Osterholz-Scharmbeck

Angehörige suchen nach Gewissheit

Osterholz-Scharmbeck. Am Freitag auf den Tag genau ist es 70 Jahre her, dass in Osterholz-Scharmbeck zwei amerikanische B-17-Bomber abstürzten. Eines der schweren Kriegsflugzeuge schlug am Tinzenberg auf, das andere in Westerbeck.
20.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lutz Rode

Am Freitag auf den Tag genau ist es 70 Jahre her, dass in Osterholz-Scharmbeck zwei amerikanische B-17-Bomber abstürzten. Eines der schweren Kriegsflugzeuge schlug am Tinzenberg auf, das andere in Westerbeck. Was damals Schreckliches passierte, darüber haben Zeitzeugen wie Ludwig Wätjen oder Reelf Menkhoff berichtet, und auch in Chroniken sind die Ereignisse festgehalten worden. Doch die Geschichte ruht nicht. Angehörige der bei den Abstürzen getöteten amerikanischen Soldaten sind nach wie vor auf der Suche nach Gewissheit, was genau damals geschah, als die B-17-Bomber im Stadtgebiet niedergingen.

„Es ist für sie wie ein Buch, bei dem die letzte Seite fehlt“, sagt Uwe Benkel über die Angehörigen, die Klarheit haben wollen, was ihren Ehemännern, Brüdern, Großvätern oder Onkeln widerfahren ist. Der Pfälzer betreibt seit 25 Jahren ehrenamtliche Vermisstenforschung und ist mit seiner Arbeitsgruppe dabei, bundesweit Flugzeugabstürze der Kriegszeit zwischen 1939 und 1945 aufzuklären. Um Gewissheit zu erlangen, hat er im Laufe der Jahre nach eigenen Angaben an die 100 Flugzeugwracks ausgegraben und dabei mehr als 40 tote Soldaten geborgen. Ohne Genehmigung und zum Teil professionelle Hilfe durch Sprengstoffexperten geht das nicht.

Auch am Absturz des B-17-Bombers am Tinzenberg ist Benkel dran, der vor Ort mit dem Deutsch-Amerikaner Berthold Kuchenbäcker zusammenarbeitet. So gilt eines der Besatzungsmitglieder nach wie vor offiziell als vermisst. Vermutet wird, dass auch er bei dem Absturz ums Leben kam, doch seine Leiche wurde nie identifiziert.

Als Stadtdirektor Heinrich Horstmann am 9. Juni 1947 seinen Bericht über die Flugzeugabstürze im Stadtgebiet schrieb, berichtete er, dass am Tinzenberg sechs Tote vom Bergungskommando des Fliegerhorstes Wesermünde geborgen wurden. Aus Berichten der Amerikaner weiß man wiederum, dass zwei der Amerikaner den Absturz überlebt haben und in Kriegsgefangenschaft genommen wurden. Ein weiterer Soldat wurde ins Hospital nach Vegesack gebracht, wo er nach einem Monat seinen schweren Verbrennungen erlag. Nie geklärt werden konnte, was mit Fred Brann geschah, der als Technischer Sergeant an Bord der B17 war. Es gibt Vermutungen, dass er erst später bei den Bergungsarbeiten am Wrack entdeckt worden sein könnte und dann wie seine Kameraden in Geestemünde beigesetzt wurde.

Uwe Benkel und Berthold Kuchenbäcker sind sich sicher, dass es in Osterholz-Scharmbeck Menschen gibt, die die Umstände der Abstürze und das Schicksal der Soldaten weiter aufklären können. Wer möchte, kann seine Hinweise per E-Mail an cold.casewwar2@yahoo.com schicken. Zeitzeugen können sich auch an das OSTERHOLZER KREISBLATT wenden.

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