27 neue Elektro-Autos an Teilnehmerhaushalte des E-Home-Projekts aus Stuhr und Weyhe übergeben / Gute Stimmung auch beim Fest Am dritten Geburtstag kommt die nächste Generation

Einen zugeparkten Kirchweyher Marktplatz haben Besucher am Sonnabend wahrscheinlich zum ersten Mal erlebt. Aber anstatt Wagen mit röhrenden Benzin- oder Dieselmotoren glänzten 27 saubere Elektroautos um die Wette. Anlässlich des dritten Geburtstages seines E-Home-Projekts feierte der Netzbetreiber Avacon eine große Sause – und übergab neue Fahrzeuge an die teilnehmenden Haushalte.
12.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marian Jarzak

Einen zugeparkten Kirchweyher Marktplatz haben Besucher am Sonnabend wahrscheinlich zum ersten Mal erlebt. Aber anstatt Wagen mit röhrenden Benzin- oder Dieselmotoren glänzten 27 saubere Elektroautos um die Wette. Anlässlich des dritten Geburtstages seines E-Home-Projekts feierte der Netzbetreiber Avacon eine große Sause – und übergab neue Fahrzeuge an die teilnehmenden Haushalte.

Wenn Andrea Sinnhuber morgens das Frühstück für Ehemann Marco, Sohn Luca und die zweijährige Vivien zubereitet, kommt die benötigte Energie direkt vom Dach. Dort oben auf den Ziegeln liegt ihre hauseigene Photovoltaikanlage, mit der sie ihren Strom selbst produzieren. „Als der Netzbetreiber vor drei Jahren das Projekt vorgestellt hat, haben wir uns gedacht, es wäre idiotisch, da nicht mitzumachen“, erzählte Marco Sinnhuber am Sonnabend bei der E-Home-Jubiläums-Feier.

Und wenn die Anlage einmal mehr Strom produziert, als die Familie aus Heiligenrode benötigt, wird die überschüssige Energie in einem Batteriesystem gespeichert. Über Erzeugung, Verbrauch und Speicherung kann Familie Sinnhuber sich ganz einfach übers Smartphone informieren. Praktischerweise bleibt die andere Hand dann ja noch für das morgendliche Marmeladenbrötchen frei. Und ist der letzte Schluck Kaffee dann auch getrunken, wartet schon das umweltschonende Elektrofahrzeug vor der Haustür. Stecker raus und ab auf die Straße – das gefällt Familie Sinnhuber.

Bereits 2011 hat der Netzbetreiber Avacon das Modellprojekt „E-Home 2020“ in den Gemeinden Weyhe und Stuhr gestartet. Etwa 30 Haushalte nehmen inzwischen am Projekt teil und besitzen daher eine eigene Photovoltaikanlage, einen Batteriespeicher, eine eigene Klimatechnologie und ein Elektrofahrzeug. Das intelligente Stromnetz, das sogenannte „Smart Grid“, liefert daher nicht ausschließlich Energie, sondern verbindet die Energie aus regenerativen Quellen beispielsweise mit der Mobilität in Elektrofahrzeugen. Anlässlich des dritten Geburtstages bekamen die Projektteilnehmer die zweite Generation der Elektroautos übergeben. „Die neuen Fahrzeuge haben eine höhere Reichweite von insgesamt 200 Kilometern, sind größer und bringen rund 15 Stundenkilometer mehr auf dem Tacho“, erklärte Avacon-Sprecherin Kirsten Fricke. Auch Projektteilnehmer Marco Sinnhuber nahm sein neues Fahrzeug gleich genau unter die Lupe. „Das Elektroauto ist einfach günstiger zu betreiben. Am Anfang war das natürlich schon ein anderes Fahrgefühl, aber irgendwann vergisst man das auch einfach“, so der zweifache Familienvater.

Und mit seinem Elektroauto ist er durchaus innovativ unterwegs, denn nur rund 10 000 davon sind derzeit in Deutschland zugelassen, wogegen etwa 43 Millionen Benziner und Autos mit Dieselmotoren auf deutschen Straßen fahren. Mit Energiekosten von nur drei bis fünf Euro pro 100 Kilometer und einer Kohlendioxidbilanz, die bis zu 70 Prozent besser sein soll als bei einem Verbrennungsmotor, freut sich Familie Sinnhuber mit ihrem neuem Fahrzeug durch die Region zu flitzen. Das Elektroauto fungiert zusätzlich als rollende Batterie, um überschüssig erzeugten Strom aus ihrer Photovoltaikanlage daheim abzufangen.

Trotz der ganzen neuen Innovationen gab es auch schon das ein oder andere technische Problem. „Unser altes Elektroauto hat mal nicht so gut funktioniert und auch das Programm für das Smartphone lieferte mal nicht so gute Werte. Aber das wurde immer alles ziemlich schnell behoben“, berichtete der gelernte Bankkaufmann Sinnhuber. Nun war jede kleine Unstimmigkeit sofort vergessen. Gemeinderat Andreas Bovenschulte bezeichnete das dreijährige Jubiläum feierlich als „Kindergeburtstag“ und der Stuhrer Bürgermeister Niels Thomsen resümierte: „Das Projekt ist bei den Menschen angekommen.“

Bei den Besuchern gut angekommen war auch die große Feier auf dem Marktplatz. Rund 500 Portionen Geburtstagstorte wurden verputzt und verschiedene Aussteller informierten rund um das Thema Elektromobilität – auf vier oder auch auf zwei Rädern.

Um kurz nach 14 Uhr war es dann soweit: Familie Sinnhuber und 26 weitere Projektteilnehmer stiegen in ihre neuen Elektrofahrzeuge und rauschten im Autokorso davon. Bevor er und seine Familie von dannen fuhren, bilanzierte Marco Sinnhuber noch ganz persönlich: „Das Projekt passt perfekt zu uns, wir verbrauchen viel bewusster Energie und haben finanzielle Einsparungen durch die Selbsterzeugung unseres eigenen Stroms“.

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