Achimer Kirchen verzichten auf drei Gemeindehäuser

Alle Schäfchen unter einem Dach

Achim. St.-Laurentius in Achim steht an der Schwelle zur völligen Umstrukturierung des Gemeindelebens. "In zehn Jahren wird es statt vier Gemeindehäusern in Achim nur noch eines geben", sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Gerd Lepczynski.
07.07.2010, 06:00
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Von Ralf Michel
Alle Schäfchen unter einem Dach

„Ein schlüssiges Konzept, hinter dem alle stehen“ präsentieren Gerd Lepczynski (l.) und Rolf Helmbrecht für

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Achim. 'Eine bisschen in die Jahre gekommen' sei das Gemeindehaus in der Pfarrstraße, sagt Rolf Helmbrecht aus dem Kirchenvorstand von St.-Laurentius. Eine liebevolle Umschreibung für den Charme der 50er und 60er Jahre, den das Gebäude an allen Ecken und Enden ausstrahlt. Doch das soll sich gründlich ändern: Vier Architekten brüten im Rahmen eines Wettbewerbs über einer Komplettsanierung des Hauses. Doch dabei geht es um mehr als nur um Raumaufteilung und Inneneinrichtung. St.-Laurentius in Achim steht an der Schwelle zur völligen Umstrukturierung des Gemeindelebens.

'In zehn Jahren wird es statt vier Gemeindehäusern in Achim nur noch eines geben', sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Gerd Lepczynski. Wenn man so will, eine Rückkehr zu den Verhältnissen 1961 als das Gemeindehaus in der Pfarrstraße gebaut wurde. 'Da war das das einzige Gemeindehaus von St.-Laurentius', erzählt Rolf Helmbrecht. Erst später setzte eine Bewegung ein, die ein Gemeindehaus in jedem Pfarrbezirk vorsah: Das Gemeindehaus Nord für den damals neuen Stadtteil, die als Provisorium gedachte Container-Lösung für Uesen, in den 70er Jahren schließlich das Gemeindehaus in Bierden.

Über Jahrzehnte erwies sich dieses Konzept als tragfähig. Und es störte auch nicht, dass die Achimer Gemeindehausflächen doppelt so hoch waren wie laut Kennzahl im Kirchenkreis Verden eigentlich vorgesehen. Schließlich ist St.-Laurentius nach wie vor eine der größten Gemeinden in der Hannoverschen Landeskirche.

Doch im Zuge allgemeiner Sparzwänge, gestiegener Energiekosten und dem wachsenden Sanierungsbedarf rückte mehr und mehr eine Tatsache ins Blickfeld, an der landauf landab alle Kirchengemeinden zu knabbern haben - die sinkende Zahl ihrer Mitglieder. In Achim zwischen 1961 und heute von 15000 auf etwa 10000. 'Auf diese veränderten Zahlen mussten wir reagieren', betont Lepczynski.

Über Monate sei in den unterschiedlichen Gremien der Gemeinde beraten und mit den einzelnen Gruppen diskutiert worden. 'Jetzt haben wir ein schlüssiges Konzept, hinter dem alle stehen', sagen Lepczynski und Helmbrecht.

Der Schlüssel für die Zukunft von St.-Laurentius liegt in der Abkehr vom dezentralen Konzept. 'Wir haben durch die Gemeindehäuser in jedem Pfarrbezirk unsere Mitte so ein wenig vernachlässigt', erklärt Helmbrecht. Zahlreiche Gruppen und Aktivitäten in der Gemeinde seien in die Satelliten ausgelagert worden. 'Jetzt werden wir das wieder zur Mitte zurückführen', kündigt Lepczynski an.

Der erste Schritt hierfür drängte sich sozusagen auf: Gemeinde- und Pfarrhaus in Uesen sind ohnehin abgängig. Also werden die einst als Übergangslösung gedachten Container aufgegeben und das Grundstück verkauft. Der Erlös fließt in die Sanierung des Gemeindehauses an der Pfarrstraße. 'Die Verhandlungen laufen, es gibt eine handvoll Interessenten.'

Pastor Jochen Maaß wechselt in den Pfarrbezirk I, für seinen Nachfolger in Uesen wird ein Haus in dem Ortsteil gemietet. Das Gemeindeleben aber - und das ist die richtungsweisende Neuerung -, wird künftig in der Pfarrstraße stattfinden. Der offizielle Abschied von den Containern in Uesen ist für den 3. Oktober geplant.

Dass dies im Pfarrgemeinderat Uesen nicht voller Freude aufgenommen wurde, läge auf der Hand, sagt Lepczynski. Aber es habe sich auch niemand gesträubt. 'Sie gehen nicht mit Jubel, aber mit Verständnis.' Die Zahlen lägen auf der Hand und das Kirchensteueraufkommen werde weiter zurückgehen. 'Das ist ein Prozess, der eigentlich allen einleuchtet.'

Zehn-Jahres-Plan

Eine Entwicklung, mit der sich mittelfristig auch die Pfarrbezirke Achim-Mitte und Bierden anfreunden müssen. 'Wir haben die Absicht, in den nächsten zehn Jahren auch das Gemeindezentrum Nord und das Gemeindehaus in Bierden zu verkaufen', stellt Lepczynski unmissverständlich klar und schlägt damit den Bogen zurück zum Architektenwettbewerb für das Gemeindehaus in der Pfarrstraße. Denn um hier die Schäfchen aus Uesen und später aus den beiden anderen Pfarrbezirken aufnehmen zu können, nicht zu vergessen auch das Gemeindebüro, sind umfangreiche Um- und sogar Anbauten notwendig.

Drei Ausbaustufen sind in den kommenden zehn Jahren vorgesehen. Im ersten Bauabschnitt wird das Gebäude energetisch auf den neuesten Stand gebracht und behindertengerecht ausgebaut. 'Eventuell werden wir einige Räume neu zuschneiden', erläutert Rolf Helmbrecht und denkt dabei vor allem an einen einladenderen Empfangsbereich. Auch die Akkustik und die Beleuchtung im Gemeindesaal dürften Ansatzpunkte für Veränderungen sein. 'Wir sind gespannt auf die Vorschläge der Architekten.'

Die werden Mitte September/Anfang Oktober erwartet. Eine Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen. 'Und dann wollen wir auch gleich mit der Sanierung und dem Umbau loslegen', hofft Lepczynski, der mit etwa einem Vierteljahr Bauzeit für den ersten Abschnitt rechnet. Die zweite Ausbaustufe sieht einen Anbau nach hinten in Richtung Garten vor, der dritte den Ausbau des bislang ungenutzten großen Dachbodens. Womit sich der Kreis schließen würde: Die gesamte St.-Laurentius-Gemeinde unter einem Dach.

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