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Bürgermeisterwahl in Oyten
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Bereit, ihren „Mann“ zu stehen

Marius Merle 23.04.2019 1 Kommentar

Familienmensch: Sandra Röse legt großen Wert auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und den Kindern. 
Familienmensch: Sandra Röse legt großen Wert auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und den Kindern.  (Björn Hake)

Das erste kleine Ziel hat Sandra Röse schon erreicht. Denn der Wahlslogan der CDU-Bürgermeisterkandidatin in Oyten habe für die erhoffte Aufmerksamkeit gesorgt. „Unser Mann für Oyten“ lautet dieser und soll bewusst dazu anregen, etwas länger vor dem Wahlplakat stehen zu bleiben. „Schließlich bin ich ganz klar kein Mann“, sagt Röse, die findet, dass ihr Slogan nicht nur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch „interpretationsfähig“ ist. Und damit sei er in vielen Fällen der optimale Gesprächsaufhänger. „Natürlich muss ich in Kauf nehmen, dass er vielleicht auch provoziert“, aber bisher seien die Rückmeldungen laut der der 47-Jährigen überwiegend positiv gewesen – so wie sie den gesamten bisherigen Wahlkampf einschätzt.

„Ich lerne so viele interessante Menschen kennen“, sagt Röse, der eben das auch ein großes Anliegen ist. Schließlich wohnt sie erst seit zehn Jahren in der Gemeinde Oyten und kann so gar nicht über die Kontakte vor Ort verfügen, wie sie Alteingesessene haben. Aber das Einleben habe in Oyten sehr schnell funktioniert, betont die Bürgermeisterkandidatin, die in Sagehorn mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt. Aus eigenen Erfahrung wisse sie, dass das auch anders laufen kann. Vorher lebte die Familie vier Jahre lang in Sottrum. „Doch wir wurden dort nicht wirklich heimisch.“ Als es dann darum ging, einen neuen Wohnort im Bremer Speckgürtel zu finden, konnte es für ihren Mann dann nur Oyten sein – schließlich kommt er ursprünglich aus der Gemeinde. „Gesehen, geliebt, gekauft“, beschreibt Röse den Moment, als sie 2009 ihr zukünftiges Zuhause in Augenschein genommen haben.

Die 47-Jährige selbst ist  in Cloppenburg aufgewachsen. Nach der Ausbildung zur Industriekauffrau und einem Jahr auf einer Sprachenschule absolvierte sie ein berufsbegleitendes Abendstudium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation. Nach einigen Jahren Berufspraxis in Einkauf und Organisation machte sich Röse 2008 selbstständig und bietet nun Beratung sowie kaufmännischen Dienstleitungen für Unternehmen an. 

Kurze Zeit später erfolgte dann auch der Sprung in die Politik. „Als feststand, dass wir in Oyten bleiben würden, gab es keine Ausreden mehr“, erklärt Röse, die schon immer politisch interessiert gewesen sei – ohne sich ideologisch aber frühzeitig auf eine Partei festzulegen. „Dass es die CDU wird, war nicht von Anfang an klar“, sagt die Sagehornerin. Letztlich entschied sie sich aber für die Oytener Christdemokraten und wählte 2010 als Beratene Bürgerin einen „sanften Einstieg“ in die Kommunalpolitik. Seit 2011 sitzt Röse nun im Gemeinderat – derzeit als eine von sechs Frauen im 33-köpfigen Gremium.

Ein Ungleichgewicht, das die Bürgermeisterkandidatin stört und weswegen sie auch aktiv an dem Projekt „Frauen in die Politik“ mitwirkt. Eine der bisher wesentlichen Erkenntnisse bei den Gesprächen mit Oytener Bürgerinnen sei, dass vor allem projektbezogenes Arbeiten erwünscht sei. Das Ratsmandat mit der mehrjährigen Verpflichtung sei nun einmal nicht „sexy“, aber umso wichtiger sei es, die Frauen dann vermehrt über die besagten Einzelprojekte in politische Entscheidungsprozesse mit einzubinden.

Insgesamt sei es Röse, wenn sie denn ab Oktober die neue Verwaltungschefin wäre, ein großes Anliegen, zusätzliche Wege der Bürgerbeteiligung zu finden. „Politik transparenter machen“, gibt sie als ein Ziel aus. „Daher gehört es auch zu meinen festen Vorhaben, jemanden mit der Öffentlichkeitsarbeit zu betrauen“, kündigt sie an. Denn in diesem Bereich gebe es Verbesserungspotenzial. Verstärkt widmen möchte sich die 47-Jährige im Falle eines Wahlsieges auch einigen „Pflichtaufgaben“, die in Oyten zuletzt nicht die nötige Priorität genossen hätten.

Da wäre etwa die Qualität vieler Straßen, die zu denken gebe. Umso wichtiger sei es, so zeitnah wie nur möglich, eine neue Straßenausbausatzung vorliegen zu haben. Dringenden Handlungsbedarf sieht Röse zudem beim Thema „Leben im Alter“. Trotz der zahlreichen Alten- und Pflegeeinrichtungen in der Gemeinde, sei jetzt schon kein Platz mehr frei. „Es muss jemand sterben, damit ein Bett frei wird“, benennt sie den Missstand. Ein größeres Angebot sei nötig und für die Realisierung sei „keine Zeit zu verschenken“.

Apropos Zeit: Die habe Röse durch Wahlkampf und Job aktuell für viele andere Dinge leider kaum noch. Die Backleidenschaft etwa könne derzeit nicht wie sonst ausgelebt werden. „Brot backen ist für mich das Großartigste“, schwärmt sie von dem herrlichen Duft. Auch zum Lesen kommt die Sagehornerin in letzter Zeit deutlich weniger, immerhin hält so der Vorrat an Lesestoff noch länger an. „Denn wenn ich nichts mehr zu lesen habe, verfalle ich in Hysterie“, merkt Röse mit einem Lachen an. Mit ihrem Mann geht sie gerne in der Umgebung spazieren. „Wir haben hier einige schöne Wege direkt vor der Haustür.“ Doch auch die gemeinsame Zeit mit dem Partner fällt in diesen Tagen deutlich kürzer aus. Aber ihre lieb gewonnenen Freizeitaktivitäten stelle sie aktuell gerne hinten an, denn schließlich gilt es, ein großes Ziel zu erreichen: Oytens erste Bürgermeisterin zu werden.

Zur Sache

WESER-KURIER-Talk am 21. Mai

Fünf Tage vor der Bürgermeisterwahl in Oyten können sich alle Interessierten noch einmal ein genaues Bild von den Kandidaten machen. Denn für Dienstag, 21. Mai, lädt der WESER-KURIER zu einem Talkabend ein, bei dem auch Besucher Fragen an die Bewerber stellen können. Los geht es um 18 Uhr im großen Saal vom Gasthaus Zum Alten Krug. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist frei. 


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...