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100 Jahre Arbeiterwohlfahrt
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Im Dienste des Gemeinwohls

Ivonne Wüsthof 17.02.2019 0 Kommentare

Fritz-Heiner Hepke ist seit über 40 Jahren Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt. Und wenn es nach ihm geht, wird er das auch noch weiterhin bleiben.
Fritz-Heiner Hepke ist seit über 40 Jahren Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt. Und wenn es nach ihm geht, wird er das auch noch weiterhin bleiben. (fotos: Michael Braunschädel)

Fein säuberlich hat sich Fritz-Heiner Hepke die Chronik des Kreisverbandes der Verdener Arbeitswohlfahrt (Awo) notiert. Immerhin feiert sie im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen, der Bundesverband der Awo wird in diesem Jahr bereits 100 Jahre. Und sowohl auf Kreis- als auch Bundesebene hat sich in dieser Zeit viel getan. Zu viel, als dass sich jemand die ganzen Jahreszahlen und Ereignisse ohne Schwierigkeiten merken könnte. Auch Hepke, der schon seit über 40 Jahren Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Verden ist, muss ab und an auf seine Notizen blicken, die zugleich Erinnerungshilfe und ein Stück Geschichte sind.

Während Hepke die Historie der Arbeiterwohlfahrt Revue passieren lässt, muss er kurz innehalten und zeigt sich selber sehr überrascht, als ihm einfällt, dass er nun schon seit 1978 für die gemeinnützige Organisation tätig ist. „Damals saß ich im Achimer Stadtrat und im Kreistag. Durch meine Kontakte ergab sich das zu der Zeit einfach so“, erinnert sich der 71-Jährige. Er meint damit wohl die Wahl zum Awo-Kreisvorsitzenden im April 1978, bei der er sich gegen den Achimer Werner Focke durchsetzte. Auch in den folgenden Jahrzehnten wählten ihn die Verbandsmitglieder immer wieder einstimmig in sein Ehrenamt. Gereizt hatten ihn damals als jungen Mann die Unterschiede zur Politik: „In der Politik dauert es lange, bis sich etwas realisiert. Bei der Awo ist das anders.“ Geldgeber finden, die die Wohlfahrt unterstützen und die Menschen kennenlernen, denen geholfen wird; das waren seine neuen Aufgaben.

Anfänge in der Lokalpolitik

Doch bevor er begann, sich mit Leib und Seele für die Arbeiterwohlfahrt zu engagieren, verfolgte der gebürtige Achimer einen anderen Berufsweg. Nach seiner Mittleren Reife, die er 1964 erlangte, besuchte Hepke fünf Jahre lang die Verwaltungsschule in Bremen. Diese schloss er mit der zweiten Verwaltungsprüfung ab. Nach seiner Wehrdienstzeit nahm er seine Arbeit im Organisationsreferat der Senatskommission für das Personalwesen in Bremen auf. In die SPD trat er 1971 ein, damals war er erst 24 Jahre alt.

Zunächst wurde er 1972 Ratsherr im Achimer Stadtrat und bekleidete diese Position bis zum Jahr 1991. Von 1996 bis 1998 war er Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Verden. Durch ein Direktmandat wurde er im selben Jahr in den Niedersächsischen Landtag gewählt und war dann fünf Jahre von Hannover aus politisch aktiv. 2014 erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz für sein unermüdliches Engagement.

„Tatsächlich hatte ich in meiner Kindheit und Jugend nur wenig Kontakt zur Arbeiterwohlfahrt“, gesteht Hepke, obwohl der Verband bereits mit Ende des Zweiten Weltkrieges diverse Angebote für Kinder und Jugendliche im Landkreis organisierte. Dazu gehörten etwa die Schulspeisung oder die Jugendfreizeiten nach Langeoog und ins Verdener Moor. In den 1950er-Jahren kam auch die Hasenheide in Kirchlinteln als Ziel für Jugendfreizeiten hinzu, die die Organisation bis 1993 unterhielt. „Auch wenn ich als Kind nie hier war, so habe ich doch später als Betreuer bei den Jugendfreizeiten in der Hasenheide gearbeitet“, erinnert er sich.

