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„Jeder hat seinen Mikrokosmos für sich“

Gaby Engelsberger 22.10.2017 0 Kommentare

*****  Herbstfest Kleingärtner in Achim
Für Silke Struckmeyer ist die Arbeit im Kleingarten ein Ausgleich, der ihr Entspannung bietet. (Björn Hake)

Achim. Kein Schrebergarten gleicht dem anderen. Eine von unzähligen Dahlien und farbenfrohem Buschwerk übersäte Parzelle grenzt an ein Grundstück mit Gartenzwergen und Skulpturen, das wohl geordnet und eher aufgeräumt wirkt. „Jeder so, wie er es mag, das ist unsere Philosophie“, sagt die zweite Vorsitzende des Kleingärtnervereins Achim, Silke Struckmeyer. „Ein jeder hat hier seinen Mikrokosmos für sich.“

Seit über 70 Jahren gibt es den Verein für die Achimer Gartenfreunde. „Vergangenes Jahr haben wir unseren runden Geburtstag gefeiert. Der Trend zum Kleingarten ist ungebrochen. Nachwuchssorgen haben wir keine“, freut sich die Schriftführerin Meike Mewes. 105 Kleingärten in den beiden Gebieten „Abendfrieden“ und „Auf dem Plan“ gehören zur Kolonie. Nur wenige stehen gerade frei, „meistens werden sie aus Altersgründen oder durch Wegzug aufgegeben und sind schnell wieder verpachtet.“

„Es findet momentan ein Generationswechsel statt. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Parzelle“, hat Silke Struckmeyer festgestellt, „unser jüngstes Mitglied ist 25 Jahre alt, das älteste Mitte 80 und dabei noch sehr agil.“ Bundesweite Statistiken bestätigen die Entwicklung: Laut einer Erhebung des Verbands Deutscher Gartenfreunde werden heute 45 Prozent aller Schrebergärten an Familien mit Kindern verpachtet. Die deutschlandweite Fläche aller Kleingärten beträgt 460 Quadratkilometer, das entspricht in etwa der Größe Niedersachsens.

Woher kommt der Traum vom eigenen Stückchen Kleingartenidyll, der sich durch alle Altersklassen zieht? Silke Struckmeyer lebt in einer Stadtwohnung: „Da habe ich nur einen Balkon, hier habe ich Platz. Es ist wie ein zweites Zuhause, das Ausgleich und Entspannung bietet. Das Ackern im Garten ersetzt mir das Fitnessstudio“, ist die Achimerin überzeugt, „man kann für sich sein oder einen Schnack am Gartenzaun halten.“

„Es gibt viele Kinder, die hier sorglos durch die Wege butschern und sich sicher im verkehrsfreien Raum bewegen können“, zählt Meike Mewes die Vorteile für junge Familien auf. „Auch die eigene Ernte ist ein wichtiger Aspekt. Mit Liebe gesät schmeckt es besser“, ergänzt Vorstandsmitglied Doris Weinberg, „das Regal mit eigenem Pflaumenmus zu füllen – das macht glücklich.“

Ob Heckenrosen oder Heidelbeeren, Kürbis oder Kohlrabi: Angebaut werden darf eigentlich alles, was man möchte. Eine Gartenordnung und das Bundeskleingartengesetz schreiben jedoch die Gehölzarten vor, die hier keinen Platz finden. Demnach müssen typische Friedhofspflanzen wie Koniferen oder Trauerweiden draußen bleiben. „Außerdem ist eine Mischkultur aus jeweils einem Drittel Nutzgarten, Ziergarten und Hüttenfläche vorgesehen“, erklärt Meike Mewes. Ein Mindestabstand zum Nachbarn muss beim Pflanzen eingehalten werden. „Hier ist aber keiner mit Maßband, Nagelschere und Schnur unterwegs“, erzählt Silke Struckmeyer lachend. „Die Zeiten des Kleinbürgertums sind vorbei. Früher galten Schrebergärten als spießig und man nannte sie scherzhaft Strebergärten. Das ist "überholt", unterstreicht Meike Mewes, „heute ist es ein freier Raum für Ökologie, Kreativität und Gartenkultur".

Wer sich für eine Parzelle entscheidet, sollte eine Portion Gemeinschaftssinn mitbringen. „Der Verein trägt das Ganze. Es sollte die Bereitschaft zu Arbeits- und Reinigungsdiensten da sein“, erklärt Silke Struckmeyer. So spuckten im vergangenen Jahr die Mitglieder kräftig in die Hände und verschönerten das Vereinsheim in Eigenarbeit. Einmal im Jahr wird immer gemeinsam gefeiert, wie am vergangenen Sonnabend das Herbstfest.

„Wir leben hier ganz selbstverständlich Multikulti – einige kommen beispielsweise aus der Ukraine, Polen, Litauen, Kroatien oder aus arabischen Regionen“, zählt Silke Struckmeyer auf. Gegenseitiger Respekt werde großgeschrieben: „Bei unserem Fest verzichten wir aus Rücksicht auf unsere muslimischen Mitglieder auf Schweinefleisch, um den Grill gemeinsam nutzen zu können“, erzählt Doris Weinberg. Das Miteinander im Kleingartenverein funktioniere insgesamt harmonisch, da sind sich alle einig. „Die einzigen Störenfriede sind bei uns die Wühlmäuse und Nacktschnecken“, findet die Kassenwartin Ellen Philipp.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...