Im Landkreis Hildesheim An Masern erkrankter Erwachsener gestorben

Im Landkreis Hildesheim ist ein an Masern erkrankter Erwachsener gestorben. Die Infektion soll maßgeblich zu seinem Tod beigetragen haben.
07.05.2019, 15:48
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Ein an Masern erkrankter Erwachsener ist im Kreis Hildesheim gestorben. Die Infektion habe maßgeblich zu seinem Tod beigetragen; ob sie tatsächlich die Ursache gewesen sei, werde erst in einigen Wochen feststehen, sagte Kreissprecherin Birgit Wilken am Dienstag.

Die Person im Alter zwischen 30 und 40 Jahren sei acht Tage vor ihrem Tod erstmals gegen Masern geimpft worden, nachdem im familiären Umfeld die Krankheit aufgetreten war. Die Impfung habe in diesem Fall allerdings die Erkrankung nicht mehr verhindern können.

Lesen Sie auch

Aus Datenschutzgründen wurden keine näheren Angaben zu dem Todesopfer gemacht. Die Person hatte drei Tage vor ihrem Tod im April das klinische Bild einer Maserninfektion gezeigt, auch mit dem typischen Hautausschlag. Warum es zu einem derart schnellen und schweren Verlauf der Krankheit kam, sei noch nicht abschließend geklärt, hieß es vom Kreis. Es werden noch weitere Untersuchungsergebnisse in den kommenden Wochen erwartet.

Drei bis sieben Masern-Tote im Jahr bundesweit

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes gibt es jährlich drei bis sieben Todesfälle durch Masern bundesweit. In Niedersachsen gab es einen Maserntodesfall im Jahr 2005 und einen weiteren 2015. Dem Landesgesundheitsamt in Hannover wurde seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 kein Todesfall übermittelt. Die Behörde erfährt nicht von allen Fällen. Wie Sprecherin Dagmar Ziehm sagte, gibt es Patienten, die erst Jahrzehnte nach einer Masernerkrankung sterben. So entwickelt sich die Komplikation subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) entwickelt in der Regel erst vier bis zehn Jahre nach der Infektion.

Gesundheitsminister Spahn will Impf-Pflicht

Angesichts einer steigenden Zahl von Infektionen will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder mit Geldstrafen bis 2500 Euro und einem Ausschluss vom Kita-Besuch durchsetzen. Die Impfpflicht soll ab 1. März 2020 gelten, wie aus einem Gesetzentwurf hervorgeht.

Lesen Sie auch

In Hildesheim hatte es vor einigen Wochen einen größeren Masernausbruch gegeben. An mehreren Schulen mussten im März ungeimpfte Schüler vorübergehend zu Hause bleiben. Gleiches galt für Mitarbeiter, die keinen Impfpass vorlegen konnten. Die Kreissprecherin wollte nicht sagen, ob der Todesfall im Zusammenhang mit der Erkrankungswelle an Schulen stand.

Die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes, Katharina Hüppe, sagte: "Wir wissen, Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Gehirnentzündungen durch Maserninfektionen sind keine Seltenheit. Tödliche Verläufe sind bekannt, ungefähr jede 1000. Masernerkrankung führt zum Tod." Der "aktuelle äußerst tragische Todesfall" unterstreiche einmal mehr, wie wichtig es sei, dass auch Erwachsene ihren Impfschutz überprüften und gegebenenfalls vervollständigen ließen.

Wildviren waren Auslöser

Die Sprecherin des Landesgesundheitsamtes, Dagmar Ziehm, betonte, dass bei dem Todesfall Wildviren und nicht Impfviren die Infektion ausgelöst hätten: "Die Impfung hat die Infektion nicht mehr verhindert. Sie ist zu spät gekommen."

In Niedersachsen wurden seit Jahresbeginn 71 Masernfälle dem Landesgesundheitsamt übermittelt. 41 davon standen mit dem großen Ausbruch im Hildesheim im Zusammenhang. 9 Fälle gab es im Landkreis Peine, 6 in der Region Hannover. Europaweit gab es im vergangenen Jahr bei 80.000 Maserninfektionen mehr als 70 Todesfälle, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das EU-Präventionszentrum ECDC kürzlich mitteilten. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+