Bremens "Stimme des Mittelstandes" kommt aus Achim: Karl-Heinz Freitag arbeitet für Unternehmerverband

An der Nahtstelle von Wirtschaft und Politik

Achim. Gelernt hat Karl-Heinz Freitag Maschinenbau. Dann war er 26 Jahre lang im IT-Bereich für IBM tätig, bevor er sich 1994 mit einer Handelsvertretung für EDV-Hard- und Software selbstständig gemacht hat. Doch es gibt noch ein weiteres Tätigkeitsfeld, auf dem sich der 68-jährige Achimer seit über einem Jahrzehnt tummelt und das mit viel Herzblut: Freitag arbeitet für den Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Seit kurzem ist er "Beauftragter für Politik Bremen".
22.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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An der Nahtstelle von Wirtschaft und Politik
Von Ralf Michel

Achim. Gelernt hat Karl-Heinz Freitag Maschinenbau. Dann war er 26 Jahre lang im IT-Bereich für IBM tätig, bevor er sich 1994 mit einer Handelsvertretung für EDV-Hard- und Software selbstständig gemacht hat. Doch es gibt noch ein weiteres Tätigkeitsfeld, auf dem sich der 68-jährige Achimer seit über einem Jahrzehnt tummelt und das mit viel Herzblut: Freitag arbeitet für den Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Seit kurzem ist er "Beauftragter für Politik Bremen".

In dieser Funktion sitzt Karl-Heinz Freitag unmittelbar an der Nahtstelle von Wirtschaft und Politik. Wie geschaffen, um seiner Aufgabe im Unternehmerverband nachzukommen - Lobbyarbeit für den Mittelstand zu leisten.

Ganz neu käme die Verbindung zur Politik in Bremen für ihn natürlich nicht, erzählt Freitag. Schon als Betreuer der Bremer Mitglieder des Unternehmerverbandes - eine Zeit lang als Leiter für die gesamte Metropolregion - habe der enge Kontakt zur Politik stets dazugehört. Etwa beim traditionellen Unternehmerfrühstück des BVMW-Bremen, das Freitag zweimal im Jahr (Mai und November) organisiert.

McAllister, Börnsen, Hattig ... etliche hochrangige Politiker gaben sich hier als Gäste die Klinke in die Hand. Im kommenden Mai allerdings wird dies nicht der Fall sein. "Zu dicht an der Kommunalwahl, ich will keinem Politiker den Steigbügel halten", betont der 68-Jährige. Der BVMW beziehe klare Positionen, sei parteipolitisch aber unabhängig. Auch Freitag selbst kommt ohne Parteibuch aus.

Was aber tut einer, der als "Stimme des Mittelstandes" fungiert? Zum Beispiel aktuelle Themen wie den Fachkräftemangel aufgreifen. Erst kürzlich mahnte Freitag bei der Bremer Landesregierung deutliche Änderungen in der Schulpolitik an. "Die schulische Ausbildung in Bremen ist mangelhaft und nicht länger hinnehmbar."

An die eigene Klientel gerichtet ist dagegen die Überlegung, ob nicht manchmal auch das geforderte Level der Fachkräfte niedriger angesetzt werden könnte. Muss es unbedingt der hochqualifizierte Elektriker sein oder reicht nicht auch ein Fernmeldetechniker?

Womit ein wichtiger Bereich für den BVMW-Bremen angesprochen wäre - die Weiterbildung. Freitag gehört einer Arbeitsgruppe "Personalentwicklung" an, die dabei ist, eine Firma zu gründen. Elf Unternehmer aus Bremen und Achim, die sich die Schulung von Management und Mitarbeitern auf die Fahne geschrieben haben. "Wir wollen unseren Unternehmen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter helfen."

Wenn Freitag von Mittelstand spricht, hat er eine bestimmte Definition dafür im Kopf. Nicht die der Europäischen Union - "bis 250 Mitarbeiter und 50 Millionen Euro Jahresumsatz" -, sondern eher traditionell angelegt: "Ein Mittelständler ist für uns der, der sein Unternehmen selbst führt und bei dem das Stammkapital in Familienbesitz ist." Und dies sind laut BVMW mehr als 99 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Betriebe in Deutschland. "Der Mittelstand stellt rund 70 Prozent der Arbeits- und 80 Prozent der Ausbildungsplätze", betont Karl-Heinz Freitag. Der BVMW hat über 53000 Mitgliedsfirmen, die er mit zahlreichen Serviceleistungen unterstützt und gegenüber Politik, Behörden, Gewerkschaften und Großunternehmen vertritt.

Freitags Blick ist dabei aufgrund seiner Position zuerst auf Bremen gerichtet. Doch dazu gehört selbstverständlich auch das Umland und für jemanden, der seit 43 Jahren in Uesen lebt, natürlich auch seine Heimatstadt Achim, in dessen Wirtschaftsbeirat er stellvertretender Vorsitzender ist.

Die Situation des Mittelstandes in Achim beurteilt Freitag differenziert. Die Gewerbegebiete seien gut aufgestellt, zudem gebe es hier noch erhebliches Potenzial. Vor allem in der Weiterentwicklung von "Achim Ost" und am Bremer Kreuz in Uphusen, für Freitag mit jeweils einer Stunde Entfernung nach Hamburg und Hannover der "Mittelpunkt des Nordens". Das Bremer Kreuz dränge sich für Ansiedlungen aus dem Logistikbereich geradezu auf. "Das einzige was mich ärgert, ist, dass es nicht 'Achimer Kreuz' heißt."

Weniger optimistisch beurteilt er die Lage in der Achimer Innenstadt und merkt mit für ihn typischer Ironie an: "Obwohl da ja Einiges in Planung ist, wie zum Beispiel der Leseturm für die Stadtbibliothek ..."

Eine Kombination aus Wohnungen und Geschäften für das Scherf'sche Gelände hielte Freitag für gut, und auch das Kapitel Baumplatz ist für ihn längst nicht abgeschlossen. "Es gibt mehrere Investoren, die hier reinwollen." Doch denen müssten attraktive, große Flächen angeboten werden, was in erster Linie zwischen 1000 und 1500 Quadratmetern bedeute.

Gefordert sei in dieser Hinsicht die Politik. "Die muss sagen, was sie will", fordert Freitag, hat dabei aber wenig Hoffnung, dass noch in diesem Jahr etwas geschieht. "Ratsmäßig sind wir doch schon längst wieder voll im Wahlkampf." Bis sich nach der Kommunalwahl im September alle Gremien gefunden hätten, werde es längst 2012 sein. "Solange schlummern wir in Achim weiter."

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