Ausschuss fasst Grundsatzbeschluss zugunsten Allwetterbad / Ausgeglichener Haushalt auf den Weg gebracht Alle wollen das Bad, keiner hat das Geld

Wildeshausen. Voller als im Freibad an einem heißen Sommertag war es am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Stadthauses, wo der Haushalts-, Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss des Rats tagte. Zahlreiche Demonstranten mit Bademütze und Schwimmbrille waren gekommen, um ihr Anliegen in Sachen Kurbad deutlich zu machen: "Wir wollen eine Entscheidung." Die bekamen sie - allerdings so grundsätzlich und ohne Finanzierungsvorschlag, dass sie ihnen vorerst nichts und langfristig nur vielleicht etwas nützt.
15.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Wildeshausen. Voller als im Freibad an einem heißen Sommertag war es am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Stadthauses, wo der Haushalts-, Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss des Rats tagte. Zahlreiche Demonstranten mit Bademütze und Schwimmbrille waren gekommen, um ihr Anliegen in Sachen Kurbad deutlich zu machen: "Wir wollen eine Entscheidung." Die bekamen sie - allerdings so grundsätzlich und ohne Finanzierungsvorschlag, dass sie ihnen vorerst nichts und langfristig nur vielleicht etwas nützt.

Der Grundsatzbeschluss - bei dem sich nur UWG-Vertreter Markus Grünloh enthielt - lautet, dass das bisherige Schwimmerbecken des Freibads zu einem Allwetterbad umgebaut werden soll, aber vorbehaltlich der Finanzierbarkeit. Und genau die ist die Krux.

Die IG Kurbad, die Anfang November nach der plötzlichen Schließung des Hallenbads den Vorschlag ins Spiel gebracht hatte, das Freibad zu überdachen, war zunächst noch davon ausgegangen, dass eine halbe Million Euro für die allernötigsten Investitionen reichen müssten. Doch daraus sind inzwischen acht Millionen Euro geworden, die die Firma Protec für ein Allwetterbad veranschlagt.

Das soll nicht, wie zunächst angedacht, in einer Traglufthalle unterkommen, sondern in einem festen Gebäude. Das würde dementsprechend im Sommer auch nicht komplett geöffnet werden können. Es soll aber nach Süden hin großzügige Fenstertüren erhalten und außerdem Oberlichter im Dach, die ganzjährig Licht und bei entsprechendem Wetter auch Luft hereinlassen.

Im Inneren würde das bestehende Becken mit einem Edelstahl-Einsatz mit schrägem Boden ausgekleidet und in verschiedene Bereiche unterteilt: zwei 50-Meter-Bahnen, vier 25-Meter-Bahnen, Strömungskanal, Sprudelbecken, Schaukelbucht und diverse kleinere Attraktionen, wie Massagedüsen. Dazu käme ein separates Planschbecken mit etwa 20 Quadratmetern Wasserfläche, das für den Sommerbetrieb möglichst um ein größeres Kinderbecken draußen ergänzt werden sollte. Der Eingangsbereich, eine kleine Gastronomie, Umkleiden und Sanitärräume würden in einem neu zu errichtenden langgestreckten Komplex auf der Nordseite des Beckens untergebracht. Dort fänden außerdem die Personalräume und die Technik Platz. Während der Sommersaison stünde weiterhin das Springerbecken zur Verfügung. Vom Hallenbad blieben dagegen nur die Technikzentrale und die erst vor fünf Jahren sanierte Heizung übrig, die für den Neubau genutzt werden sollen. Das Bad selbst dagegen verschwände ebenso wie das Nichtschwimmerbecken des

Freibads.

"Eierlegende Wollmilchsau"

"Dieses Gebilde kommt der eierlegenden Wollmilchsau am nächsten", pries Protec-Ingenieur Johannes Ollmann die kompakte Lösung an. Sie kostet zwar mehr als eine Sanierung - für Hallenbad und Freibad zusammen wären knapp sieben Millionen Euro fällig - berge aber weniger Risiken und habe voraussichtlich auch länger Bestand. Andererseits sei die Umwandlung des Freibads deutlich billiger als der komplette Neubau, für den es bereits einen Wettbewerb gegeben hatte - er läge bei rund elf Millionen Euro.

Doch waren in der mittelfristigen Finanzplanung eben keine acht Millionen Euro veranschlagt, sondern nur 4,2 Millionen für die Sanierung des Hallenbads. Im Raum blieb daher nicht nur die Frage, woher das Geld für die Investition erst einmal kommen soll, sondern auch, wie die laufenden Belastungen zu tragen wären. Personal- und Sachkosten sowie Kapitaldienst beziehungsweise Abschreibung lägen laut Protec-Berechnungen für alle drei Varianten bei gut 700000 bis knapp 800000 Euro pro Jahr. Derzeit kosten beide Bäder zusammen die Stadt laut Kämmerer Thomas Eilers jährlich ungefähr 450000 Euro.

Also wurde die Finanzierung erst einmal wieder vertagt. Die 4,2 Millionen Euro für die Sanierung sollen jedoch vorerst unter dem Stichwort "Werkleistung Kurbad" in der Planung stehenbleiben - denn sonst wäre man gezwungen, sie für die Reduzierung der Kreditaufnahme zu verwenden, könnte also nicht mehr ohne Weiteres über sie verfügen.

Bei den nachfolgenden Haushaltsberatungen ging es im Gegensatz zum vergangenen Jahr diesmal jenseits der Kurbad-Problematik nicht um große Projekte, sondern nur um ein paar kleinere Erhöhungs- und Kürzungs-Wünsche. Unterm Strich standen dann gegenüber dem ausgeglichenen Verwaltungsentwurf allerdings 50000 Euro Mehrausgaben. Nach diversen, um kurz vor Mitternacht schon ins Lächerliche abdriftenden Gegenfinanzierungsvorschlägen einigte man sich darauf, die ohnehin nur geschätzte Vergnügungssteuer einfach um diesen Betrag höher anzusetzen.

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