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Bürgerinitiative gegen Erdgasförderung
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Das rote X hat den Nordkreis erreicht

Lars Köppler und Marius Merle 29.11.2018 0 Kommentare

Julia von Monkiewitsch bearbeitet die roten Holzkreuze, die dann als Symbol des Widerstands an die Bürger verteilt werden.
Julia von Monkiewitsch bearbeitet die roten Holzkreuze, die dann als Symbol des Widerstands an die Bürger verteilt werden. (Fotos: Björn Hake)

„Jeder nur ein Kreuz“, heißt es in einem Zitat der britischen Komikergruppe Monty Python in dem 70er-Jahre-Kult-Klassiker „Das Leben des Brian“. Nicht ganz so streng in der Reglementierung geht es derweil dieser Tage auf dem Quelkhorner Losberghof von Julia und Malte von Monkiewitsch zu. Denn hier werden seit Wochen rot angestrichene Kreuze beziehungsweise Xe – um ungewollte Verwechslungen mit dem Deutschen Roten Kreuz zu verhindern – quasi im Akkord gefertigt und massenweise unter das Volk gebracht. Dabei können sich die Bürger auch mehrere Kreuze abholen oder liefern lassen.

Angefangen in der Gemeinde Grasberg vor einigen Wochen, regt sich seit kurzer Zeit auch verstärkt der Widerstand im Verdener Nordkreis. „Wir haben schon über Tausend davon produziert und im Umkreis von 15 Kilometern an die Menschen verteilt“, freut sich Julia von Monkiewitsch über die große Anteilnahme der Bevölkerung beim Protest gegen die vom Unternehmen Dea geplanten seismischen Messungen und wertet dies als „klares Statement“ an den Konzern. „Das Thema schlägt hohe Wellen und die Aktion ist mittlerweile ein Selbstläufer geworden. Wir haben unheimlich viele fleißige Helfer“, ergänzt die 39-Jährige.

Stetig gewachsen

Ein Ziel hat die erst im September dieses Jahres gegründete und seitdem stetig angewachsene Bürgerinitiative schon erreicht. Weil das rote X mit der Aufschrift „NoMoorGas“ reißenden Absatz findet und fast in jedem Straßenzug auffällig am Straßenrand steht, ist auch der Protest gegen die seismischen Messungen der Dea im Zuge der Erdgasförderung für Autofahrer, Radler und Fußgänger nicht mehr zu übersehen. „Wir sind ein Zusammenschluss von Menschen, die ihre Heimat lieben und sie für ihre Kinder und die nachfolgenden Generationen erhalten wollen“, beschreibt Julia von Monkiewitsch die Idee, die hinter der BI-Gründung steckt. Wie sehr das Thema die Menschen bewegt, zeige sich laut der Ergotherapeutin am Zuspruch und an den positiven Rückmeldungen.

(Björn Hake)

Und nicht nur im Flecken Ottersberg, auch in der Gemeinde Oyten schlagen die Mess-Planungen der Dea immer höhere Wellen. Vor Kurzem hat sich dort die Bürgerinitiative „NoGas Bassen-Oyten“ gegründet, die das gleiche Ziel verfolgt, wie „NoMoorGas“: Die Bürger wachzurütteln und darüber zu informieren, was die seismischen Messungen für Folgen für die Gemeinde haben könnten. „Wir haben uns gesagt, wir müssen hier auch was machen“, erzählt Annika Heinrichs aus Bassen, die zu den Initiatoren für die BI in der Gemeinde Oyten zählte und auch für „NoMoorGas“ aktiv ist. Einige Bassener seien auch bei der großen Infoveranstaltung in Grasberg gewesen (wir berichteten) und „ab da an ging es richtig los“. Ausgehend vom Einsatz einiger Bassener Familien erreiche das Thema nun auch immer mehr die ganze Gemeinde. „So langsam spricht es sich rum und die Resonanz ist sehr gut“, berichtet Heinrichs.

Alle Hände voll zu tun

Über mangelnde Resonanz kann sich auch „NoMoorGas“ wahrlich nicht beklagen: Die Gruppe ist innerhalb von nur fünf Wochen stetig gewachsen und weist inzwischen feste Strukturen auf. Vom Rechtsanwalt über Tischler und Logistiker bis hin zum Grafiker sind zahlreiche Berufsgruppen und Menschen in allen Altersklassen vertreten. „Wir haben sehr erfahrene Leute in unseren Reihen“, freut sich Julia von Monkiewitsch über die vorhandene Fachkompetenz. Sie selbst gehört zum sogenannten X-Team, das aus elf Aktivisten besteht. In ihrem Schuppen auf dem Losberghof wird das vom Sägewerk Holtmeyer aus Narthauen zur Verfügung gestellte Holz bearbeitet und dann an die Bürger verteilt, die ihrerseits einen kleinen Obolus für das rote X leisten und damit die Arbeit der Aktivisten unterstützen.

