Wolfgang Panning ist Spiele-Entwickler und verdankt seinem Hobby quasi alles / Tipps für Weihnachten

Akribischer Architekt von Fantasiewelten

Wolfgang Panning war immer ein kreativer Kopf. Früher spielte er in verschiedenen Bands, arbeitete als Architekt. Und immer schon entwickelte er Gesellschaftsspiele. Das tut er immer noch, gerade in diesem Sommer ist ein neues Spiel von ihm erschienen. Zudem gehört der gebürtige Verdener zum Team des Spieleverlags Queen Games aus Troisdorf, der für ihn wie eine zweite "Familie" ist.
09.12.2012, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Andreas D. Becker
Akribischer Architekt von Fantasiewelten

Spieleautor Wolfgang Panning mit einigen seiner Titel, zum Beispiel den drei Spielen, die auf der Empfehlungsliste der Jury des "Spiels des Jahres" landeten: "Hexenrennen" (auf unserem Foto in der koreanischen Ausgabe), "Port Royal" und "Kardinal". Sein Mehrheitenspiel "Flandern 1302. Die Macht der Zünfte" ging 2004 etwas unter, obwohl es in seinem Genre zu den besseren Vertretern zählt. Ganz neu von Panning auf dem Markt: "Maharani", das er rund drei Jahre entwickelt hat. Und die große Erweiterung zum Erfolgstitel "Lancaster". "Heinrich V." hat er Hand in Hand mit Hauptautor Matthias Cramer entworfen.

Udo Meissner

Wolfgang Panning war immer ein kreativer Kopf. Früher spielte er in verschiedenen Bands, arbeitete als Architekt. Und immer schon entwickelte er Gesellschaftsspiele. Das tut er immer noch, gerade in diesem Sommer ist ein neues Spiel von ihm erschienen. Zudem gehört der gebürtige Verdener zum Team des Spieleverlags Queen Games aus Troisdorf, der für ihn wie eine zweite "Familie" ist.

Syke. Wolfgang Panning ging es nicht besonders gut. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er seinen Job als Architekt aufgeben müssen. Er fiel in ein Loch damals. Was keinen wundert, der ihn kennt. Panning war immer einer, der auf allen Hochzeiten tanzte, manchmal sogar auf mehreren an einem Abend, sozusagen; er war einer, der immer alles mit Leidenschaft und Hingabe und ganz viel Herz erledigte, einer, für den es nur ganz oder gar nicht gab. Und nun schien alles vorbei zu sein, es war: zum Heulen. "Ich bin nur noch als Schattengeist rumgelaufen", sagt Panning heute. Aber er wurde gerettet. Durchs Spielen.

2008 spielte diese Episode, damals durchschritt er gerade ein ziemlich tiefes Tal, eines ohne Ausgang, wie es schien. Doch dann kam dieser Anruf aus Troisdorf, von der Queen-Games-Familie, die Bitte, dass er unbedingt nach Essen zu den Internationalen Spieltagen kommen solle. "Ich habe meiner Frau gesagt, dass es wohl das letzte Mal ist, dass ich zur Messe fahre", sagt Panning, der leidenschaftliche Spieler, der akribisch arbeitende Spieleautor. Er irrte sich. Und zwar nicht zu knapp. Der Besuch der größten Messe für Spiele war der Ausweg aus dem Tal. "Ich habe dort so viel Unterstützung erfahren, so viele gute Gespräche geführt, dass ich wieder Wind auf meine Segel bekommen habe."

Nun, als Frührentner, kann sich der 53-Jährige ganz seiner Passion hingeben. In Syke hat er zum Beispiel mit der Spielekritikerin Sarah Kestering den Spieletreff im Gleis 1 ins Leben gerufen. Zudem tüftelt er ständig an neuen Ideen. Was er schon als Jugendlicher getan hat. "Mit 15 habe ich meine beiden ersten Spiele entwickelt", erzählt er. Er hat sie direkt an den großen Verlag Ravensburger geschickt. Er bekam sie bald zurück, ohne Kommentar, beide Prototypen waren durchgefallen. "Das war es dann erst mal." Er hatte die Lust verloren. Um seine kreative Seite auszuleben, stürzte er sich in die Musik, spielte in verschiedenen Bands, unter anderem in der Punk-Kapelle "OH 87", die gerade, fast 30 Jahre nach ihrer Auflösung, wieder ein paar Revivalkonzerte spielt. Am 15. Dezember im Tagungshaus Drübberholz, am 29. Dezember beim Auferstehungsfestival im Bremer Schlachthof.

"Aber irgendwann war die Musikmacherei gescheitert", sagt der zweifache Vater. Da saß er nun, so ganz ohne Projekt – und fing wieder an, Spiele zu entwickeln. "Möbelpacker" hieß sein erstes, veröffentlicht wurde es nie. Doch danach nahm die Sache langsam Fahrt auf. "Knock out" hieß Spiel Nummer zwei, es erschien bei einem Verlag, den es heute nicht mehr gibt: TM-Spiele. Dessen Chef ist einer der wichtigsten Autoren der Spielewelt: Teuber. Klaus Teuber. Also der, der mit "Die Siedler von Catan" eines der erfolgreichsten Spiele überhaupt erfunden hat. "Das war eine tolle Zusammenarbeit. Ich fühlte mich ernst genommen von Klaus. Das ganze Verhalten, wie ich mit jungen Autoren umgehe, habe ich von ihm gelernt."

