Bergbau-Behörde hat Erkenntnisse über Belastung durch Erdgas-Förderstellen nicht mit dem Landkreis geteilt Amt kennt Quecksilber-Problem seit Jahren

Dem Landesbergamt ist seit Jahren bekannt, dass Bereiche um Erdgasförderstellen im Kreis Rotenburg mit Quecksilber belastet sind. Der Landkreis Rotenburg wusste das bislang nicht.
05.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Dem Landesbergamt ist seit Jahren bekannt, dass Bereiche um Erdgasförderstellen im Kreis Rotenburg mit Quecksilber belastet sind. Der Landkreis Rotenburg wusste das bislang nicht.

Von der Quecksilberbelastung in der Umgebung von Erdgas-Förderstellen im Landkreis Rotenburg weiß das Landesbergamt schon seit Jahren. Dem Landkreis Rotenburg sind die Messergebnisse allerdings nicht mitgeteilt worden. „Wir haben davon erst jetzt durch das Landesbergamt erfahren“, räumt der Erste Kreisrat Thorsten Lühring ein.

Die Untersuchungsergebnisse bekommen hat auch der Rotenburger Naturschutzbund (Nabu), der sie nun publik gemacht hat. Zuvor hatte der Nabu die Umgebung einiger Bohrplätze in Söhlingen untersuchen lassen. Wie berichtet, haben die Naturschützer bei ihren Stichproben 40- bis 70-fach überhöhte Quecksilberwerte im Boden nachgewiesen. Die Schadstoffe sind nach Einschätzung des Nabu durch Wasser dorthin gelangt, das von den Bohrplätzen stammt.

Wie der Nabu nun mitteilt, liegen dem für die Überwachung der Bohrstellen zuständigen Bergamt bereits seit mehreren Jahren Gutachten vor, die Verunreinigungen der Umgebung auch über die Luft bestätigen. Nabu-Chef Roland Meyer: „Ein Unding. Diese Erkenntnisse hätten längst offen diskutiert werden müssen. Auch wir haben leicht erhöhte Quecksilberwerte an Stellen festgestellt, die den Schluss nahe legen, dass Kontaminationen auch auf dem Luftwege stattgefunden haben.“

Mögliche Ursache: Abfackeln

Für den Wilstedter Kreistagsabgeordneten Manfred Damberg (Die Linke) ist das „ein unglaublicher und unentschuldbarer Vorgang“. Der für das Bergamt zuständige Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) müsse personelle Konsequenzen ziehen. „Es kann nicht sein, dass Bürger in der Umgebung von Erdgas-Anlagen über gesundheitliche Probleme klagen und wegziehen wollen, und die Behörden stehen tatenlos daneben und halten seit Jahren wichtige Erkenntnisse über Schadstoffe auf den Förderplätzen zurück. Was gibt es hier zu verbergen, was man uns Bürgern nicht offenlegen will?“

Für den Nabu steht fest, dass Quecksilber in die Luft abgegeben wurde. „Besonders unter Verdacht stehen das sogenannte Abblasen und das Abfackeln von Gas im Zusammenhang mit Bohr- und Wartungsarbeiten“, sagt Meyer. „Wir fordern daher, dass endlich gemessen wird, ob und welche Schadstoffe in welchen Mengen dabei freigesetzt werden. Dass das bisher noch nie überprüft wurde, versteht kein Bürger. Jede Gastherme in jedem Einfamilienhaus wird regelmäßig überwacht.“

Alle Erkenntnisse sollten in einer öffentlichen Info-Veranstaltung vorgestellt werden, fordert der Nabu. „Dabei müssten auch ein unabhängiger Sachverständiger, dem auch die Bürgerinitiativen vertrauen, und ein neutraler Jurist beteiligt werden“, erklärt Meyer. Neben allen Sorgen um die Umwelt und möglicherweise die Gesundheit frage sich sicherlich auch mancher Landwirt, ob er Verschmutzungen seines Bodens entschädigungslos hinnehmen müsse.

Der Abgeordnete Damberg fordert gezielte Auflagen für die Gasförderfirmen. Diese müssten auch die gesamten Messungen bezahlen. „Auf keinen Fall dürfen diese Kosten wieder von der Allgemeinheit übernommen werden“, so der Wilstedter.

Der Rotenburger Kreisrat Lühring kündigte gestern auf Anfrage an, er werde die Messergebnisse des Bergamts in der nächsten Sitzung des Erdgas- Arbeitskreises am Montag, 16. Juni, bekannt geben. Er halte die Quecksilber-Belastung für Besorgnis erregend, „das sollte nicht sein“. Der Landkreis fordere eine flächendeckende Untersuchung aller Erdgas-Förderstellen im Kreis Rotenburg. „Wir möchten, dass das Bergamt das macht.“ Die Messungen seien teuer.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+