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Theaterstück
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Ernstes Thema humorvoll aufbereitet

Jörg Hübner 11.02.2019 0 Kommentare

Schauspieler Martin Leßmann (rechts) in einer Doppelrolle und sein musikalischer Begleiter Gero John überzeugten das Ottersberger Publikum mit ihrer Performance.
Schauspieler Martin Leßmann (rechts) in einer Doppelrolle und sein musikalischer Begleiter Gero John überzeugten das Ottersberger Publikum mit ihrer Performance. (Björn Hake)

Ein mit renommierten Preisen überhäuftes Theaterstück hat am Sonntag die Besucher im Ottersberger Gemeindehaus in seinen Bann gezogen. „Du bist meine Mutter“ heißt das Werk des niederländischen Schauspielers und Filmemachers Joop Admiraal, das das Bremer Theaterprojekt auf Einladung des Fördervereins der Christophorus-Kirchengemeinde auf die Bühne gebracht hat. Das Ottersberger Publikum bekam ein Stück über das Vergessen und das Abschiednehmen geboten, das der seit 26 Jahren in Bremen lebende freischaffende Schauspieler und Regisseur Martin Leßmann in einer Doppelrolle gemeinsam mit seinem musikalischen Begleiter Gero John in überzeugender Art und Weise präsentierte.

Pulitzerpreis, Adolf-Grimme-Preis und Prix Louis d'Or – das Solostück mit zwei Rollen aus dem Jahr 1981 hat schon in der Vergangenheit nicht nur den Nerv der Zuschauer getroffen, sondern auch die Juroren bei der Vergabe von wichtigen Auszeichnungen überzeugt. Die Geschichte der Aufführung ist aus dem Leben gegriffen und dürfte so manchem Zuschauer vertraut vorgekommen sein: Der Sonntag gehorcht einem Ritual. Der erwachsene Sohn macht sich auf den Weg zu seiner an Demenz erkrankten 80-jährigen Mutter, die in einem Pflegeheim lebt.

Jeden Sonntag lockt Paul sie für ein paar Momente zurück in die normale Welt. Er hilft seiner Mutter beim Anziehen und bespricht mit ihr die immer gleichen Dinge. Das Leben macht keinen Spaß mehr. Tante Sina hat Tabletten bekommen, aber sie nicht. Und wildfremde Leute kommen zu Besuch und tun so, als würde man sich kennen. Das Leben der Frau findet seine Realität nur noch von Begegnung zu Begegnung und sie sucht in ihrem Sohn den Halt für ihren verwirrten Geist. 

Darsteller Martin Leßmann verwandelte sich in seiner Doppelrolle mehr und mehr in diese alte Frau, spielte beide Figuren im Dialog miteinander. Dabei ließ Leßmann die Zuschauer teilhaben an dem Versuch, trotz einer trennenden Demenz miteinander zu sprechen und dadurch verbindende Augenblicke zu finden. Der Schauspieler erzählte die sensible Geschichte des Abschiednehmens von einem geliebten Menschen, dem Umgang mit dem Sterben und dem Vergessen, Abhängigkeit und Kinderliebe in einer Folge von Szenen, die sowohl Poesie und eine Verdichtung von Wirklichkeit zuließen, als auch komödiantische Sequenzen beinhalteten.

Der Schauspieler schlüpfte von einer Rolle in die andere, ließ die Figuren verschmelzen und auch ganz für sich stehen. In bruchstückhaften Rückblenden, die immer wieder die Handlung unterbrachen, sprang er auch in die Rolle des kleinen Jungen mit der damals jungen Mutter. Kindheitsszenen entstanden vor dem inneren Auge der 80-Jährigen und ihrem Sohn. Hier wechselten immer wieder konfliktreiche und harmonischen Momente. Wie im Traum tauchten Bilder auf, die durch eine in Stimmungen wechselnde Cello-Musik unterstützt wurden. Der Musiker Gero John war die ganze Zeit auf der Bühne präsent und erzeugte immer wieder verschiedene Klänge, Melodien oder Geräusche, die stets das facettenreiche Gefühlsleben der beiden Figuren unterstrichen.

Künstlerisch inszenierte Botschaften

Die Inszenierung unter der Leitung von Maria von Bismarck zeigte den Aspekt vom Umgang mit Krankheit, Angst vor dem Vergessen und Abschiednehmen, eröffnete aber auch Perspektiven für betroffene Angehörige. Die Atmosphäre im Saal unterstrich ebenfalls die von den Protagonisten künstlerisch in Szene gesetzten Botschaften.

Das stetig im Spielablauf wechselnde Bühnenlicht sowie eine hervorragende Akustik verstärkten dabei die gesetzten Akzente. Verschiedene Hintergrundbilder, die auf eine Leinwand projiziert wurden, nahmen die Zuschauer auch räumlich in unterschiedliche Szenerien mit. Die oft tragikkomödiantischen Züge des Spiels wie zum Beispiel das beschwerliche Anziehen der dementen Mutter nahm das Publikum dankbar an und quittierte diese mit einem meist verhaltenen Lachen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Realitätsnähe des Stückes durchaus Betroffenheit auslösen konnte – aber auch Begeisterung: Nach dem Ende des Stückes gab es minutenlangen Applaus. Anschließend hatten die Besucher die Möglichkeit, mit Martin Leßmann und Gero John ins Gespräch zu kommen.

„Obwohl das Stück seinen festen Ablauf hat und dadurch die Variationsmöglichkeiten eingeschränkt sind, habe ich doch in den letzten Jahren durch ganz persönliche Erfahrungen etwas meinen Gestus geändert“, beantwortete Leßmann die Frage eines Zuschauers nach Veränderungen in dem Theaterspiel.

Vor einiger Zeit, so berichtete Martin Leßmann, seien seine Eltern verstorben und so hätte er selbst auch nochmals eine Entwicklung durchgemacht, die Einfluss auf sein Spiel genommen hätte.


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suziwolf am 23.10.2019 06:43
„Aaaah“ „oooh“ sagt der/die Feuerwerker*in Sylvester 2019
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rakase am 23.10.2019 03:13
Den grundsätzlichen Ärger über zugeparkte Strassen kann ich ja voll und ganz nachvollziehen, auch wir müssen teilweise ganzjährig einen Kilometer zum ...