Verfahren am Amtsgericht Wildeshausen Online bestellt, nichts bezahlt

Eine 31-Jährige, die wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt war, ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten setzte die Richterin zur Bewährung aus.
10.06.2020, 13:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Siemer

Es war schon ziemlich dreist, was sich eine 31-jährige Frau aus Ahlhorn im Frühjahr 2019 leistete. Innerhalb von nicht einmal vier Wochen bestellte sie insgesamt 15 mal bei einer Onlineapotheke verschiedene Artikel im Gesamtwert von 1554,53 Euro. Doch nicht eine einzige Rechnung wurde bezahlt. Anfang dieser Woche musste sie sich deshalb nun wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betruges vor der Strafrichterin am Amtsgericht Wildeshausen verantworten.

Die Richterin sah diesen Vorwurf bestätigt und verurteilte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Diese wird allerdings für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Damit ging die Richterin des Amtsgerichts Wildeshausen sogar noch über das vom Vertreter der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von acht Monaten hinaus.

Die Angeklagte hatte zwischen dem 28. März 2019 und dem 24. April 2019 teilweise mehrmals täglich Bestellungen bei der Onlineapotheke aufgegeben. Und das, obwohl sie über keine nennenswerte Geldbeträge verfügte. Ihr Mann hatte die Familie im Februar 2019 verlassen und das gemeinsame Bankkonto abgeräumt. Damals gingen monatlich nur Zahlungen der Agentur für Arbeit auf dem Konto ein.

Das sie trotzdem bei der Apotheke bestellte, begründete die Frau damit, dass ihre drei Kinder im Alter von zwei, vier und sechs Jahren alle an Asthma erkrankt seien und sie Produkte dringen benötigte. Das nahm ihr die Richterin allerdings nicht ab. Aus der Prozessakte ging hervor, dass es auch zahlreiche Bestellungen für Herrenpflegeprodukte oder Badezusätze und Tätowiercremes gegeben hatte. So hatte die Ahlhornerin alleine bei einer Bestellung unter anderen sieben Mal Rasierschaum geordert. „Mein Bruder hatte Geburtstags und ich hab ich einen richtig großen Präsentkorb gemacht“, begründete sie die Bestellung.

Zahlungserinnerungen oder Mahnungen habe sie nie erhalten. „Bei uns wird oft die Post nicht zugestellt“, erklärte sie diesen Umstand. Inzwischen hat die 31-Jährige aber mit der Versandapotheke eine Ratenzahlung vereinbart. Seit Februar 2020 zahlt sie monatlich 50 Euro auf die Gesamtforderung ab.

Das wertete der Staatsanwalt in seinem Plädoyer positiv. Allerdings war es auch der einzige Aspekt, der sich zum Vorteil für die Ahlhornerin auswirkte. Denn im Bundeszentralregister waren sieben Eintragungen verzeichnet, darunter ein weiterer Betrug aus dem Jahr 2014 sowie mehrere Diebstähle geringwertiger Sachen.

„Ich habe den Eindruck, sie haben die Erfahrung gemacht, die Bestellungen und die Lieferungen bei der Versandapotheke haben geklappt und dann weitergemacht. Ich gehe deshalb von einem gewerbsmäßigen Betrug aus“, sagte der Staatsanwalt. Angesichts der Vorstrafen hielt er eine Bewährungsstrafe aufgrund der drei kleinen Kinder nur „zähneknirschend“ für noch einmal vertretbar. Der Pflichtverteidiger der Angeklagte plädierte für eine milde Strafe. Seine Mandantin sei in der damaligen Situation völlige überfordert gewesen.

Die Richterin ging angesichts der Vorstrafen über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Und auch sie räumte eine erneute Bewährung nur mit „Zähneknirschen und beiden Augen zu“ ein. Die drei Kinder hätten dabei allerdings keine Rolle gespielt. „Es gibt auch Haftanstalten, in die die Kinder mit einziehen“, merkte die Richterin an.

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