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Fahrradkurse für Migrantinnen
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Zwei Räder für mehr Selbstständigkeit

Elina Hoepken 22.04.2019 0 Kommentare

Seit 2010 werden die Fahrradkurse für Frauen mit Migrationshintergrund in Achim angeboten, dieses Mal nahmen sieben teil. 
Seit 2010 werden die Fahrradkurse für Frauen mit Migrationshintergrund in Achim angeboten, dieses Mal nahmen sieben teil.  (Hake)

Der Blick ist starr nach vorne gerichtet, der rechte Fuß sucht nach Halt. Ein kurzer Moment des Zweifelns, dann stößt sich Nasnet Georgia ab und tritt zunächst noch etwas zaghaft in die Pedalen. Die begeisterten Rufe vom Rand des Basketballfeldes spornen sie jedoch an und ihre Tritte werden langsam sicherer. Am Ende des Feldes bremst sie und springt ab. Auf ihrem Gesicht ist ein strahlendes Lächeln zu sehen. Denn es ist erst wenige Tage her, da konnte sich Georgia kaum auf einem Tretroller halten.

Dass das mittlerweile anders ist, hat die aus Eritrea stammende Frau der Achimer Kontaktbeamtin Katja Brammer sowie Mehmet Artes und Marianne Staudacher vom Bürgerzentrum (Büz) und Willi von der Höhe vom ADFC zu verdanken. Die Vier haben in den Osterferien nämlich wieder einen Fahrradkurs für Frauen mit Migrationshintergrund organisiert. Bereits sei 2010 bieten der ADFC, die Polizei und das Büz diese Kurse an – „und die Nachfrage ist auch nach all den Jahren immer noch groß“, freut sich Katja Brammer. Denn vielen Frauen aus Flüchtlingsfamilien geht es wie Nasnet Georgia: Sie haben noch nie in ihrem Leben auf einem Fahrrad gesessen und haben alle Strecken in Achim bisher immer nur zu Fuß zurückgelegt. „Wir wollen den Frauen das Fahrradfahren beibringen, um ihnen ein Stück mehr Selbstständigkeit zu geben“, erklärt Mehmet Artes den Gedanken hinter dem Projekt.

Vier Tage Zeit zum Üben

Fünf Tage haben die Frauen normalerweise Zeit, um das Radfahren zu erlernen. Im jetzigen Kursus musste es allerdings besonders schnell gehen, da den sieben Teilnehmerinnen aufgrund der Feiertage nur vier Übungstage zur Verfügung standen. Geschafft haben es trotzdem alle. „Die eine etwas schneller, die andere brauchte etwas mehr Zeit. Rana war dieses Mal unsere Musterschülerin“, sagt Brammer und deutet auf eine junge Frau, die am Rand des Basketballfeldes steht und gerade eine Pause macht. Den Fahrradhelm hat sie aber trotzdem noch auf dem Kopf sitzen, denn auch sie will sich gleich wieder in den Sattel schwingen. „Um Übung zu bekommen“, sagt sie.

Rana Saraji stammt aus Syrien und lebt mittlerweile seit gut drei Jahren in Achim. Sie arbeitet als Sozialassistentin in der Kinderstube. „Bisher musste ich immer zur Arbeit laufen und habe dafür mindestens 15 Minuten gebraucht“, erzählt sie. „Jetzt kann ich die Strecke mit dem Fahrrad fahren und bin viel schneller da.“ Anfangs sei es sehr schwer gewesen, sich aufs Rad zu trauen, aber mittlerweile gewinne sie immer mehr Sicherheit. Dieser Fortschritt ist auch bei Nasnet Georgia mehr und mehr zu sehen, die sich an diesem Vormittag immer wieder auf den Sattel wagt. „Jetzt hat sie der Ehrgeiz gepackt“, sagt Brammer und freut sich über die positive Entwicklung bei den Teilnehmerinnen. „Die Frauen haben sich in dem Kursus auch immer gegenseitig unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.“ Immerhin stammen sie alle auch aus unterschiedlichen Ländern. Von den sieben Teilnehmerinnen kommen dieses Mal zwei aus Eritrea, zwei aus Syrien, zwei aus dem Irak und eine aus Afghanistan.

Verkehrsregeln folgen im nächsten Schritt

Am Ende haben es aber alle geschafft, einige Runden auf dem Fahrrad zu drehen. Um zukünftig sicher im Straßenverkehr unterwegs zu sein, treffen sich die Frauen in einigen Wochen noch einmal, um gemeinsam die Verkehrsregeln zu erlernen. „Das gehört bei dem Kursus immer mit dazu und ist natürlich genauso wichtig wie die Praxis“, sagt Brammer.


Um auch in Zukunft weiter die Kurse anbieten zu können, ist das
Büz noch auf der Suche nach Fahrradhelmen. „Die Fahrräder bekommen wir immer aus der Fahrradwerkstatt, aber Helme werden für die Frauen noch benötigt“, sagt Marianne Staudacher. Gebrauchte Exemplare in den Größen 53 bis 58 können direkt im Büz abgegeben werden.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?