Stadt Syke will Bepflanzung von Dächern und Fassaden wieder ins Bewusstsein rücken / Arbeitsgruppe wird aktiv

Ampel auf Grün

Seit der Teilnahme am ExWoSt-Projekt ist die Stadt Syke dabei, sich auf die Anforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Viele Ideen wurden entwickelt, jetzt geht es in die praktische Umsetzung. Erstes Thema: Dach- und Fassadenbegrünung.
17.01.2014, 00:00
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Ampel auf Grün
Von Micha Bustian
Ampel auf Grün

Es grünt so grün: Stadtbiologin Angelika Hanel und Henning Greve, Leiter der AG Grün, inspizieren eine Wandbegrünung.

Udo Meissner

Seit der Teilnahme am ExWoSt-Projekt ist die Stadt Syke dabei, sich auf die Anforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Viele Ideen wurden entwickelt, jetzt geht es in die praktische Umsetzung. Erstes Thema: Dach- und Fassadenbegrünung.

Henning Greve ist, wie er selbst sagt, ein „Fan des essbaren Gartens“. Überall rankt es auf seinem Hof die Wände hoch. Sogar Kiwis gedeihen in Schnepke. „Ich ernte jedes Jahr etwa zehn Kilo“, verrät der Künstler. Womit er geradezu prädestiniert ist für die Leitung der Arbeitsgruppe (AG) Grün. Die ist entstanden aus den Nachwehen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt), aus dem Anspruch der Stadt Syke, der Theorie als norddeutsche Klimamodellkommune auch Praxis folgen zu lassen. So wurden unter dem Motto „Syke handelt im Klimawandel“ Informationsabende veranstaltet, in denen Arbeitsgruppen zu diversen Themenbereichen gegründet wurden. So wie die AG Grün. Die wird jetzt aktiv. Erster Punkt auf der Agenda: Dach- und Fassadenbegrünung.

„Die Begrünung hat einen wesentlichen Anteil an der Abkühlung im Sommer“, verrät Sykes Stadtbiologin Angelika Hanel. Henning Greve ergänzt: „Das ist wirklich gut für die Natur. Und es gibt in Syke noch wahnsinnig viel Fläche, die man begrünen könnte.“ Um das Potenzial aufzuzeigen, lädt die AG Grün am Gründonnerstag, 17. April, zu einem Osterspaziergang durch die Syker Innenstadt ein. Vorbei beispielsweise am Rewe-Markt an der Hauptstraße, wo Hennig Greve „eine fensterlose Wand an der Westseite“ ausgemacht hat, die begrünt werden könnte. Wer nicht unvorbereitet dort erscheinen möchte: Am Mittwoch, 26. März, ab 19 Uhr findet im Syker Rathaussaal ein Informationsabend der AG Grün statt, in der neben Henning Greve auch der Grünen-Ratspolitiker Ulf Walek Wissen über Begrünung vermitteln wird. Dritte Veranstaltung in diesem Zyklus: Vorträge von je einem Architekten, Gartenbauer und Statiker am Mittwoch, 14. Mai, ab 19 Uhr im Rathaussaal.

Denn: Manche Dach- und Fassadenbegrünungen sind mit Vorsicht zu genießen. „Bei Kletterpflanzen an brüchigen Wänden hat man schnell mal Wurzeln im Wohnzimmer“, nennt Angelika Hanel ein Beispiel. Zudem seien bei manchen Fassaden Rankgerüste notwendig, bei Lehmputz und Fachwerk sollte auf jeden Fall ein Fachmann dabei sein. Knöterich bekomme man so schnell nicht wieder weg, Blauregen würde Regenrinnen zusammenpressen, Efeu vergrößere Risse, wilder Wein brauche verstärkende Stäbe, wenn er zu dicht werde. „Wenn Dachrinnen und Fenster von den Pflanzen in Beschlag genommen werden, macht das natürlich Arbeit“, sagt Angelika Hanel. „Und Eltern kleiner Kinder sollten darauf Acht geben, dass sie keine giftigen Pflanzen nehmen.“

Für Angelika Hanel und Henning Greve überwiegen allerdings die Vorteile. Neben der bereits angesprochenen Kühlung im Sommer verbessere Dach- und Fassadenbegrünung die Luft, sei positiv in Sachen Staubentwicklung, berge Brutraum für Vögel und Nahrung für Insekten. „Und gestalterisch lässt sich eine Menge machen“, sieht Henning Greve weitere Pluspunkte in Optik und Ästhetik.

Nicht von irgendwoher sind ja zahlreiche Mauern schon begrünt. Angelika Hanel zählt auf: wilder Wein am Hachestadion, Wein aus Sykes französischer Partnerstadt La Chartre am Bauhof, Knöterich am Hohen Berg, Geißblatt im Europa-Garten sowie Heckenkirschen und Je länger, je lieber an der Pergola im Mühlenteichpark. Am Freibad sollen Dach- und Fassadenbegrünungen folgen, „halt da, wo man sich problemlos darum kümmern kann“.

„Wir wollen das Thema wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken“, kündigt Henning Greve an. Unterstützt von seiner Lebensgefährtin Elsa Töbelmann, von Marita Thiel-Wolf, Ulf Walek, Stadtplaner Wolfram Schneider, Inge Arbeiter und natürlich Angelika Hanel will Henning Greve die Dach- und Fassadenbegrünung vorantreiben. „In vielen Bebauungsplänen ist Begrünung bereits vorgeschrieben, aber die Architekten berücksichtigen das häufig nicht“, weiß Angelika Hanel. „Da fehlt es ein bisschen an gutem Willen“, findet Henning Greve. Fürderhin wird die Arbeitsgruppe ein Auge auf die Einhaltung solcher Vorgaben haben.

Und die Stadt Syke scheint auch gewillt zu sein, künftige Begrüner finanziell zu unterstützen. „Das kann sich ja nicht jeder leisten“, meint Petra Arnhold von der Syker Stadtverwaltung. Und beruhigt. Obwohl dafür noch keine Mittel im Haushalt eingestellt worden wären, werde die Stadt „einen kleinen Beitrag dazu leisten“.

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