Langweilig wird es der Bürgerinitiative mitnichten. „Wir haben in der Gruppe verschiedene Jobs festgelegt“, erklärt die 39-Jährige. So gibt es sogar Außendienstler, die Grundstückseigentümer zum Informationsgespräch direkt vor Ort besuchen, aber auch Koordinatoren, die sich um die Verteilung der Flyer, um Unterschriftenlisten oder die Organisation von Informationsveranstaltungen kümmern. „Wir wollen möglichst viele Menschen informieren und ihnen zeigen, wie sie sich aktiv wehren können“, beschreibt Julia von Monkiewitsch den Anspruch, den die Gruppe an sich selbst stellt.

Kreuze tausendfach im Umlauf

Denn, dass der Energiekonzern Dea von Ende Januar bis Ende Februar 2019 in den Bereichen Thedinghausen, Achim, Oyten, Ottersberg, Grasberg und Lilienthal aufwendige Bodenuntersuchungen plant, um dort möglicherweise vorhandene Erdgas-Lagerstätten zu erkunden und dann schon bald Erdgas zu fördern, ist angesichts der Fülle der Kreuze, die mittlerweile tausendfach im Umlauf sind, vielen Menschen in diesem Großbereich ein Dorn im Auge. Die Verunreinigung von Boden und Trinkwasser, Gebäudeschäden durch Erdbeben in Folge von Erdgasförderung und Verpressung von Lagerstättenwasser sowie radioaktive Substanzen, die dabei zutage gefördert werden, sind nur einige der möglichen Konsequenzen, die befürchtet werden.

„Aber viele Menschen wissen einfach immer noch nicht Bescheid“, weiß Anja Büssenschütt aus Ottersberg, die ebenfalls für „NoMoorGas“ aktiv ist, aus eigener Erfahrung. Deswegen sei es so wichtig, möglichst alle Bürger zu erreichen – und zwar jetzt und nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. „Die Messungen müssen verhindert werden“, betont Büssenschütt. Denn sollte die Dea bei diesen erst einmal potenzielle Erdgas-Förderstellen ausgemacht haben, dann hätten sie nach der Gesetzgebung auch das Recht darauf, dort zu fördern. Deswegen verteile die BI auch Dokumente für Widerrufserklärungen, falls ein Grundstückseigentümer aus voriger Unwissenheit bereits eine Erlaubnis für die Messungen auf ihrem Grund und Boden erteilt hat. Aus Erfahrung wisse Büssenschütt, dass sich die Dea sehr geschickt anstellt, um solche Genehmigungen zu bekommen. „Dabei fällt der Name Dea nicht einmal“, sagt sie.

X-Bau-Aktion am 1. Dezember

Und während die Bürgerinitiativen in Ottersberg und Oyten weiter fleißig Aufklärungsarbeit leisten, wird auch die Zahl der roten Kreuze – respektive Xe – weiter anwachsen. Denn nicht nur in Quelkhorn werden die Widerstandsymbole angefertigt. An diesem Sonnabend, 1. Dezember, ist bei der Ottersberger Eismanufaktur Vanille & Pfeffer, Große Straße 56, ab 12 Uhr eine große X-Bau-Aktion geplant. Gebaut haben die Bassener schon vor einigen Tagen insgesamt 400 Stück. Die Abgabe startet an diesem Wochenende beim Oytener Geschäft Kistenbaron, Große Straße 45. Sehr wahrscheinlich also, dass die roten Xse bald fest zum Ortsbild in den Gemeinden gehören werden – vor allem, es wenn manche Erdgasgegner nicht bei nur einem Kreuz belassen.

Zur Sache

Bürgerinformationsveranstaltung am 5. Dezember

Die Bürgerinitiative "NoMoorGas" lädt alle Bürger aus Ottersberg und Oyten zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der über die geplanten seismischen Messungen seitens der Deutschen Erdöl AG (Dea) aufgeklärt werden soll. Sie findet am kommenden Mittwoch, 5. Dezember, ab 19 Uhr in der Freien Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg, Amtshof 5, statt. „Es war gar nicht so einfach, einen passenden Ort dafür zu finden“, erzählt Anja Büssenschütt von der Bürgerinitiative. Schließlich erwarte man ähnlich wie bei der Veranstaltung in Grasberg kürzlich mindestens 600 Besucher. Interessierte sollten daher möglichst rechtzeitig erscheinen.

Eingeladene Gäste sind Manfred Cordes, Bürgermeister Gemeinde Oyten, Horst Hofmann, Bürgermeister Flecken Ottersberg, Axel Miesner, CDU-Landtagsabgeordneter, Olaf Mager (Dea) sowie Vertreter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und des Landesamtes für Bergbau Energie und Geologie (LBEG). Sollten diese auch zur Veranstaltung kommen, erhofft sich die BI neben dem informativen Teil natürlich auch eine lebhafte Diskussion.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...