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Vom Kamerun-Dorf in die Dreier-WG

Lars Köppler 17.09.2019 0 Kommentare

Joni Farida Nienaber hat ein ereignisreiches Jahr im zentralafrikanischen Kamerun hinter sich. Jetzt widmet sich die 20-Jährige der Zukunftsplanung.
Joni Farida Nienaber hat ein ereignisreiches Jahr im zentralafrikanischen Kamerun hinter sich. Jetzt widmet sich die 20-Jährige der Zukunftsplanung. (Sebi Berens)

Otterstedt. Es war ein Abenteuer zwischen aufregenden Fahrten im Buschtaxi, Heiratsanträgen auf offener Straße und Erdnussernten, aber auch mit Abschiedsschmerz, auf das sich Joni Farida Nienaber im August vergangenen Jahres eingelassen hat. Ein Jahr hat die junge Otterstedterin, die bei Einheimischen durch ihre Auftritte in der Jugendtheatergruppe bekannt ist, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im rund 5000 Kilometer von der Heimat entfernten Kamerun verbracht. Die Hinreise trat die heute 20-Jährige mit vielen Erwartungen, Wünschen, Hoffnungen und einem Kribbeln im Bauch an. Das Gepäck, mit dem sie jüngst wieder das Elternhaus an der Hauptstraße in Otterstedt betrat, war derweil gespickt mit Erlebnissen und Eindrücken aus einer fremden Kultur, die sie nicht mehr missen möchte.

Wie schnell so ein Jahr vergeht, wenn es mit Leben gefüllt wird, hat Joni Farida Nienaber gerade erlebt. Zwar plant die Abiturientin derzeit im heimischen Otterstedt ihre Zukunft, die sie in einem Studium in Göttingen sieht, doch die Gedanken kreisen immer noch um Kamerun und den unendlich gastfreundlichen Einheimischen, denen sie begegnete. „Die Kameruner sind sehr solidarisch untereinander und unterstützen sich gegenseitig. Was der eine nicht kann, erledigt der andere“, hat Nienaber auf ihrer Reise gelernt. Diese führte sie in das Dorf Baham in der Westregion des Landes, wo sie sich mit weiteren FSJlern in einer von Spenden finanzierten humanitären Einrichtung für sozial benachteiligte Menschen (AHP2V) engagierte. Dabei galt es vornehmlich, behinderte Kinder – die sogenannten Centre-Kinder – zu betreuen. Aber auch Witwen, Waisen und Epileptiker gehörten zu dem insgesamt 25 Menschen umfassenden Personenkreis im Alter von sechs bis 33 Jahren.

Kurz nach ihrer Ankunft in dem zentralafrikanischen Land lernte sie Timon kennen, einen FSJler aus Stuttgart, mit dem sie fortan eine Wohnung in dem Dorf teilte. „Die Kinder wohnten im Gebäude neben uns“, erinnert sich Nienaber an die Örtlichkeiten, zu denen ein Näh- und Schmuckatelier sowie ein Esssaal und eine Hütte zählten, in der das Essen gekocht wurde. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ging es für „La Blanche – die Weiße“, wie die Einheimischen sie nannten, darum, Alltagshilfe für die Kinder zu leisten. „Das Kochen funktioniert auf eine sehr simple und ursprüngliche Weise. Die riesigen Töpfe werden auf eine Feuerstelle gestellt. Die Kinder sind alle sehr selbstständig, sie sind am Wochenende selber für ihr Essen verantwortlich und bereits die Kleinen können das Feuer anmachen und ihre Kleidung waschen“, erklärt Nienaber, die auch den Unterricht gestaltete. „Das waren dann Alphabetisierungskurse“, erzählt die 20-Jährige.

Abenteuer in den Metropolen

Doch auch außerhalb des dörflichen Umfeldes hat Joni Farida Nienaber einige Abenteuer erlebt. Die rund 250 Kilometer lange Bahnstrecke von Baham in die Millionenstadt dauerte rund sieben Stunden und war nichts für wackelige Beine, wenn man in den überfüllten Bussen keinen Sitzplatz ergattern konnte. Auch Yaoundé, die Hauptstadt des Landes, hat Nienaber während ihrer Mission bereist. „Es ist keine Stadt, die für den Tourismus ausgelegt ist, aber wir haben trotzdem ziemlich viel gesehen, das gute Straßenessen gekostet und das Nachtleben entdeckt“, beschreibt sie den Trip und fügt hinzu: „Am Ende war ich ziemlich glücklich, von meinen Kindern mit einigen Umarmungen empfangen zu werden und wieder zu Hause angekommen zu sein.“

Das Heimweh habe sie derweil nie geplagt, beteuert Joni Farida Nienaber. Schließlich habe sie regelmäßig mit Rundmails an ihre Liebsten von sich hören lassen. Im Gegenteil: „Ich wollte eigentlich gar nicht weg und kann mir vorstellen, für ein paar Monate nach Kamerun zurückzukehren“, sagt sie. Im Vordergrund steht für die junge Frau jetzt aber erst mal die kurzfristige Planung. „Ich möchte Deutsch und Französisch auf Lehramt studieren“, gibt sie die Richtung vor. In Göttingen wird sie im Oktober in eine Dreier-WG ziehen und das nächste Abenteuer starten.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...