Politiker und Mediziner diskutieren Standort für Osterholz / Auch OTe-Zentrum und Züricher Straße im Gespräch Ärztehaus soll ans Klinikum Ost

Osterholz. Seit Jahren fordert und wartet der Stadtteil Osterholz auf ein Ärztezentrum. Doch welcher Standort ist dafür am besten geeignet? Das Klinikum Bremen Ost, die Wendeschleife am Schweizer Eck oder das OTe-Zentrum in Tenever? Bei einer Diskussion mit niedergelassenen Ärzten im Ortsamt Osterholz kristallisierte sich zwar ein klarer Favorit heraus - das Klinikum bremen Ost -, doch die letzte Entscheidung steht noch aus.
20.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Melanie Öhlenbach

Osterholz. Seit Jahren fordert und wartet der Stadtteil Osterholz auf ein Ärztezentrum. Doch welcher Standort ist dafür am besten geeignet? Das Klinikum Bremen Ost, die Wendeschleife am Schweizer Eck oder das OTe-Zentrum in Tenever? Bei einer Diskussion mit niedergelassenen Ärzten im Ortsamt Osterholz kristallisierte sich zwar ein klarer Favorit heraus - das Klinikum bremen Ost -, doch die letzte Entscheidung steht noch aus.

Die gute Nachricht vorweg: Der Bremer Osten ist im Hinblick auf die Vielfalt der Ärzte "relativ gut versorgt", sagte Heinrich Eitmann, der nach einen Angaben "eine Art Sprecher der Hausärzte" im Quartier ist. Vor allem an der Berliner Freiheit und an der Kurt-Schumacher-Alle in der Vahr, am Einkaufszentrum Blockdiek sowie an der Zermatter Straße und der Sankt-Gotthard-Straße in Tenever gibt es besonders viele Praxen. "Es gibt eine Tendenz zu Berufsausübungsgemeinschaften", sagte Eitmann, "und diese wird sich in Zukunft sicher noch verstärken."

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Mehrzahl der Mediziner sind Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen und daher weniger Vollzeit arbeiten können. Ebenso müssen die Ärzte auch wirtschaftlich denken. In einer Gemeinschaftspraxis können sie sich die Kosten für Räume, teure medizinische Geräte oder die EDV-Anlagen teilen - und sich gleichzeitig gegenseitig vertreten. "Es ist wichtig, dass die Tätigkeitsmöglichkeiten für die Ärzte attraktiv bleiben", betonte der Internist Eitmann, "und das geht in einem Zentrum besser."

Von den drei Standortmöglichkeiten für ein Ärztehaus - Krankenhaus, Schweizer Eck oder OTe-Zentrum - favorisierte er das Klinikum Bremen Ost. "Ein Ärztezentrum an dieser Stelle wird zum Erhalt des Klinikums beitragen", ist er sich sicher.

Neu ist die Idee nicht. Bereits seit mehreren Jahren gebe es Pläne für ein Ärztehaus auf dem Klinikum-Gelände, die allerdings durch den Klinik-Skandal gestoppt worden seien, sagte Thomas Hillmer, bis Ende 2010 ärztlicher Geschäftsführer des Klinikums Ost. Die Planungen sehen ein Ärztehaus mit Fachärzten, einer Apotheke und möglicherweise einem Sanitätshaus vor.

Für den genauen Standort gibt es derzeit zwei Möglichkeiten: entweder am Hauptgebäude oder beim Hubschrauberlandeplatz. Ab Februar könnte das Projekt endlich ins Rollen kommen - zumindest wenn der Aufsichtsrat der Gesundheit-Nord (GeNo) einem Bau zustimmt. "Sobald ein Beschluss vorliegt, könnten wir uns mit interessierten Ärzten zusammensetzen", erklärte Hillmer.

Einen großen Schritt weiter ist man indes schon in Tenever. Ralf Schumann warb auf der Sitzung für die Praxisräume im sanierten OTe-Zentrum an der Otto-Brenner-Allee: Mit 5500 potenziellen Kunden, "Festpreisen bei Neubauqualität" und "ärztefreundlichen Mietverträgen". "Wir wollen uns nicht reich verdienen, sondern eine gute ärztliche Versorgung im Quartier sicherstellen", sagte der Bereichsleiter der Gewoba.

Als "attraktiver als OTe" und "sicherer als das Klinikum" stufte indes Richard Klämbt die Möglichkeiten an der Wendeschleife der derzeitigen Endhaltestelle "Züricher Straße" ein, die nach der Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 nach Mahndorf ab 2012 nicht mehr gebraucht wird. Zwar unterstützt der Apotheker die langjährige Forderung nach einem Ärztezentrum auf dem Gelände des Klinikums Ost. Aber er äußerte auch große Bedenken: "Die Politik hat dort das Sagen. Es wird viel erzählt, aber es steht nie was Konkretes dahinter." Daher sei der Standort alles andere als gesichert. "Wir wissen alle, dass die Stadt kein Geld mehr hat", sagte Klämbt. "Aber auf den Vorschlag, das Zentrum mit privaten Investoren zu finanzieren, haben sie nie eine Antwort gegeben. Wir schweben in der Luft."

Gleichzeitig würde ein Ärztehaus am Schweizer Eck das Quartier aufwerten. "Sollte der Beschluss für das Klinikum nicht zum Tragen kommen, sollte man auf alle Fälle die Wendeschleife benutzen", sagte Klämbt. "Es wäre schade, wenn die Bevölkerung sich für ihre medizinische Versorgung stadteinwärts orientiert, wo immer mehr Ärztehäuser gebaut werden."

Von der Bebauung des zukünftigen Marktplatzes Osterholz will der Beirat allerdings nichts wissen. Daher hat er mit einer rot-grünen Mehrheit schon vor einiger Zeit die Pläne der Baubehörde abgelehnt. Und auch für das Ärztezentrum favorisieren die Stadtteilpolitiker ebenfalls das Gelände des Krankenhauses Ost. "Der Bremer Osten braucht das Klinikum und wir werden daher jederzeit wieder den Kampf dafür aufnehmen", sagte SPD-Fraktionssprecher Horst Massmann. "Das Ärztehaus ist eine sehr sinnvolle Ergänzung und schafft Synergieeffekte."

Daher hat der Beirat auf seiner Sitzung am Dienstagabend einen weiteren, einstimmigen Beschluss gefasst: Sollte sich der Aufsichtsrat der Gesundheit Nord im Februar für ein Ärztehaus am Klinikum Bremen Ost entscheiden, soll umgehend ein Projektmanager eingesetzt werden, damit der Bau schnellstmöglich realisiert werden kann.

Damit regieren die Stadtteilpolitiker auch auf eine Forderung, die Heinrich Eitmann zum Ende der Diskussionsrunde noch einmal im Namen seiner Kollegen formulierte: "Auch wir Ärzte sind Wirtschaftsunternehmen und brauchen eine gewisse Planungssicherheit. Daher können wir nicht länger über Jahre hinweg vertröstet werden, sondern müssen endlich zu Potte kommen."

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