SPD will mehr Mediziner in Neubaugebiete holen / Kassenärztliche Vereinigung spricht von Überversorgung Ärzte für die Infrastruktur

In den Neubaugebieten im östlichen Bereich der Gemeinde, findet die SPD, fehlt es an Ärzten. Die Sozialdemokraten wollen, dass die Gemeinde den erwünschten Medizinern entgegenkommt – zum Beispiel mit Praxisräumen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) spricht dagegen von einer Überversorgung mit Fachärzten, denn sie betrachtet für ihre Bedarfsplanung nicht einzelne Gemeinden, sondern den ganzen Landkreis. Dieses Jahr könnte sich das ändern.
07.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

In den Neubaugebieten im östlichen Bereich der Gemeinde, findet die SPD, fehlt es an Ärzten. Die Sozialdemokraten wollen, dass die Gemeinde den erwünschten Medizinern entgegenkommt – zum Beispiel mit Praxisräumen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) spricht dagegen von einer Überversorgung mit Fachärzten, denn sie betrachtet für ihre Bedarfsplanung nicht einzelne Gemeinden, sondern den ganzen Landkreis. Dieses Jahr könnte sich das ändern.

Ganderkesee. Ein Kinderarzt steht ganz oben auf der Wunschliste von Ratsherr Heinz-Peter Häger, auch ein Augenarzt und ein Optiker, stellt der Sozialdemokrat klar, würden Heide sehr gut tun. Und auch in anderen Gebieten im östlichen Bereich der Gemeinde, Hoykenkamp und Schönemoor, sieht er einen Ärztemangel. "Da sind ja so einige Neubauten entstanden, da wohnen Familien mit Kindern, wenn die zum Kinderarzt wollen, müssen sie nach Delmenhorst fahren", bemängelt Häger. Deswegen hat die SPD einen Antrag gestellt, der im nächsten Sozialausschuss (13. September, 18 Uhr) diskutiert wird. Der beschäftigt sich mit der Frage, was die Gemeinde tun kann, um Ärzte in die Neubaugebiete zu holen. Auch auf der Agenda im Sozialausschuss: der "Erwerb einer Fläche in Heide für gemeindliche Einrichtungen". Denn etwa ein Ärztehaus, das die Gemeinde den ersehnten Medizinern zur Verfügung stellt, so Häger, könne möglicherweise einen Anreiz für eine Niederlassung bieten. "Wir möchten hier die baulichen Voraussetzungen schaffen." Es gehe dabei nicht nur darum, betont Häger, einzelnen Familien Fahrtwege zu ersparen. Vielmehr sollen die Fachärzte für eine gesunde Infrastruktur sorgen.

Zur Zeit allerdings spricht die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) von einer Überversorgung in fast allen medizinischen Bereichen. Die Krux: Bei ihrer Bedarfsplanung rechnet die KVN für den gesamten Landkreis Oldenburg aus, welche Fachärzte fehlen und von welchen Fachrichtungen schon genügend Mediziner niedergelassen sind. Ob die dann in Wildeshausen praktizieren oder in Heide, sei für die Planung schlicht egal, stellt KVN-Sprecher Detlef Haffke klar. Er räumt ein, dass das gerade in ländlichen Bereichen zu "einem gefühlten Ärztemangel" führe. Doch die rechtlichen Bestimmungen seien nun mal verbindlich. Das bedeutet auch, dass es Kinderärzten zur Zeit gar nicht möglich ist, sich neu in Heide oder Hoykenkamp niederzulassen. Es sei denn, es griffe eine Ausnahme, zum Beispiel, wenn ein niedergelassener Arzt seine Praxis aufgibt. Die dürfte dann trotz Überversorgung von einem anderen Mediziner übernommen werden. Auch Praxen, die nur Privatversicherte behandeln, können weiterhin öffnen. Kassenärzte sind allerdings an die Regeln des Zulassungsausschusses gebunden.

Eine Unterversorgung, sagt Haffke, bestehe für den Landkreis Oldenburg nur noch bei Haus- und Frauenärzten. Kinderärzte gebe es insgesamt sechs im Landkreis, mehr sehe die Bedarfsplanung eben nicht vor für gut 127000 Einwohner. Die großflächige Betrachtung, die außer Acht lässt, wo genau im Landkreis sich die Kassenärzte niederlassen, könnte sich allerdings noch in diesem Jahr erledigen. Denn das Versorgungsstrukturgesetz, das seit 1. Januar 2012 in Kraft ist, sieht vor, dass die Betrachtungsräume kleiner gefasst werden. "Wie klein, ist allerdings noch nicht klar", betont Haffke. Im Herbst sollen dafür die Richtlinien stehen, erklärt der KVN-Sprecher, unterstreicht aber, dass damit die Probleme vieler Gemeinden nicht wie von Zauberhand gelöst werden. Denn nur weil ein Facharzt sich niederlassen darf, heißt das noch nicht, dass er es auch tut.

Und da komme dann wieder die Gemeinde ins Spiel. Denn Mediziner sind nicht nur gut für eine gesunde Infrastruktur, sie suchen sie auch. "Da achten die Ärzte verstärkt drauf. Die erste Frage, die wir von ihnen zu hören bekommen, ist oft: ,Wo ist denn da der nächste Kindergarten?’", berichtet Haffke. Und auch für den Ehemann oder die Ehefrau wollen Mediziner eine Jobperspektive. Praxisräume und eventuell ein günstig vermietetes Haus seien für viele Ärzte allemal ein weiterer Anreiz. Und das große Buhlen um Ärzte, besonders Hausärzte, gehe gerade erst los. "Ärztemangel im ländlichen Raum ist vor allem ein Zukunftsproblem", stellt Haffke fest. Denn der Altersdurchschnitt der niedersächsischen Hausärzte liegt bei 52 Jahren. "Wir haben die große Befürchtung, dass wir nicht genügend Nachwuchs rekrutieren können."

Übrigens: Ärztemangel ist in der Gemeinde schon vor 25 Jahren Thema gewesen, damals hieß es im DELMENHORSTER KURIER, dass besonders ein Kinder- und ein Augenarzt dringend gesucht würden.

Ärzte für die Infrastruktur

SPD will mehr Mediziner in Neubaugebiete holen / Kassenärztliche Vereinigung spricht von Überversorgung

Zitat:

"Wir möchten hier die

baulichen Voraussetzungen schaffen."

SPD-Ratsherr Heinz-Peter Häger

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