DIE NORDDEUTSCHE vor 25 Jahren Als es für Heidbergbad und Sattelhof noch große Pläne gab

Die Gesellschaft für öffentliche Bäder kündigte Investitionen für das Heidbergbad an und das Freizeitheim Sattelhof stand vor dem Aus. Außerdem gab es im Februar 1994 eine aufsehenerregende Gerichtsverhandlung.
01.02.2019, 17:05
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Als es für Heidbergbad und Sattelhof noch große Pläne gab
Von Julia Ladebeck

Große Pläne hatte die Gesellschaft für öffentliche Bäder 1994 für das Heidbergbad in Lesum. Wie DIE NORDDEUTSCHE am 2. Februar berichtete, waren „attraktivitätssteigernde Investitionen“ in Höhe von 500 000 Mark vorgesehen, an denen sich die „Stiftung wohnliche Stadt“ mit 70 Prozent beteiligen wollte. Das hatte der damalige Geschäftsführer der Gesellschaft, Wolfgang Heise, dem Beirat Lesum gegenüber angekündigt. Mit dem Geld sollten im Heidbergbad Angebote für Mütter mit Kleinkindern, für sportbegeisterte Jugendliche und Erwachsene sowie für ältere Menschen geschaffen werden.

Geplant waren unter anderem ein Abenteuerspielplatz mit einer sogenannten Matschbahn, eine Breitraumrutsche und ein Ruhebereich mit Strandkörben für ältere Badbesucher. Auch die Sanierung eines asbestverseuchten Gebäudes auf dem Badgelände wollte man in Angriff nehmen, erfuhr 1994 der Beirat. Des Weiteren kündigte der Geschäftsführer den Bau einer Sport- und Freizeithalle mit Schwerpunkt „Badminton“ an. Knapp eine Million Mark sollte sie kosten und flexibel genug sein, auch anderen Sportarten Raum zu geben. Mit den Einnahmen aus dem Betrieb hoffte man, Deckungsbeiträge für das Freibad zu erwirtschaften. Schließlich sollten eine Sauna, ein Shop für Sportbedarf und ein kleiner Gastronomiebetrieb entstehen.

Bekanntlich wurde aus den Plänen nichts. Fünf Jahre später, 1999, wurde bekannt, dass sich das Heidbergbad auf einer Streich-Liste der Innen- und Sportbehörde befand. Zu diesem Zeitpunkt gab es laut dem damaligen Beiratssprecher Wolfgang Schlosser (CDU) bereits einen Sanierungsbedarf von rund sieben Millionen Mark. 2005 wurde das Heidbergbad geschlossen und einige Jahre später entstand auf dem Areal ein Wohngebiet. Die ersten Häuser im sogenannten Wohnpark Ihletal wurden 2012 fertiggestellt.

Über eine aufsehenerregende Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Blumenthal berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 3. Februar unter der Überschrift „Monatelang unschuldig in Haft“. Sie endete mit einem Freispruch für einen vermeintlichen Brandstifter, der zuvor als „Feuerteufel der Grohner Düne“ im Gefängnis gesessen hatte. Für den damals 41-jährigen Tunesier bedeutete das Urteil neben dem Freispruch auch Haftentschädigung, für die Kripo indes neue Ermittlungen, für die Justiz neue Strafverfahren.

Der Mann war damals beschuldigt worden, nachdem es in der Grohner Düne im September 1993 binnen weniger Tage gleich dreimal brannte. Im Februar 1994 wurde zunächst nur ein Fall verhandelt, bei dem zwei mit Benzin gefüllte und mit Lappen als Lunte versehene Flaschen zum Feuer in einem Fahrstuhl geführt hatten. Zwei Frauen hatten behauptet, den damals 41-Jährigen am fraglichen Morgen mit den Flaschen in der Hand am Eingang des Hauses gesehen zu haben. Vor Gericht sagten die Frauen dann jedoch aus, dass sie überhaupt nichts gesehen hätten. Sie seien zu ihren Aussagen von zwei Männern gezwungen worden. Noch während der Hauptverhandlung nahm die Kripo damals neue Ermittlungen auf. Der Tunesier kam sofort frei.

Im Vegesacker Bürgerhaus wollte das Gesundheitsamt vor 25 Jahren mit den „Regenbogentagen“ unter dem Motto „Aids – positive Zeichen“ über die Krankheit aufklären, wie DIE NORDDEUTSCHE am 4. Februar 1994 berichtete. Mit einer Mischung aus Schautafeln, Video-Filmen, Dias sowie Gesprächsangeboten sollte damals eine Ausstellung die Besucher für das Thema sensibilisieren. Speziell für die Präsentation in Bremen-Nord hatte die Aids-Beratungsstelle eine Kondomverpackung mit Lokalkolorit in limitierter Auflage entworfen. Auf der Verpackung lächelte der Vegesacker Junge; die Präservative wurden im Bürgerhaus verkauft.

Eine angeblich private Feier in der Schießhalle Neuenkirchen, bei der an die 1000 Skinheads und andere, laut Polizei der „rechten Szene“ zuzuordnende Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz auftauchten, war Gegenstand eines Artikels, der am 7. Februar 1994 in der NORDDEUTSCHEN erschienen ist. In Neuenkirchen trafen sie sich zu einem sogenannten Oi-Konzert, einem speziellen Rockkonzert, hieß es.

Vorsorglich hatte die Polizei zwei Hundertschaften zusammengezogen. Sie wusste aufgrund von Ermittlungen im Raum Verden, Osterholz und Bremen im Vorfeld von dem „rechten Rockkonzert“. Die Polizei musste bei dem Treffen nicht einschreiten, allerdings hatten Skinheads, die aus Chemnitz angereist waren, an einer Tankstelle an der Hospitalstraße in Schwanewede einen Mann angegriffen und schwer verletzt. Die Schießhalle sei unter Vorspiegelung falscher Tatsachen für eine private Feier angemietet worden, berichtete unsere Zeitung damals. Mieter war ein Blumenthaler, der nach Aussage der Polizei einschlägig in Zusammenhang mit der rechten Szene bekannt war. In der Halle gingen beim Konzert Einrichtungsgegenstände und Scheiben zu Bruch. Die Skinheads wurden bei ihrer Abreise von der Polizei bis Langwedel begleitet.

Unter der Überschrift „Dem Sattelhof Zukunft geben“ ging es am 10. Februar 1994 um die Zukunft des damaligen Freizeitheims in Blumenthal. Der Betrieb war vorübergehend für zwei Monate eingestellt worden und nach einem Sparkonzept des Senats war die Absicherung der Einrichtung infrage gestellt. Die „Freunde des Sattelhofs“ setzten sich aber für den Erhalt des Freizeitheims ein. Bei ihren Forderungen und Bemühungen um den Erhalt der sozialen Betreuung von Jugendlichen im Sattelhof bekamen sie auch Unterstützung vom Bürgerverein Lüssum.

Nachdem der Sattelhof schließlich doch geschlossen worden war, stand das Gebäude jahrelang leer und wurde schließlich für die Betreuung von schwer erziehbaren Jugendlichen umgebaut. Den Betrieb übernahm im Frühjahr 2017 die Akademie Lothar Kannenberg. Nach deren Insolvenz hat inzwischen die Innere Mission das Gebäude gemietet. Sie wird dort noch in diesem Jahr eine Jugendhilfeeinrichtung eröffnen, in der straffällige Jugendliche betreut werden.

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