Wetter: Regenschauer, 9 bis 15 °C
Achimer Tafel
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Im Dienste bedürftiger Mitbürger

Gisela Enders 22.09.2019 0 Kommentare

Beim Tag der offenen Tür der Achimer Tafel konnten sich Interessierte über die Arbeit informieren.
Beim Tag der offenen Tür der Achimer Tafel konnten sich Interessierte über die Arbeit informieren. (Michael Galian)

Mehr als elf Millionen Tonnen wertvoller Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. „Verursacht wird dieser Wahnsinn zum Teil durch Überproduktionen, von denen wir jedoch profitieren“, erklärte Bruno Kroehn die Herkunft der Waren, die später bundesweit gegen geringes Entgelt an Bedürftige abgegeben werden. Gleichzeitig verwies der 2. Vorsitzende der Achimer Tafel anlässlich eines Tages der Offenen Tür jedoch auch auf Verschwendung im privaten Bereich, die etwa 40 Prozent des Gesamtvolumens ausmache und durch sinnvolleres Einkaufen durchaus vermieden werden könne.

„Wir leben in großen Teiles Europas auf einer Insel der Glückseligkeit“, beschrieb Kroehn den hohen Lebensstandard, gerade auch in Deutschland. Äpfel und Birnen aus Chile, Spargel und Heidelbeeren aus Peru, Zwiebeln und Nüsse aus Neuseeland seien jederzeit verfügbar und würden gekauft, obwohl heimisches Obst und Gemüse den Vitamin- und Nährstoffbedarf der Menschen zweifelsohne ebenfalls decken würden. Angesichts knackiger und exotischer Früchte würde jedoch gerne mal darüber hinweggesehen, dass lange Transportwege der Umwelt immensen Schaden zufügten.

„Die Dinge sind nun einmal da, und wir nehmen natürlich gerne alles“, beschrieb Kroehn das Sortiment, das in zwei modernen Kühlfahrzeugen täglich von ehrenamtlichen Fahrern in die Unterstraße gebracht wird. Wichtig sei es ihm darauf hinzuweisen, dass die Supermärkte in der Region sich ohne Ausnahme an der Bereitstellung nicht mehr verkaufsfähiger Ware beteiligen würden.

„Dazu gehört zum Beispiel auch verpacktes Frischgemüse“, sagte Elisabeth Almgard, seit acht Jahren im Sortierteam tätig. Sei davon auch nur eine Tomate ungenießbar, gelange die komplette Einheit nicht mehr in den Verkauf. Genauso werde mit anderen Artikeln verfahren, die dem verwöhnten Blick des Kunden eventuell nicht standhalten könnten. „Dosen mit kleinen Dellen, eingerissene Tüten mit beschädigten Etiketten kommen gar nicht erst in die Regale und damit uns zugute."

Nutznießer des Angebotes sind vielfach alleinerziehende Mütter, ausländische Mitbürger und ältere Menschen mit geringem Einkommen. Zweimal wöchentlich haben sie die Möglichkeit, sich in der Achimer Unterstraße mit allem Notwendigen zu versorgen. Die Zweigstellen in Lunsen und Bassen hingegen sind nur einmal pro Woche geöffnet.

Er glaube, dass es gerade unter den Rentnern eine Vielzahl Bedürftiger gebe, die die Möglichkeit eines kostengünstigen Einkaufs in der Tafel nicht nutzen würden, befürchtet Bruno Kroehn. Da blieben die Menschen aus Scham zu Hause oder auch, weil sie es von jeher gewohnt seien, mit dem Nötigsten auszukommen. Gleichzeitig kritisierte der 70-Jährige das Konsumverhalten vieler Bürger und die Politik der westlichen Länder, die in hohem Maße dazu beitrügen, dass die Not der Menschen in der dritten Welt eher zu- als abnähme. Das treibe die Flüchtlingszahlen in die Höhe und falle damit auf uns zurück.

Zusätzlich zu den Dingen des täglichen Bedarfs bringen häufig verschiedene Pizzas, Kuchen und Blumen ein wenig Glanz in das Leben der Tafel-Kunden, war aus dem Team zu hören. Auch gelegentliche finanzielle Zuwendungen fielen auf fruchtbaren Boden und würden letztendlich dabei helfen, dort Gutes zu tun, wo es vonnöten sei. Das herzliche Miteinander, das in den drei Ausgabestellen herrsche, trage zudem zu einem lockeren Verhältnis zwischen Kunden und Ehrenamtlichen bei.

Obwohl sich etwa 100 Frauen und Männer in den Dienst der Tafel stellen, freut sich der Verein über Neumitglieder; besonders Fahrer werden gesucht. Auch Jugendliche, die nach Abschluss ihrer Schulausbildung nicht wissen, wie es weitergehen solle, könnten an der Unterstraße als „Bufdi“ anheuern, warb Bruno Kroehn. Willkommen seien auch passive Mitglieder, die für einen jährlichen Beitrag in Höhe von 30 Euro aufgenommen würden.


Mein Achim
Ihr Portal für Achim

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für Achim und den Landkreis Verden. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Das Porträt - alle Teile der Serie im Überblick
Ob Schützenkönig, Schulleiterin oder Stadtjuristin – in der Serie "Das Porträt" stellt der ACHIMER KURIER die unterschiedlichsten Personen aus dem Landkreis Verden vor. Die eine oder andere kennen Sie bestimmt...
Serie: Geschäftsbericht
Der Landkreis Verden – eine Region, in der neben vielen mittelständischen Betrieben und gut erschlossenen Gewerbegebieten auch immer mehr Start-ups zu finden sind. In seiner Serie "Geschäftsbericht" gibt der ACHIMER KURIER Einblicke in die Firmen selbst, zeigt die Menschen und ihre Ideen, die dahinter stecken.
Das Interview - alle Teile der Serie zum Nachlesen
Welche Pläne gibt es für die Achimer Marktpassage? Wie fühlt es sich an, das Spiel des Jahres entwickelt zu haben? Und wer entscheidet eigentlich, welche Straßen repariert werden? In seiner Serie "Das Interview" spricht der ACHIMER KURIER mit Menschen aus dem Kreis Verden über die verschiedensten Themen.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...