Der "Quantensprung" in seiner Autorenkarriere kam im Jahr 2000. Nicht nur, weil er die Leute von Queen Games kennenlernte, bei denen sein "Port Royal" erschien. Es war auch ein erfolgreiches Jahr. "Port Royal" wurde von der Jury, die das "Spiel des Jahres" aussucht, den wichtigsten Preis der Szene, auf die Empfehlungsliste gesetzt, dort fand sich auch sein Spiel "Kardinal". Zwei Nennungen in einem Jahr sind schon zünftig, es beflügelte ihn, immer weiter zu machen. Im nächsten Jahr landete sein "Hexenrennen" wieder auf der Empfehlungsliste, es wurde einer seiner am besten verkauften Titel.

"Spiele waren für mich immer Leidenschaft", sagt Panning. Es war damals aber eben auch ein Hobby. Tagsüber entwarf er am Zeichentisch Häuser, nachts tüftelte er an den Spielen. Sein Jurastudium und sein Beruf kamen ihm dabei zugute. Der Jurist wusste, wie Regeln aufzustellen sind, der Architekt übernahm die Konstruktion. "Das ist im Grunde die perfekte Synthese." Wie schon öfter in seinem Leben verlor er sich aber vor lauter Begeisterung für die Sache selbst ein bisschen aus den Augen, er schonte sich nicht, mutete sich zu viel zu. Physisch und psychisch. "Ich gebe meine Seele in die Spiele", sagt er.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, es ist seine Philosophie, nicht nur wenn er selbst erfindet, auch wenn er die Entstehung eines Spiels von einem anderen Autor begleitet. Seine Aufgabe dabei: den Ballast abwerfen, das Spiel schlank machen, die Pointen herauskitzeln. "Das ist ein Prozess, der Hand in Hand mit dem Autor geschieht", erklärt Panning. Das ist ihm wichtig: Spiele sind keine One-Man-Show, Spiele haben immer viele Väter und Mütter. Ein gutes Spiel entsteht im Team – und meistens dauert es.

Pannings aktuelles Spiel ist ein gutes Beispiel dafür: "Maharani" ist im Frühsommer erschienen. "Das Spiel ist über drei Jahre lang gewachsen", sagt der Autor. Ein Spieleerfinder braucht also Geduld, er muss kritikfähig sein. Und er ist auf Mitstreiter angewiesen, die brutal ehrlich sind. Panning ist so ein ehrlicher Kompagnon, wenn er mit anderen an Spielen tüftelt. Er deckt schonungslos Schwächen auf, die die Autoren dann zusammen mit ihm abstellen. Aber er denkt sich auch in die Welt des Spiels hinein, entwirft Szenarien und Details. Ihm ist es wichtig, dass ein Spiel eine Geschichte erzählt und dass das Material die Atmosphäre unterstützt, um den Spieler in das Geschehen der Fantasiewelt zu ziehen.

Das kommt offenbar gut an, zwei von Pannings jüngeren Projekten, bei denen er die Autoren in der Entwicklung begleitete, haben Preise gewonnen. "Fresko" erhielt 2010 den Deutschen Spielepreis, "Lancaster" wurde in diesem Sommer zum Spiel des Jahres in den Niederlanden gewählt. Es scheint so, als wenn Pannings stärkste Rolle die des väterlichen, weisen und kreativen Freundes des Autors ist.

Mit Empfehlung für Weihnachten tut sich Wolfgang Panning dagegen etwas schwerer. Weil er immer in der Entwicklung neuer Titel steckt, kennt er aus dem aktuellen Jahrgang nicht so viele Neuheiten. "Aber die Spiele, auf denen ein Pöppel ist, gehen eigentlich immer", sagt er. Der Pöppel ist das Symbol für das "Spiel des Jahres", blau steht für das Kinderspiel, rot für das Familienspiel und grau für das Kennerspiel. Den roten Pöppel gab es dieses Jahr für ein Queen-Games-Spiel, das Panning auch im Reifeprozess begleitete, wenn auch mehr am Rande, wie er sagt: "Kingdom Builder". Mit einem einfachen Spielprinzip besiedeln die Spieler Ländereien. Das Spiel besticht vor allem durch seine große Abwechslung, die Siegbedingungen sind von Partie zu Partie anders.

Der Favorit in seinen Spielekreisen ist momentan ein kleines, aber sehr feines Kartenspiel: "Hanabi". Der Clou: Alle halten ihre Karten verkehrt herum, sodass sie selber nichts sehen außer den Kartenhänden der Mitspieler. Und dann muss jeder reihum Tipps geben, welche Karten die anderen haben. Alle Spieler haben ein Interesse daran, dass jeder seine Karten blind so punkteträchtig wie möglich ausspielt, man spielt also zusammen. "Hanabi" kommt mit minimal wenig Regeln aus – und verspricht dabei maximale Spannung, weil alle am Tisch ständig mitfiebern, dass keiner einen Fehler macht.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+