"Seefahrer": Bauen im Garten ermöglichen / Bürgergespräch über Wohnqualität

Alt und Jung auf einem Grund

Platjenwerbe. Jung und Alt unter einem Dach in einem Mehrgenerationenhaus - das können sich viele Ritterhuder Bürger als Wohnform der Zukunft vorstellen. Für eine ebenso attraktive Variante haben am Dienstagabend etliche Platjenwerber bei einem Bürgergespräch im Dorfgemeinschaftshaus plädiert: Alt und Jung auf einem Grundstück könnte aus ihrer Sicht die Antwort auf den demografischen Wandel lauten. Deshalb möchten sie, dass große Gartengrundstücke in der Seefahrersiedlung bebaut werden dürfen.
07.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von klaus grunewald

Platjenwerbe. Jung und Alt unter einem Dach in einem Mehrgenerationenhaus - das können sich viele Ritterhuder Bürger als Wohnform der Zukunft vorstellen. Für eine ebenso attraktive Variante haben am Dienstagabend etliche Platjenwerber bei einem Bürgergespräch im Dorfgemeinschaftshaus plädiert: Alt und Jung auf einem Grundstück könnte aus ihrer Sicht die Antwort auf den demografischen Wandel lauten. Deshalb möchten sie, dass große Gartengrundstücke in der Seefahrersiedlung bebaut werden dürfen.

Weil auch in der Hammegemeinde die Menschen weniger und älter werden, hat das Rathaus vor geraumer Zeit das Bremer Planungsbüro "baumgart+partner" mit einer Bürgerbefragung in den beiden alten Wohnquartieren "Seefahrersiedlung" und "Am Großen Geeren" beauftragt (wir berichteten). Die Bewohner konnten sich schriftlich zu Missständen und Mängeln in ihrem Wohnumfeld äußern und Verbesserungsvorschläge unterbreiten.

Ebenso wie tags zuvor die Alt-Ritterhuder nutzten am Dienstagabend auch die Platjenwerber die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von einer Steigerung der Lebensqualität in der vor rund 70 Jahren entstandenen Siedlung zu konkretisieren. Das Ergebnis: Ganz oben auf dem Wunschzettel steht die "Bebauung rückwärtiger Grundstücke" etwa in der Neue Straße - um das viel beschworene Zusammenleben der Generationen zu realisieren und damit gleichzeitig die Abwanderung jüngerer Menschen zu stoppen, so die Anwohner.

Ein Bebauungsplan lässt sich relativ schnell aufstellen, wenn die politischen Gremien es wollen. Die Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten können sie hingegen nur bedingt beeinflussen. Deshalb wird in Platjenwerbe seit etlichen Jahren ein Klagelied über fehlende wohnortnahe Geschäfte für den täglichen Bedarf gesungen. Ebenso schmerzlich vermisst wie der Nahversorgungsmarkt wird ein "Bürgerbus". Zu fast jedem Platjenwerber Haushalt gehören zwar ein Fahrrad und ein Auto, doch insbesondere die Senioren benötigen öffentliche Verkehrsmittel, um ohne fremde Hilfe Einkäufe erledigen oder den Arzt aufsuchen zu können. Ein großes Manko gerade in Zeiten eines umfassenden demografischen Wandels, wie auch das Rathaus weiß. Bürgermeisterin Susanne Geils jedenfalls versicherte im Dorfgemeinschaftshaus, dass man sich weiterhin intensiv um Abhilfe bemühen werde.

Ein weiteres "heißes Eisen" im Dorf wird unter dem Stichwort "Jugendtreff" diskutiert. Ihn gab es zwar einmal auf dem Gelände des Dorfgemeinschaftshauses an der Dorfstraße. Doch er wurde eliminiert, weil sich Anwohner immer häufiger über Lärm und Randale beschwerten. Gleichwohl, so die "Seefahrer", gehöre ein Treffpunkt für Jugendliche, mit temporärer Betreuung, zu einem intakten Gemeinschaftsleben.

Überhaupt nicht mehr intakt ist das weltweite Klima. Was vor allem am Energieverbrauch der Menschen liegt. Um auf regionaler Ebene energisch gegenzusteuern, propagiert der Landkreis Osterholz seit geraumer Zeit die Energiewende 2030. In rund 20 Jahren, erläuterte Landkreis-Referent Ulrich Müller vom Zentrum für innovative Energie im Dorfgemeinschaftshaus Platjenwerbe, solle der Energiebedarf für die 112000 Landkreis-Einwohner möglichst nur noch durch erneuerbare Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse aus der Region gedeckt werden. Ein "energieautarker Landkreis" bedeutet nach Müllers Worten, dass 150 Millionen Euro nicht für Energieimporte ausgegeben werden, sondern der Kaufkraft vor Ort erhalten bleiben.

Weil aber Energie am wirtschaftlichsten ist, wenn sie gar nicht benötigt wird, sind auch die Hausbesitzer gefordert. Stichwort: Energetische Sanierung. Wie sehr sie mittel- und langfristig den Geldbeutel jedes einzelnen Bewohners entlasten kann, sollen, wie berichtet, demnächst Energieberater erläutern, die in den beiden alten Ritterhuder Wohnquartieren vom 30. Mai bis zum 24. Juni von Haus zu Haus gehen und ihre kostenlosen Dienste anbieten. Müller: "Sie sind extra geschult worden, müssen sich ausweisen und dürfen keinerlei Aufträge ordern." Der Landkreis spricht von einem ersten Schritt zum Energiesparhaus, der in Hannover getestet worden ist. Mit dem Ergebnis, dass jedes Beratungsgespräch rein rechnerisch eine Investition von 10 000 Euro ausgelöst hat, von der die heimische Wirtschaft profitierte.

Wer die Energiewende ins Haus lasse, so Müller, sollte Unterlagen über Heizkosten oder bislang getätigte Sanierungen im und am Gebäude parat haben. Nach dem rund einstündigen Gespräch wird ein Protokoll mit den energetischen Schwachstellen des Hauses angefertigt.

Beraten lassen können sich übrigens auch Ritterhuder, die nicht in den beiden alten Quartieren leben. Auskünfte darüber erteilt das Rathaus.

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