Bürgermeisterwahl in Langwedel Andreas Brandt macht das Rennen

Langwedel. Der neue Bürgermeister von Langwedel heißt Andreas Brandt. Mit 55,2 Prozent der Stimmen ließ der Sozialdemokrat den CDU-Bewerber Jens Warnke bei der Stichwahl am Sonntag deutlich hinter sich. Für Brandt entschieden sich 2916 Wähler, für Warnke 2365.
01.03.2010, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Andreas Brandt macht das Rennen
Von Hans Ettemeyer

Langwedel. Der neue Bürgermeister von Langwedel heißt Andreas Brandt. Mit 55,2 Prozent der Stimmen ließ der Sozialdemokrat den CDU-Bewerber Jens Warnke bei der Stichwahl am Sonntag deutlich hinter sich. Für Brandt entschieden sich 2916 Wähler, für Warnke 2365. Die Wahlbeteiligung betrug 44,1 Prozent.

Um kurz vor 19 Uhr steht fest, wer im Langwedeler Rathaus in den kommenden acht Jahren die Zügel in der Hand hält. Während die SPD im Gasthaus Klenke ausgelassen feiert, kämpft Jens Warnke im Antiochia mit seiner Enttäuschung. 'Ein sehr schlechtes Ergebnis, das ich so nicht erwartet habe', sagt er seinen Parteifreunden, nachdem das letzte Wahllokal ausgezählt ist.

Mit ihrem Votum haben die Wähler Andreas Brandt ein verspätetes Geburtstagsgeschenk beschert: Der Völkerser ist am vergangenen Montag 39 Jahre alt geworden. Seine Freude trübte gestern nur der Rückgang der Wahlbeteiligung, im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen hatte sie noch 47,1 Prozent betragen.

Völkersen, Daverden und das Briefwahlergebnis fehlen noch, als schon alles klar ist: 'Das Ding ist gelaufen, da kann nix mehr passieren', gibt Johann Intemann im Stimmengewirr der SPD-Wahlparty Entwarnung. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Warnke nur im kleinen Hagen-Grinden mehr Stimmen geholt als Brandt. Aber wie wird Daverden entscheiden? Für Warnke, wie sich bald darauf zeigt, doch der Vorsprung von 147 Stimmen in seinem Wohnort reicht bei weitem nicht, die Ergebnisse aus den anderen Wahlbezirken wettzumachen. Zumal Brandt seinen Mitbewerber in Völkersen mit 433 zu 186 Stimmen abhängt. Entschieden wird die Wahl aber einmal mehr in Etelsen und Cluvenhagen.

'Wer ist neuer Bürgermeister?', fragt Brandt seinen Sohn Niklas, den er auf dem Arm hält. 'Papa', ruft der Zweijährige. Und dann wird erstmal Ehefrau Wibke geherzt, bevor Brandt sich seinen Genossen und Unterstützern zuwendet. 'Ich bin sehr zufrieden und überglücklich', sagt er.

Seinen Erfolg führt Brandt darauf zurück, dass er 'direkt auf die Bürger zugegangen' sei, so werde er es auch als Bürgermeister halten. Als Kandidat hat er nach eigenen Schätzungen mit mehr als 2000 Langwedelern gesprochen. Er klingelte an unzähligen Haustüren und er verteilte Schokoladenosterhasen - Dienstag und Mittwoch 600 Stück am frühen Morgen auf den Bahnhöfen, 150 weitere Exemplare am Sonnabend in Daverden.

Seine Familie hatte Brandt in der vergangenen Woche in den Urlaub nach Dänemark geschickt, um sich voll dem Wahlkampf widmen zu können. Sein Amt wird er in der zweiten Märzwoche antreten, wenn er seine Funktionen bei der Bahn, wo er unter anderem Betriebsratsvorsitzender im Ausbesserungswerk Sebaldsbrück ist, übergeben hat.

