23. Aktionstage Ökolandbau

Alles frisch, alles regional

Zum zweiten Mal öffnete die Gesseler Frischekiste ihre Türen für die 23. Aktionstage Ökolandbau Niedersachsen. Bis Oktober werden noch rund 100 Bio-Höfe, -Gärtner und -Lebensmittelverarbeiter daran teilnehmen.
05.05.2019, 17:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Kaya Leimann

Syke-Gessel. Basilikum, Kohlrabi, Broccoli, Rucola und auch ein paar Stiefmütterchen befanden sich in Katharina Stricks Kiste. „Das ist alles für meinen Balkon“, erzählte die Bremerin. Am Sonnabend nutzte sie die Gelegenheit und deckte sich beim Pflanzen- und Kräutermarkt der Frischekiste in Gessel mit ganz unterschiedlichen Sorten ein. Zum zweiten Mal veranstaltete der Hof den Markt anlässlich der 23. Aktionstage Ökolandbau Niedersachsen.

Noch bis Oktober nehmen etwa 100 Bio-Höfe, Bio-Gärtner und Bio-Lebensmittelverarbeiter aus ganz Niedersachsen an den 23. Aktionstagen teil – so auch die Frischekiste in Gessel. Neben den angebotenen Pflanzen und Kräutern konnten die Besucher darüber hinaus auch frisches Gebäck aus dem eigenen Steinofen oder Bratwurst der Heidschnucke kosten. Katharina Strick wiederum hat eine ganz besondere Bindung zum Hof. „Ich bin Grundschullehrerin und habe festgestellt, dass ich neben meinem Beruf noch einen Ausgleich brauche. Seit letztem Sommer komme ich deshalb regelmäßig zum Hof, helfe bei der Ernte oder anderen Dingen“, erzählte Strick. „Ich hatte mal ein Pferd und weiß daher, dass mir die körperliche Arbeit guttut. Mein Freund wohnt in Barrien und so kam der Kontakt zustande.“ Die Bremerin schätzt besonders den freundlichen Umgangston und die angenehme Atmosphäre auf dem Hof An der Wassermühle 20. „Ich wurde gleich herzlich in das Team aufgenommen. Hier kann ich unverbindlich vorbeikommen, und meine Arbeit erfüllt einen Zweck“, sagte Katharina Strick zufrieden.

„Eine solche Art der Unterstützung ist natürlich sehr besonders“, freute sich Heinz-Jürgen Michel, der das Unternehmen Frischekiste gemeinsam mit Jochen Voigt leitet. „Ansonsten haben wir viele Schüler hier, die Praktika machen und natürlich fest angestellte Leute.“ Beim Kräuter- und Pflanzenmarkt wurden Jungpflanzen vom Biolandgärtner Josef Schumacher aus Kattenturm verkauft, in der Halle gab es eine große Auswahl unterschiedlicher Tomatensorten sowie weitere Kräuter. Auch eine naturkundliche Führung über den Hof sollte laut Heinz-Jürgen Michel den Gästen den Hof und die Angebote näherbringen. Dem Unternehmen sei es sehr wichtig, transparent zu zeigen, was auf dem Gesseler Hof passiert. „Da wir einen Lieferservice haben, kommen eher selten Besucher direkt hierher. Solche Aktionstage bieten sich natürlich toll an, um einen Einblick in unsere Arbeit zu verschaffen“, erzählte Heinz-Jürgen Michel, der seit 2001 bei der Frischekiste arbeitet. Mittlerweile verschickt das Unternehmen etwa 1000 Kisten wöchentlich mit unterschiedlichsten Lebensmitteln an Privatkunden und Schulen.

Am Sonnabend waren vor allem Cherry-Tomaten sehr beliebt. „Basilikum und Blumen sind auch gefragt“, sagte Wiebke Wiggers, die ebenfalls auf dem Hof arbeitet. „Man merkt einen Wandel im Denken der Kunden. Viele legen Wert auf einen plastikfreien Einkauf und wir versuchen das natürlich umzusetzen.“ Unter anderem werde der Salat nicht mehr in Tüten verpackt und der Käse in Papier eingewickelt. „Beim Käse verwenden wir außerdem kein Wachs mehr. Da ist ja oft gar nicht klar, wo der eigentlich herkommt“, berichtete Wiggers. Nur wenige Meter entfernt kümmerte sich Klaus Voigt mit seinem Team um das Gebäck aus dem eigenen Steinofen. „Ofen und Backhaus habe ich 2003 in Bensen bei Neubruchhausen abgebaut und innerhalb von etwa fünf Jahren hier wieder aufgebaut“, erinnerte sich Voigt an den aufwendigen Prozess. Jedes Teil wurde nummeriert und originalgetreu am neuen Standort wieder errichtet. „Früher stand das Backhaus unter Denkmalschutz. Weil wir alles genau abgesprochen und sehr präzise gearbeitet haben, steht es auch heute wieder unter Denkmalschutz“, erzählte Voigt sichtlich stolz. Mittlerweile kommt der Ofen allerdings nur noch bei Aktionstagen zum Einsatz, deshalb dauert das Anheizen auch etwas länger. „Am Freitag habe ich vorgeheizt, und seit heute Morgen um 8 Uhr dann richtig Stoff gegeben. Ich tausche mich gerne mit anderen Betreibern alter Steinöfen aus und habe mir aus Heiligenrode den Tipp geholt, die Temperatur im Innern mithilfe eines Laserthermometers zu messen“, erklärte Klaus Voigt. Gegen 13 Uhr hatte der Ofen an einigen Stellen 270 Grad, und so wurde schnell die nächste Ladung Kräuterfladen hineingeschoben. Denn die schmeckten den Besuchern besonders gut.

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