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Ladenschließungen in Achim
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Das Ende einer Institution

Kai Purschke 15.04.2019 0 Kommentare

Schweren Herzens, aber mit ein bisschen Vorfreude auf den Ruhestand schließt Ingrid Hashagen Ende Juni ihr Tee-Haus.
Schweren Herzens, aber mit ein bisschen Vorfreude auf den Ruhestand schließt Ingrid Hashagen Ende Juni ihr Tee-Haus. (Jonas Kako)

An diversen Geschäften in der Innenstadt sind derzeit rot-weiße Aufkleber an den Schaufenstern zu sehen. Sie weisen auf den nächsten verkaufsoffenen Sonntag am 28. April hin. Auch am Tee-Haus Hashagen an der Herbergstraße kleben seit Sonntagmittag rot-weiße Hinweise – sie beinhalten allerdings eine schlechte Nachricht für die City: „Räumungsverkauf“. Das Fachgeschäft, das so etwas wie eine Institution in Achim ist, schließt. Ingrid Hashagen sagt, dass sie sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, aber zum 1. Juli soll Schluss sein mit dem Tee-Haus.

„Ich habe mich schwergetan und unheimlich lange überlegt“, erzählt sie am Montagmorgen, nachdem diverse Kunden die auffälligen Hinweise an den Schaufenstern schon gesehen und die 63-jährige Geschäftsfrau darauf angesprochen hatten. Keine Frage, der Zuspruch, den sie dabei erfuhr und sicherlich in den nächsten Wochen noch erfahren wird, zeigt ihr, welchen Stellenwert ihr Geschäft in Achim genießt. Und doch schließt Ingrid Hashagen es für immer, vor allem, weil sie im Juli ins Rentnerinnen-Dasein wechselt, aber auch, weil es deutlich schwieriger geworden ist, als selbstständige Einzelhändlerin Geld zu verdienen. 

Abschied nach 33 Jahren

Insgesamt 33 Jahre ist Ingrid Hashagen im Tee-Haus tätig, die letzten 14 Jahre als Inhaberin und daher auch in ihrer ohnehin knappen Freizeit seit vielen Jahren beruflich extrem eingespannt. „Es ist auch schwieriger geworden, an kleine Mengen zu kommen, die Firmen liefern eher große Mengen an Waren aus“, weiß sie. Und auch das Kundenverhalten habe sich verändert, natürlich spielt das Onlinegeschäft dabei eine Rolle. Die Kundin, die sich ausführlich zu einer Teekanne beraten lässt und dann ohne Kauf den Laden verlässt, um sie wohl im Internet zu bestellen, nennt Ingrid Hashagen als ein Beispiel. Auf deren anderen Seite seien gerade auch mit ihren Stammkunden viele Freundschaften entstanden, wofür die Geschäftsfrau sehr dankbar ist.

Raths-Apotheke
Traditionsreich und nicht wegzudenken aus Bremen: die Raths-Apotheke auf dem Bremer Marktplatz. Sie ist fast 500 Jahre alt und war in den ersten 100 Jahren ihres Bestehens ohne Konkurrenz. 
 Am Markt 11, 28195 Bremen
Ludwig von Kapff
Das Weinkontor Ludwig von Kapff blickt auf eine lange Geschichte im Bremer Weinhandel zurück: das Traditionsgeschäft feierte 2017 sein 325-jähriges Bestehen. 
Wachmannstraße 16, 28209 Bremen/ Konsul-Smidt-Straße 8 J, 28217 Bremen
 Schreibkultur 
Das Schreibwarengeschäft in der Bremer Innenstadt blickt auf ein 157-jähriges Bestehen zurück, eröffnet wurde der Laden von Georg Adam Dörrbecker in der Sögestraße. 1997 musste der Vertrieb in die Domshof-Passage umziehen, von wo er seit 2015 von der Dortmunder Pro Büro & Kopier GmbH geführt wird. Der Laden muss Ende des Jahres schließen.
Domshof-Passage, 28195 Bremen
Cigarren Niemeyer
Vom einstigen Tabakstandort Bremen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Den Einzelhändler Cigarren Niemeyer aber gibt es seit nunmehr eineinhalb Jahrhunderten. Martin Niemeyer eröffnete sein Geschäft 1864 gegenüber der alten Börse, heute wird es in der vierten Generation familiengeführt. 
Domshofpassage 21 A, 28195 Bremen
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsgeschäfte gibt es noch

Dass die Lage, abseits der Fußgängerzone am Alten Markt, nicht die Allerbeste ist, daran hat sich Ingrid Hashagen längst gewöhnt. Sie erzählt, wie immer noch Leute aus Achim in ihr Geschäft kommen und fragen, ob es neu sei. Und noch immer scheint es so, als könne sie es kaum glauben, wenn sie darüber spricht. Um eine Nachfolge hat sich Ingrid Hashagen bemüht, aber niemanden gefunden – und so dürfte es dann im Sommer zunächst einen weiteren Leerstand in der City geben. Die Tee-Expertin will dann erstmals ihre neu gewonnene Freizeit und Lebensqualität genießen und zuvor noch ihr letztes Herbergstraßenfest am 4. Mai auf die Beine stellen. Ihre treuen Kunden, die sich bereits bevorraten, wie die Einzelhändlerin erzählt, werden sich also noch in Ruhe verabschieden können.

