Interessengemeinschaft Kurbad spricht von 'Durchbruch' / Idee soll jetzt geprüft werden

Alle wollen die Traglufthalle mittragen

Wildeshausen. Statt Hallen- und Freibad nur noch ein Schwimmbad, das das ganze Jahr über genutzt werden kann: Das scheint eine Art Verwürfelung der Kugel, wenn sich die Quadratur des Kreises so steigern lässt. Denn die Interessengemeinschaft (IG) Kurbad hält diese Idee nicht nur technisch und finanziell für machbar, sondern sie hat dafür nach eigenen Angaben auch einhelliges Wohlwollen sowohl der Neubau- als auch der Sanierungs-Befürworter im seit Jahren unversöhnlichen Wildeshauser Bäderstreit geerntet.
04.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Wildeshausen. Statt Hallen- und Freibad nur noch ein Schwimmbad, das das ganze Jahr über genutzt werden kann: Das scheint eine Art Verwürfelung der Kugel, wenn sich die Quadratur des Kreises so steigern lässt. Denn die Interessengemeinschaft (IG) Kurbad hält diese Idee nicht nur technisch und finanziell für machbar, sondern sie hat dafür nach eigenen Angaben auch einhelliges Wohlwollen sowohl der Neubau- als auch der Sanierungs-Befürworter im seit Jahren unversöhnlichen Wildeshauser Bäderstreit geerntet.

Nun sind alle unter dem Dach einer Traglufthalle vereint, oder jedenfalls bereit, den Vorschlag ernsthaft zu prüfen. Das hätten Bürgermeister Kian Shahidi und weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie Vertreter aller im Rat vertretenen Fraktionen bei einem Treffen am Montag einstimmig zugesichert, erklärte Manfred Rebensburg vom Sprecherrat der IG, der darin einen 'Durchbruch' sieht.

Nach den Vorstellungen der IG soll die aufgepustete dreiwandige Hülle das bestehende Schwimmerbecken des Freibads überspannen. Etwa acht Monate im Jahr böte sie denselben Schutz vor den Unbilden des Wetters wie ein festes Gebäude. Zu Beginn der Freiluftsaison könnte sie dann mit wenig Aufwand ab- und vier Monate später wieder aufgebaut werden.

Eigentlich sei die vor allem von Christian Marbach und Ann-Christin Senger angeregte Idee gar nicht neu, gibt der Sprecherrat zu - was er aber als Vorteil sieht. Denn anderswo gibt es derartige Bäder schon und entsprechende Erfahrungen damit. Vielschwimmerin Sabine Kolasinski hat eines in Neumünster ausprobiert. 'Es ist ein sehr angenehmes Klima', beschreibt sie ihren Eindruck: 27 Grad warm, 51 Prozent Luftfeuchtigkeit, und der Luftdruck, der das Dach oben hält, sei nicht zu spüren.

Geringe Kosten für Bau und Betrieb

Die Hersteller gäben für eine Traglufthalle eine Lebensdauer von 25 Jahren an. Obwohl es so dünn und allein von Luft getragen sei, sei ein derartiges Dach sicher - selbst bei Schnee, der einfach abrutsche, weil die Temperatur an der Außenseite immer über null Grad liege. Gleichzeitig soll die Wärmeisolierung aber der moderner Thermopenscheiben entsprechen. Deshalb würben die Hersteller auch mit Energieeinsparungen und geringen Betriebskosten. Die würden auch vom Gebläse, das den Luftdruck aufrechterhalten muss, nicht unverhältnismäßig in die Höhe getrieben, zeigte sich Carsten Petermann von der DLRG überzeugt. Er regt zudem an, eine Fernwärmeleitung vom gerade erst erneuerten Blockheizkraftwerk am Klärwerk zum Schwimmbad zu legen.

Einen Nachteil hätte eine Traglufthalle allerdings, wie Rebensburg zugibt: 'Dass man eben nicht nach draußen gucken kann.' Doch selbst das ließe sich mit einer etwas luxuriöseren Variante einrichten. Statt die Halle direkt auf den Beckenrand zu setzen, müsste eine Mauer von zwei bis drei Metern hochgezogen werden, samt mehr oder weniger großzügiger Fensterfronten. Erst darauf würde dann das Dach montiert.

Eine einfache Traglufthalle mit den Maßen 20 mal 50 Meter sei nach ihrer Internet-Recherche schon ab 250000 bis 280000 Euro netto zu haben, sagte Kolasinski, einschließlich Tragstützen, Heizung und Beleuchtung sowie Fracht und Aufbau. Damit allein sei es zwar nicht getan, gesteht Rebensburg, unter anderem 'weil man ja irgendwie dahinkommen muss', also entweder ein Übergang von den bestehenden Umkleiden oder gar ein neues Umkleidegebäude geschaffen werden muss. Doch das Allernotwendigste sollte mit einer halben Million Euro brutto machbar sein, hofft der Sprecherrat. Also mit deutlich weniger Geld, als eine Sanierung des maroden Hallenbads oder ein Neubau verschlängen.

Das könnte stattdessen in neue Technik gesteckt werden. Und in die Umgestaltung der Wasserfläche. Denn auch wenn vom Schwimmerbecken die Rede ist, denkt die IG an ein differenzierteres Angebot. Das große Becken solle auf immer noch wettkampftaugliche 25 Meter verkürzt werden - womit auch Andreas Meyer vom Schwimmverein zufrieden wäre. Die andere Hälfte solle in ein oder mehrere flachere Becken umgewandelt werden. Auch ein Babybecken sei heutzutage ein Muss.

Die IG Kurbad stellt ihre Idee einer Traglufthalle bei einer öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 10. November, um 20 Uhr im Rathaus vor. Bei der Gelegenheit will die Stadtverwaltung nach Angaben der IG auch Neuigkeiten zum geschlossenen Hallenbad und zum in Auftrag gegebenen Gutachten bekanntgeben.

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