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Malen zur Selbstpflege

Marius Merle 21.05.2019 0 Kommentare

Künstlerin und Kunsttherapeutin Kathrin Müller-Struß in ihrem Atelier in Nindorf.
Künstlerin und Kunsttherapeutin Kathrin Müller-Struß in ihrem Atelier in Nindorf. (Björn Hake)

Einmal in der Woche hat Kathrin Müller-Struß „ein Meeting mit mir selbst“, wie es die Künstlerin nennt. Dann veröffentlicht sie in einem Blog auf ihrer Internetseite ein von ihr in den Tagen zuvor gemaltes Bild und schreibt dazu ihre Gedanken auf. „Ich treffe mich hier mit meinem inneren Kind, mit meiner Intuition, meinem schöpferischen Ich“, beschreibt die 37-Jährige ihre Intension dahinter. 16 Einträge gibt es von ihr bisher, gedacht ist der Blog auf der einen Seite als etwas andere Form der Öffentlichkeitsarbeit, aber eben auch als Versuch der Selbsttherapie. „Ich will herausfinden, ob mir Kunst auch selber hilft“, sagt Müller-Struß, die sonst eher versucht, andere Leute auf diese Weise zu unterstützen. Denn beruflich ist sie als Kunsttherapeutin tätig. 

„Schon als kleines Mädchen habe ich mich immer zurückgezogen und ein Bild nach dem anderen gemalt“, erzählt die geborene Achimerin davon, schon früh ihre künstlerische Ader entdeckt zu haben. Gelernt hat sie dann den Beruf der Glaserin in Verden, bei dem sie viel in Richtung Kunstverglasung, zum Beispiel für Kirchenfenster, tätig gewesen ist. Um sich weiterzubilden, habe Müller-Struß einmal die Sommerakademie der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) besucht und sei dort auf den Geschmack gekommen. Und so studierte sie an der HKS im Anschluss Kunsttherapie auf Diplom und schloss das Studium 2009 ab. In diesem Jahr zog sie auch mit ihrem Mann in den Holtebütteler Ortsteil Nindorf im Flecken Langwedel.

Guter Zugang zu Demenzkranken

Beruflich fokussierte sich Müller-Struß lange Zeit vor allem auf die künstlerische Arbeit mit älteren Menschen – besonders auf die mit Demenzkranken. „Dazu bin ich durch Praktika gekommen und habe gemerkt, zu ihnen einen besonders guten Zugang zu haben.“ Dafür absolvierte sie auch die Fortbildung „Künstlerische Betreuungskraft für Demenzkranke“. Wichtig sei bei dieser Arbeit ein „spielerischer Umgang“ und eine starke Beziehungsebene. Häufig müsse man sich erst besser kennenlernen, bevor zu den Farben gegriffen wird. Doch dann sei es immer wieder schön zu sehen, was zu Papier oder auf Leinwand gebracht werde. „Kunst ist ein besonderes Ausdrucksmittel für manche Menschen mit Demenz“, betont die 37-Jährige, der es als Ausgleich zur Kunst wichtig sei, einmal die Woche Sport zu machen. Zudem versuche sie, viel in der Natur zu sein.

Während Müller-Struß für die Kunsttherapie mit älteren Menschen zu den Senioren kommt, empfängt sie ihre zweite Zielgruppe in ihrem kleinen Atelier im Wohnhaus in Nindorf. Denn dort bietet sie seit Ende 2018 Kunstkurse für Kinder an, die nach ihrer Aussage so gut laufen, dass sie manchen Interessenten schon absagen müsse. „Das ist eine sehr lebendige Arbeit in familiärer Atmosphäre“, beschreibt sie. Im vergangenen Jahr habe Müller-Struß zudem ein Kunstprojekt an einer Kita geleitet. „Mein Ansatz ist, dass es für jeden gut ist, etwas Künstlerisches zu tun. Keine Kunst ist schlecht, das ist eine persönliche Sache“, befindet sie. 

Sie selbst habe sich vor allem schon immer mit Farben beschäftigt und bezeichnet ihre Bilder daher auch als „Farbstudien“. Früher habe sie ihre Bilder auch mal öffentlich ausgestellt, aber das sei einfach sehr viel Arbeit und daher zuletzt nicht mehr möglich gewesen. Denn Müller-Struß ist neben ihrer Teilzeit-Anstellung und der nebenberuflichen Selbstständigkeit im Bereich der Kunsttherapie auch zweifache Mutter. Ein voller Terminkalender ist da vorprogrammiert. „Und ich habe auch kaum Pausen gemacht“, erklärt die Nindorferin, auf längere Schwangerschafts- und Mutterschaftsauszeiten verzichtet zu haben. Während ihrer zweiten Schwangerschaft sei ihr auch die Idee mit dem Slogan „Kunst macht Spaß“ gekommen, der nicht nur ihr Credo ist, sondern auch zum Namen ihrer Webseite wurde. 

Klappt es bei Senioren und Kindern ganz gut, diesen Spaß zu vermitteln, sieht es bei den Altersgruppen dazwischen schon schwieriger aus. Ihre über die Kreisvolkshochschule angebotenen Kunstkurse für Erwachsene füllen sich derzeit nicht. Bald werde Müller-Struß aber vielleicht Kurse über den Kunstverein Verden anbieten – wenn es die Zeit denn auch hergibt.

Denn die Idee mit dem eigenen Blog ist der 37-Jährigen nicht ohne Grund gekommen. „Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass mir etwas fehlt“, erklärt sie, kaum noch Zeit für das eigene künstlerische Ausleben gehabt zu haben. Und da sie sich viel mit Selbstpflege beschäftigt habe, sei der Wunsch entstanden, mehr Zeit alleine in ihrem Atelier zu verbringen. Für dieses Jahr habe sie sich vorgenommen, jede Woche ein Bild zu malen. Bisher schaffe Müller-Struß dies ganz gut, einige Werke werden in dem Blog unter www.kunstmachtspass.de also noch veröffentlicht werden. „Und dann könnte ich mir vorstellen, diese Bilder auch mal wieder auszustellen“, blickt die Nindorferin nach vorne.


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Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 12:13
Kommentar schreiben?

Was soll man über dieses Affentheater noch schreiben?
suziwolf am 23.10.2019 12:00
@lterwaller ...

Die ,autofreie Innenstadt‘ ist nur mit
zusätzlichen Brücken über die Weser zu haben.

Wird sich ...