"Alles muss raus" gilt derzeit auch bei Anjas Kinder-Paradies – ein weiteres inhabergeführtes Geschäft, das die Segel streicht. (Kai Purschke)

Ausverkauf beim „Kinder-Paradies“

Verabschieden aus der Achimer Fußgängerzone wird sich auch Anjas Kinder-Paradies, der Ausverkauf läuft. Das Geschäft wurde im Oktober 2011 von Anja Körner an der Heilbronnstraße seitlich der Marktpassage eröffnet und vor ein paar Jahren von Nelli Buchmöller übernommen. Neben dem Laden für Spielsachen, Bücher und vieles mehr, war Ende vergangenen Jahres bereits das inhabergeführte Geschäft „Glückskind“ ausgezogen – mittlerweile befindet sich dort der Laden „Zuschnitt“, der vorher an der Obernstraße sein Domizil hatte.

Photo Dose
Über vier Generationen war Photo Dose seit 1898 eine Institution in Bremen. Bereits im März wurde das Onlinegeschäft von einem Fotounternehmen aus Sachsen-Anhalt gekauft, sechs Filialen an ein Kölner Unternehmen verkauft, fünf weitere Filialen wurden geschlossen. In der Spitzenzeit gab es 120 Läden.
Bäcker Hellweg
Die Firmengeschichte der Nordbremer Traditionsbäckerei Hellweg begann 1908 mit Konditoreiwaren, einige Jahre später wurde das Angebot dann auf Brot und Brötchen erweitert. Seit dem 1. Juni 2018 ist jedoch Schluss. 
 
Konditorei Heinemann:
Ebenfalls geschlossen: Das Konditorei-Café Heinemann an der Stader Straße 77. Es hätten Investitionen angestanden, er habe sieben Tage die Woche gearbeitet und in den vergangenen Jahren nur ein paar Wochen Urlaub gehabt, schildert der langjährige Inhaber Ingo Broekmann die Gründe. 
Der Familienbetrieb wurde im Jahr 1950 durch seine Großeltern gegründet, später dann, 1968, an ihre Tochter und deren Mann übergeben. 30 Jahre später hat Ingo Broekmann das Konditorei-Café von seinen Eltern übernommen und es fast zwei Jahrzehnte mit großem Einsatz geführt.
Roland-Kleidung: 
Ende 2018 wird das Fachgeschäft für Herren- und Damenmode an der Sögestraße Ecke Lloydpassage schließen. Das Geschäft habe keinen Gewinn mehr erwirtschaftet, teilte der Geschäftsführer Joachim Hauser unserer Zeitung mit. Den Artikel lesen Sie hier.
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsläden mussten schließen

Mirja Hehenberger, die mit ihrem Mann auch im Bremer Viertel ein Schuhgeschäft betreibt, hat diese Wechsel natürlich mitbekommen, lässt sich aber keinesfalls den eigenen Mut nehmen. Erst zum 1. Februar hatten sie mit „Scarpovino“ einen Schuhladen im ehemaligen Geschenkideen-Geschäft eröffnet und Verden damit den Rücken gekehrt. Zwar steht der neue Name noch nirgends groß dran, aber das sei in Arbeit. „Es ist bestellt“, sagt Mirja Hehenberger bestens gelaunt. „Ich bin positiv gestimmt“, erzählt die Langwedelerin, zumal es ihr auch die Achimer und deren Mentalität angetan hätten. „In Verden sind alle so negativ, in Achim ist das ganz anderes – und die Achimer wissen Qualität zu schätzen“, sagt die Geschäftsfrau. 

Ausschlaggebend für den räumlichen Wechsel nach Achim sei auch die Tatsache gewesen, „dass die Immobilienbesitzer hier mit den Mieten heruntergehen“. Auch das sei in Verden nicht der Fall gewesen. Auch hätte sie das Schuhgeschäft am anderen Ende der Fußgängerzone eröffnen können, aber das wollte sie nicht. „Die Läden haben Treppen am Eingang, das geht heute gar nicht mehr“, weiß sie. Und sie ist froh, dass sie dies vor allem ihrer älteren Kundschaft nicht zumuten müsse.


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Leserkommentare
peteris am 22.10.2019 11:19
Ach die "armen Landwirte". Monokultur,Massentierhaltung und Grundwasserverseuchung, sind das Markenzeichen der so "armen Landwirte", was auch noch ...
reswer am 22.10.2019 11:17
Verkehrswende ....ohne Verbesserungen im ÖPNV und der Bahn das wird nichts werden.

Erst diese verbessern.......dann werden auch viele ...