Die Arbeit mit und für junge Menschen war schon seit Beginn der Arbeiterwohlfahrt in Verden ein wichtiges Standbein. Daneben gibt es jedoch auch eine zweite Personengruppe, die im Mittelpunkt der gemeinnützigen Arbeit steht: die Senioren. Bereits in den 1960er-Jahren begann die Wohlfahrt mit der Grundsteinlegung eines Altenzentrums im Karl-Luhmann-Weg in Verden. Derzeit gibt es in Achim ein Seniorenzentrum, das allerdings vom Awo-Bezirksverband Hannover geleitet wird.

Daneben bemühen sich die zehn Ortsverbände auch direkt vor Ort um die älteren Menschen, von denen viele gerne die Angebote der Awo im Landkreis in Anspruch nehmen. Hepke erläutert: „Die Begegnungsstätten sind ein wichtiger Anlaufpunkt für die älteren Menschen. Viele Senioren haben nur noch ein kleines soziales Umfeld. Da ist es wichtig, sie aus der Einsamkeit zu holen.“ Neben gemütlichen Nachmittagen bei Kaffee und Kuchen gehören auch vielfältige Ausflüge zu den individuellen Programmen der Ortsverbände.

Auch landkreisweit bietet die Awo Verden Angebote zur Hilfe und Selbsthilfe. Dazu gehören das „Essen auf Rädern“ in Dörverden oder die Beratungsstelle Horizonte, an die sich alle Menschen wenden können, die Beratung zu den Themen Sexualität, Missbrauch und Gewalt suchen. Erst 2011 in Bassen, vier Jahre später dann in Verden, wurden auch die Sozialkaufhäuser vom Verband koordiniert. Zugleich unterstützen die Kaufhäuser mit ihren unverkauften Waren die Hilfstransporte der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft (DPG). Nicht zuletzt gibt die Awo als Partner des Müttergenesungswerkes in ihrer Geschäftsstelle in Verden Hilfestellung bei der Beantragung von Eltern-Kind-Kuren – von der ersten Beratung über das Einreichen des Antrages bei der Krankenkasse bis zum Einlegen eines Widerspruches bei einem abgelehnten Antrag.

Doch weshalb bedarf es noch immer der Unterstützung von Vereinigungen wie der Arbeiterwohlfahrt? Nachdenklich blickt Fritz-Heiner Hepke aus dem Fenster. Hinter ihm hängt ein Schwarz-Weiß-Foto von Marie Juchacz, der Frau, die 1919 in Berlin die Arbeiterwohlfahrt gründete. Die andere Seite ziert eine künstliche rote Nelke, das Symbol der Arbeiterbewegung. Selbst die Krawatte, die der Kreisvorsitzende an diesem Tag trägt, ist von einem kräftigen Rotton. Unbewusst oder bewusst – sie ist ein Statement für das, wofür sich der 71-Jährige seit über 40 Jahren einsetzt: „Wir können die Menschen positiv beeinflussen. Das Leben ist niemals konfliktfrei, aber wir können Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.“ Außerdem habe der Verband ganz andere Möglichkeiten, Menschen in kritischen Lebenssituationen zu helfen, als die Politik.

Ungewisse Zukunftsaussichten

Trotz all dem Guten, das die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis in den vergangenen Jahrzehnten erreichen konnte, bleibt bei Hepke ein mulmiges Gefühl, wenn es um die Zukunft der Awo geht. Zwar haben sich viele Menschen als ehren- und hauptamtlich Aktive zusammengefunden, um sich gemeinsam der Bewältigung sozialer Probleme zu stellen. „Es fehlt jedoch an jungen Menschen, die uns in unserer Arbeit langfristig unterstützen. Das wird früher oder später zum Problem.“ Schließlich werden auch die derzeitigen Awo-Mitglieder älter.

Gleiches gilt auch für Hepke, für den jedoch feststeht: Er will weitermachen, so lange es ihm noch möglich ist. Im kommenden Jahr, zum 100-jährigen Bestehen des Verdener Awo-Kreisverbandes, stehen wieder die Vorstandswahlen an. Sollte er gewählt werden, nehme er die Entscheidung der Mitglieder selbstverständlich an. „Für mich gibt es noch keinen Grund abzutreten“, sagt er. „Und ich hoffe, dass mir Freunde und Bekannte rechtzeitig sagen, wann ich aufhören soll.“


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FloM am 22.10.2019 13:01
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