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Geschäftsbericht über die Marukas GmbH
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Starterlaubnis vom Schwiegervater

Kai Purschke 04.02.2019 0 Kommentare

Yamir Martínez Martínez ist der Geschäftsführer der Marukas GmbH.
Yamir Martínez Martínez ist der Geschäftsführer der Marukas GmbH. (Björn Hake)

Erst Havanna, dann Köln, jetzt Achim. Kein Wunder, dass Yamir Martínez Martínez einige Dinge vermisst, an denen er sich in den Großstädten erfreut hat. „Die Livemusik, die Bars“, zählt er auf, um gleich darauf die sehr gute Lage Achims und die bessere Situation für seine Kinder im Alter von ein und vier Jahren zu erwähnen. Es war halt eine Vernunftsentscheidung, die den 45-jährigen Geschäftsführer der Marukas GmbH in die Kleinstadt brachte und seine Frau Antje Huhs zurück in ihre Heimat. „Ich hatte mir schon vorstellen können, vielleicht mal wieder in die Nähe zu ziehen, Bremen oder so, aber ganz zurück ins Nest, das eigentlich nicht“, erzählt die Tochter des in Achim bestens bekannten Manfred Huhs von der Achimer Stadtwald Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft.

Der war seiner Tochter und dem Schwiegersohn dabei behilflich, die Firma im Jahr 2017 an den Start zu bringen, indem er ihnen erlaubt hatte, ein Büro sowie seine Lagerräume zu nutzen. Und dort lagern inzwischen kleine Container und vor allem Plastikschubladen für Flugzeugtrolleys. Das sind die schmalen Wägelchen, die vom Bordpersonal durch die Flieger geschoben werden und aus denen es Speisen, Getränke oder Duty-Free-Produkte nimmt. Die Marukas GmbH stellt über einen Vertragspartner in Thüringen die Schubladen her, bedruckt sie in Achim auf Wunsch mit dem Logo einer Airline und verkauft sie an der Steuben-Allee sozusagen ab Werk. „Wir haben eine eigene Gussform und damit werden in Thüringen die Schubladen gefertigt“, schildert Yamir Martínez Martínez. Eine eigene Maschine wäre zu teuer, sagt er.

Hilfe in Anspruch genommen

Apropos teuer. Das sei das entscheidende Argument gewesen, die Firma nicht in Köln aufzubauen, sondern die Hilfe des Schwiegervaters in Anspruch zu nehmen. Und Manfred Huhs bringt seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse in die junge Firma ein. „In Köln hätte eine Lagerhalle mit 150 Quadratmetern 800 Euro gekostet“, erzählt Antje Huhs, die ihrem Mann im Büro hilft, wann immer es ihre Zeit und die Kinder zulassen. Die Kosten hätten sie also schon zur Anfangszeit aufgefressen und der jungen Firma schnell schwer zugesetzt. So aber konnte der gebürtige Kubaner, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt und in seiner Heimat als Ingenieur im Vergleich zu hier kaum etwas verdient hätte, mit etwas mehr Gelassenheit die Firma aufbauen.

In seinem Metier kennt er sich aus, hat zuvor drei Jahre lang in einer Firma in Köln mit Flugzeugtrolleyschubladen gearbeitet. „Aber deren Hersteller saßen in China, da gab es immer wieder Probleme mit Lagerbeständen und der Qualität“, erzählt der Geschäftsführer. Daher habe er sich gedacht: Warum nicht in Deutschland produzieren lassen und warum Angestellter bleiben? So begann die Geschichte der Firma Marukas, die die Kunststoffeinlagen nach der Atlasnorm produziert und vertreibt. „Im vergangenen Jahr waren es 36 000 Schubladen“, bilanziert Martínez Martínez. Neben der Atlasnorm gibt es noch das Kssu-System, beide sind nicht kompatibel. Mit diesen Namen gab es zwei Konsortien, deren sich die Fluggesellschaften zugeordnet hatten, um durch Kooperationen die Kosten zu senken. 

Die Atlas-Einschübe bestehen aus Polypropylen, eine Schublade wiegt rund 700 Gramm. Die Fluglinien verwenden meisten die milchig-durchsichtige Variante, die Einschübe können aber in allen gängigen Farben hergestellt werden. Im Marukas-Lager stehen fein säuberlich getürmt mehre tausend Stück – bereit, an die Taag Angola Airline ausgeliefert zu werden. Durchschnittlich 5000 Einschübe hat Marukas ständig auf Lager. Kalt ist es im Lager, im kleinen Nebenraum laufen dagegen Heizlüfter. „Um das Logo draufpressen zu können, brauchen wir eine gewisse Raumtemperatur“, sagt Yamir Martínez Martínez. Und der Kubaner scheint sie auch zu brauchen, wie er sagt. „Wäre ich damals erstmals in einem Winter nach Deutschland gekommen, wäre ich nicht hiergeblieben“, erzählt er und lacht.

Seine Firma, die ein Flugzeug im Logo trägt, beschäftigt sich aber nicht nur mit der Herstellung und dem Handel von Atlas-Einschüben, sie handelt auch mit gebrauchtem Catering-Equipment, das in Flugzeugen zum Einsatz kommt. So seien Flugzeugtrolleys inzwischen als Möbelstücke der Renner, weil man die heimische Minibar oder anderes darin aufbewahren könne.

Als im vergangenen Herbst die Small-Planet-Airline in die Insolvenz ging, hat Marukas mitgeboten und den Zuschlag bekommen. „Bei solchen Abwicklungen ist es üblich, dass auch Nebenprodukte übernommen werden müssen“, erklärt Antje Huhs. Das sei wohl auch der Grund gewesen, weshalb andere nicht zum Zuge gekommen sind, glaubt sie.

Denn nun sitze Maruks auf mehreren hundert Kilo Bonbons, Malbüchern, Stiften und Fertigspeisen, die nicht gekühlt werden müssen. „Wir möchten das alles Ressourcen schonend in lokale Hände geben“, erläutert Antje Huhs und erzählt, dass die Achimer Tafel etwa Tausend Fertiggerichte bekommen habe. Die Stifte und Malbücher, die in den Flugzeugen verteilt werden sollten, sollen an die Kindergärten gehen. Aber für die Bonbons sucht die Firma noch Großabnehmer, etwa Gruppen, die sich am Karnevals- oder dem Domweihumzug beteiligen. Die könnten sich gerne im Büro melden (www.marukas.de).


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...