Für die Langwedeler SPD gibt es mehr zu feiern als nur Brandts Sieg. 2001 hat sie das Rathaus dem CDU-Mann Andreas Mattfeldt als erstem hauptberuflichen Bürgermeister der Gemeinde überlassen müssen und ist mit ihrem Kandidaten auch bei der zweiten Bürgermeisterwahl unterlegen. Große Erleichterung deswegen gestern bei SPD-Chef Bernd Michallik: 'Wir haben alles richtig gemacht, haben niemanden diffamiert und nur für Andreas gekämpft. Außerdem hat er klare Positionen bezogen. Das alles hat sich ausgezahlt.' Jetzt gelte es, sich bei den nächsten Kommunalwahlen ebenso einzusetzen. 'Für die SPD ist es wieder möglich, Wahlen zu gewinnen', jubelt Michallik.

SPD-Kreisvorsitzender Peter Eckermann spricht von einem 'gigantischen' Wahlergebnis für 'einen guten Mann.' Und für die SPD sei es eine wichtige Erkenntnis, 'dass wir die Leute wieder überzeugen können.' Unter den Gratulanten ist auch Landrat Peter Bohlmann. Selbst Andreas Mattfeldt kommt vorbei, um Brandt seine Glückwünsche auszusprechen. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt der jetzige CDU-Bundestagsabgeordnete aber auch: 'Jetzt muss Andreas zusehen, wie er seine teuren Wahlversprechen umsetzen will, ohne die Rücklage aufzubrauchen.'

Bei den Christdemokraten wird die Stimmung immer gedrückter, je mehr Wahlergebnisse aus dem Rathaus eintrudeln. Es fehlen noch die Zahlen aus Völkersen und Daverden, als Jens Warnke klar ist: 'Es ist wohl nicht gelungen, die Stimmen jener Bürger zu uns rüberzuziehen, die vor zwei Wochen Bethge gewählt haben.' Der parteilose Rathaus-Mann hatte im ersten Wahlgang immerhin 1771 Stimmen bekommen. Später, als seine Niederlage feststeht, ruft Warnke seinen Parteifreunden zu: 'Lasst euch den Abend nicht sauer werden. Trinkt noch einen mit mir.'

Viel versprochen

'Vielleicht hat Brandt gewonnen, weil er mehr versprochen hat', unkt der CDU-Kreisvorsitzende Adrian Mohr, der mit Frau und Baby im Antiochia erschienen ist. Es werde 'in den nächsten Wochen und Monaten interessant werden zu sehen, wie er das alles umsetzt angesichts leerer Kassen'.

Im Ratshaussaal verfolgen rund 40 Zuschauer den Wahlausgang. Als nur noch die Wahlbereiche Daverden und Völkersen sowie die Briefwahl ausstehen, ist für Rudolf Lüdemann klar: 'Das läuft für Brandt'. Nur Minuten später gibt Wahlleiter Rolf Korb das Ergebnis bekannt.

Imke Thielker, Langwedeler CDU-Vorsitzende, verfolgt die nach und nach einlaufenden Ergebnisse ebenfalls im Rathaussaal. Als Wahlleiter Rolf Korb das Ergebnis bekannt gibt, ist sie 'über den Wahlausgang sehr enttäuscht'. Es sei der CDU offenbar nicht gelungen, die positiven Seiten ihres Kandidaten zu transportieren. 'Wir müssen jetzt analysieren, ob wir mit den richtigen Schwerpunkten in den Wahlkampf gegangen sind'. Andreas Brandt werde sich nun an seinen Wahlversprechen messen lassen müssen.

Hans-Hermann Meyer, Daverdens früherer Ortsbürgermeister, weiß schon fünf Minuten nach 18 Uhr, wie die Wahl ausgehen wird: '51 zu 49 Prozent'. Nur welcher Kandidat gewinnt, da will er sich zu diesem Zeitpunkt nicht festlegen. Als Brandt als Sieger feststeht, freut sich der altgediente Genosse. 'Dass er so deutlich gewinnen würde, habe ich allerdings nicht erwartet.'

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