würfel?", fragt Marianne Liedtke. "Jo!", lautet die klare Anweisung. Anschließend wird das Fett in der Hälfte der Milch erwärmt und danach mit der Hefe und etwas Zucker verrührt. In diesem Moment dämmert Marianne Liedtke, was sie bisher falsch gemacht hat: "Ich hab’ immer das Fett in der ganzen Milch aufgelöst."

Jetzt kommen die Deckel auf die Plastikschüsseln. Die Gefäße erhalten ein warmes Plätzchen auf der Heizung, damit der Vorteig "gehen" kann. 15 Minuten Zeit für die fünf Frauen, um in der Stube über dies und jenes zu plaudern. Unterdessen fummelt Elisabeth Bösches Ehemann Johann in der Küche an der Heizung herum, die schon im Nachtbetrieb ist. "Wenn die kalt ist, bringt das nichts."

Das Produkt eines langen Backabends: Elisabeth Bösche (vorne), Christine Groß, Marianne Liedtke, Hanna Beneke und Anni H
Das Produkt eines langen Backabends: Elisabeth Bösche (vorne), Christine Groß, Marianne Liedtke, Hanna Beneke und Anni Harders (hinten von links) holen das erste Blech Butterkuchen aus dem Ofen.FOTOS: MARQUART

"Plopp!" "Plopp!" Auf dem Heizkörper tut sich was. Das Aufspringen der Deckel ist für die Hausherrin ein sicheres Indiz: "Der Teig ist gut!" Jetzt geben die Butterkuchenbäckerinnen die restliche Milch, ein Ei und eine Prise Salz in ihre Schüsseln. Dann heißt es: nach Leibeskräften kneten, walken und schlagen. Nicht nur Elisabeth Bösches Schwägerin Hanna Beneke hat ordentlich zu kämpfen.

Doch die Anstrengung lohnt sich. Nach ein paar Minuten ist aus der matschigen Pampe ein goldgelber Kloß geworden. "Jetzt haben wir genug geballert", entscheidet Elisabeth Bösche. Die Teigklumpen werden wieder in die Schüsseln eingesperrt und dürfen sich eine weitere Viertelstunde auf der Heizung wärmen.

Butterkuchen backen ist eine durchaus zeitintensive Angelegenheit. "Wenn man den in einem Rutsch machen will, muss man zwei bis zweieinhalb Stunden einplanen", rechnet Elisabeth Bösche vor. Die neuerliche Unterbrechung nutzen die gelernte Hauswirtschafterin und ihre Besucherinnen, um den Belag vorzubereiten. Sie hacken Zucker und ein Eigelb mit einem Messer krümelig. "Das Eiweiß kommt nicht weg – davon will ich Makronen backen", verkündet Elisabeth Bösche.

"Plopp!" "Plopp!" Die Chefbäckerin stürmt wieder in ihre Küche. Es kann weiter gehen. Zunächst werden die Backbleche mit Butter eingefettet, dann wird der Teig von Hand gleichmäßig darauf verteilt. "Ich arbeite nicht gern mit dem Nudelholz. Das backt immer an. Außerdem haben wir Finger", sagt Elisabeth Bösche und lacht. Damit der Kuchen später nicht beulig wird, piekst sie mit einer Gabel Löcher hinein.

Dann werden die Bleche mit Geschirrhandtüchern für eine dritte Ruhezeit abgedeckt. Die Bäckerinnen gönnen sich eine Belohnung. "Ich hol’ uns jetzt eine Flasche Sekt – die haben wir uns verdient", meint Elisabeth Bösche. "Plopp!" Diesmal knallt nur der Sektkorken.

Auf geht’s zur letzten Runde. "Viele belegen den Teig schon beim Gehen mit Butter – dann sind hinterher aber die Löcher weg", sagt Elisabeth Bösche. Als besonderen Clou verwendet sie gesalzene Butter. "Das steht in keinem anderen Rezept. Sonst ähneln die sich alle." Wenn der ganze Teig mit Butter gespickt ist, kommen die Zucker-Ei-Streusel drüber, fertig.

Jedes der Bleche wird einzeln abgebacken, andernfalls würden jene in den oberen Etagen nicht richtig braun. Der Ofen ist auf Ober- und Unterhitze eingestellt. "Bei Umluft wird der Kuchen zu trocken", erklärt die Gastgeberin. Um das zu verhindern stellt sie außerdem eine Untertasse mit Wasser in die Röhre.

Als erstes ist der Kuchen von Marianne Liedtke an der Reihe. Ein köstlicher Duft macht sich in der Küche breit. "Marianne, der ist astrein!", freut sich Elisabeth Bösche mit ihrer Nachbarin, als das Prachtexemplar von Butterkuchen nach einer guten Viertelstunde fertig ist.

Beim Hineinbeißen knacken nur die Zuckerstreusel, ansonsten ist das fluffige Gebäck total saftig. Lecker! "Wenn der Kuchen ein bisschen abgekühlt ist, einfrieren – dann schmeckt er nach dem Auftauen wie ofenfrisch", empfiehlt Elisabeth Bösche.

Elisabeth Bösches Butterkuchenrezept

Elisabeth Bösches Butterkuchenrezept ist seit mehr als 100 Jahren in der Familie überliefert. Sie hat es von ihrer Mutter geerbt und die wiederum von ihrer Großmutter. Damit "das Patent auch weiterkommt, wenn ich mal auf Kösters Kamp liege", erklärt Elisabeth Bösche bereitwillig, wie der Hefeteig verarbeitet wird. Als Zutaten werden benötigt: 500 Gramm Mehl, ein Würfel Hefe, ein Viertelliter Milch, 100 bis 125 Gramm Fett, zwei Eier, 160 bis 180 Gramm Zucker, 100 bis 130 Gramm gesalzene Butter und eine Prise Salz. Zubereitung: Zunächst wird das Mehl in eine Schüssel gesiebt und damit eine kleine Mulde gebildet. Dort hinein wird die Hefe gebröckelt und mit 80 Gramm Zucker und einem Achtelliter lauwarmer Milch, die mit dem Fett verrührt wurde, vermengt. Anschließend deckt man den Vorteig ab und lässt ihn für etwa 20 Minuten "gehen". Nach dem Aufgehen die restliche Milch, ein Ei und Salz zugeben und den Teig mit der Hand schlagen. Die Masse nochmals 20 Minuten in der zugedeckten Schüssel gehen lassen. Danach wird der Teig auf einem mit Butter gefettetem Backblech ausgerollt. Damit der Kuchen nicht "beulig" wird, kleine Löcher mit der Gabel einstechen. Das Blech mit einem Geschirrhandtuch abdecken und noch ein drittes Mal gehen lassen. In der Zwischenzeit für den Belag ein Eigelb mit 80 bis 100 Gramm Zucker mit dem Messer krümelig hacken und den Backofen auf 210 Grad Celsius (Ober- und Unterhitze) vorheizen. In den fertigen Teig kleine Wölkchen der gesalzenen Butter drücken und anschließend die Zucker-Ei-Krümel darüber verteilen. Jedes Blech einzeln – je nach gewünschtem Bräunungsgrad – 15 bis 20 Minuten abbacken. Damit der Kuchen saftig bleibt, eine Untertasse mit Wasser in den Ofen stellen.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...