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Ausstellung in Achim
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Ein krasses Gelb als Lockmittel

Wilfried Adelmann 04.02.2019 0 Kommentare

Der Künstler und seine Arbeit: Christian Hoosen stellt seine Werke derzeit in Achim aus.
Der Künstler und seine Arbeit: Christian Hoosen stellt seine Werke derzeit in Achim aus. (Björn Hake)

Verkehrsgelb RAL 1023. Das ist die Farbe, die Christian Hoosen zu der Reihe „CORYFIN 100“ inspiriert hat. Die Ausstellung wurde von ihm speziell für den Kunstverein Achim zusammengestellt. Im Foyer des Achimer Rathauses schrillen den Besuchern die gelben Farbflächen entgegen und wecken Neugier, mehr über die Tafelbilder und Skulpturen zu erfahren, die frei zugänglich im öffentlichen Bereich des Rathauses hängen und stehen.

Der Untertitel „Bilder für mehr Wohlbefinden“ weist in sanfter Ironie auf das Thema hin, das den Künstler zu dieser Ausstellung animiert hat. Hoosen ist, nach eigener Aussage, ein Berichterstatter, der in Bildern etwas erzählen will, was ihm durch zahlreiche Erkundungstouren in der Alltagswelt begegnete. In Bussen, Bahnen und in alten und neuen Werbeanzeigen findet er Dinge und Zustände, die ihn zu Werken inspiriert haben, welche die Betrachter zu Selbstreflexionen anregen sollen. Beim aktuellen Thema handelt es sich um die Auseinandersetzung mit Nahrungsergänzungsmitteln, die ein Wohlbefinden versprechen, das auf synthetischer Basis entwickelt wurde.

Das alte Produkt Coryfin 100 versprach durch Vitamine und andere Zusatzstoffe eine Erhöhung des Wohlbefindens. Die Amphetamine des früheren Produkts wurden zwar inzwischen herausgenommen, aber das Versprechen mit künstlichen Mitteln die Laune zu steigern, ist geblieben. Und da setzen auch die anderen Bilder und Skulpturen des in Verden geborenen und in Berlin lebenden Künstlers an. Es werden zum Beispiel die Anzeigen von Reiseanbietern in einen kritischen Bezug zu Bedürfnissen, Sehnsüchten und Hoffnungen der Konsumenten gesetzt.

Von der Werbeindustrie zur Kunst

Mit dem krassen Gelb lockt Christian Hoosen die Besucher. Und er weiß, was er da macht: Hoosen, Jahrgang 1981, hat Design in Bremen studiert und als Artdirektor für die Werbeindustrie gearbeitet. Nach einer schweren Krise beschloss er jedoch freier Künstler zu werden und Unabhängigkeit ist eines seiner vorrangigen Ziele, um die Auseinandersetzung in Form und Inhalt mit den Betrachtern führen zu können. Der Künstler kann von seiner Kunst leben und die Preise für seine Bilder und Skulpturen liegen schon eher im höheren Bereich, wie ein Mitglied des Kunstvereins berichtete.

„Der Verein freut sich, Hoosen für diese Ausstellung gewonnen zu haben“, sagte Marita Lingel, die erste Vorsitzende des Vereins. „Wir haben Christian Hoosen auf einer Berliner Kunstmesse angesprochen und er hat eingewilligt, seine Werke in Achim auszustellen“, erzählt sie. "Dass es einen lokalen Bezug gibt, stellte sich erst später heraus, macht die Sache aber noch attraktiver.“

Am Tag der Vernissage führte Christian Hoosen in seiner heiteren, zugewandten Art jetzt durch die Ausstellung und erzählte den interessierten Besuchern die Geschichten, die den einzelnen Werken zugrunde liegen. Da gibt es einen, in Lack gegossenen Geldbeutel, dessen Münzen von der Berliner Landesbank nicht angenommen wurden oder das „Plakat“, das für das Testen von Schuhgerüchen wirbt.

Christian Hoosen verrätselt seine Bilder und seine mit Kaltschaum bearbeiteten schaurig-schönen Menschenkörper – aber er möchte damit nicht Distanz entwickeln, sondern erreichen, dass die Betrachter näher treten und sich selbst in den Werken spiegeln. „Wird ein Bild als schön tituliert oder erzeugt es bei mir selbst keine Spannung mehr, so habe ich mein Ziel verfehlt und das Bild kann eigentlich weg“, sagt der Künstler. Und so beklagt er auch, wenn er mit jüngeren Kollegen spricht, dass eine Gesprächskultur um sich greife, die nicht wehtun will und den harten Exkurs mit der künstlerischen Arbeit vermeide.

Hart aber freundlich soll die Auseinandersetzung sein – und „wascht euch die Ohren, wenn ihr zum Ohrenarzt geht“, bemerkt der Künstler etwas hintersinnig und geht zurück zu seinen verkehrsgelben Bildern mit der Farbe RAL 1023.

Die Ausstellung in der diesjährigen Reihe „Solitäre“ des Kunstvereins Achim läuft noch bis zum 27. Februar im Rathaus von Achim und in der gegenüberliegenden Kreissparkasse.


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