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Klassik im Schloss
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Eine Zeitreise in den frühen Barock

Susanne Ehrlich 16.06.2019 0 Kommentare

Das Ensemble Urstrom hatte für die Konzerte in Etelsen alte Instrumente mit im Gepäck.
Das Ensemble Urstrom hatte für die Konzerte in Etelsen alte Instrumente mit im Gepäck. (Björn Hake)

Auch die Alte Musik war einmal Neue Musik! Im Schloss Etelsen musizierte das junge Bremer Ensemble Urstrom im Rahmen von „Klassik im Schloss“ auf alten Instrumenten. Mit seinem Programm „Musica Transalpina – Eine musikalische Alpenüberquerung“ nahm es das Publikum mit auf eine Zeit­reise ins frühe 17. Jahrhundert. Mit aus­gelassener Musizierfreude und tänzeri­scher Leichtigkeit führte die Gruppe den „neuen Stil“ bravourösen Mu­sikantentums vor, der sich damals von den Fürstenhöfen Italiens über ganz Eu­ropa verbreitete.

Leopold Nikolaus und Konstanze Wai­dosch (Barockvioline und Barockcello), Julius Lorscheider (Cembalo), Bernhard Reichel (Chitarrone) und Claudius Kamp (Dulzian und weitere Blockflöten) wech­selten zwischen virtuos-gesanglichen solistischen Parts und  imponierend klangstarken Tutti, und es war sehr spannend zu erleben, wie viel Freiheit die Musik jener Zeit – ganz anders als die streng reglementierten Tonsätze der späteren Epochen – ihren Interpreten ein­räumt. Frisch drauflos improvisierte Or­namen­tik, rasante Läufe mit viel Glis­sando, überraschende Wendungen und eine wie in einem Staffellauf immer wieder an den Nächsten abgegebene Stimmführung sorgten für eine springle­bendige und unterhaltsame Wirkung.

Der weiche, intensive Klang der alten Instrumente und die Spielfreude und Heiterkeit der Musiker fügten sich orga­nisch in das Ambiente des festlichen Ba­rock-Saales, in dem nun eine Reihe zu­meist recht kurzer Werke der damals bedeutenden Komponisten jenseits und diesseits der Alpen erklang. Der Dulzian, eine imposante Doppel­rohrblatt-Bassflöte, kann als Vorgänger des Fagotts gelten. Der menschlichen Stimme überaus ähnlich, sang er in ei­nem dreistimmigen Canzon von Giro­lamo Frescobaldi mit der zärtlichen Violine um die Wette.

Eng verwandt und dennoch erstaunlich kontrastreich musizierten in einer Toc­cata von Girolamo Kapsberger das Cembalo und der Chitarrone, in Deutschland auch Theorbe genannt. Dieses Instrument, das gestrichen und gezupft werden kann, wurde in jener Zeit bevorzugt als Generalbass oder auch zur Begleitung von solistischem Gesang eingesetzt. Die Toccata wies den wei­chen „Zupfklängen“ beider Instrumente eigene Rollen mit starken Konturen und geheimnisvoll auseinanderdriftender und wieder zusammenfließender Akkordik zu. Nach dieser Musik von fast meditati­ver Sanftheit ergab die hochvirtuose Sopranflöten-Sonate von Niccolo Corra­dini einen scharfen Kontrast. Laut und übermütig auftrump­fend, erzählte die Flöte ihre höchst unterhaltsame Geschichte. Voller Geheimnis hingegen war die Sonata „La Fos­cari“ von Giovanni Legrenzi mit Violine und Dulzian, die aus weit entlegenen Fernen zu den Hörern sprach und mit ihrer gesanglichen Zärt­lichkeit unbestimmte Sehnsucht nach etwas nie wieder Erreichbarem weckte.

Die Sonata supra „La Monica“ von Philipp Friedrich Böddecker variiert eine spätmittelalterliche Volksweise, die sich seit 1500 in ganz Europa verbreitete und auch in die Melodie des Chorals „Mit Ernst, ihr Menschenkinder“ einfloss – von Violine, Dulzian und Continuo mit tief berührender Zärt­lichkeit gespielt. Eine Toccata für Cembalo von Johann Jakob Froberger leitete den zweiten Teil ein und öffnete mit ihrem sanft schwirrenden Klang, warmen Bässen und zarten Höhen erneut das Tor zu längst versunkenen Musikwelten. 

Vom ein ganzes Jahrhundert vor Bach geborenen Francesco Turini erklang eine Triosonate, die die typischen klaren kontrapunktischen Li­nien, intensiv aufscheinende chromati­sche Läufe, überraschende harmonische Entwicklungen und dabei einen innigen Einklang der Stimmen zeigte. Im Gegen­satz dazu wollte die Violine im „Capric­cetto“ von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli aus voller Kraft brillieren und die Bravourkunst des hochbezahlten und europaweit ge­fragten Solisten präsentieren.

Wie im Fluge verging dem Publikum die Zeit auf dieser so ab­wechslungsreichen wie authentischen Zeitreise in den frü­hen Barock, und nach langem begeistertem Applaus endete das Konzert mit einer „Sackpfeifen-Parodie“ als humorvoll-virtuose Zugabe.


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elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...