Freimaurer in Vegesack Anker-Loge öffnet sich weiter

Wer sich über die Freimaurerei informieren möchte, hat dazu an diesem Freitag, 14. September, in Vegesack Gelegenheit. Es geht um die Geschichte und Geheimnisse der Logen.
13.09.2018, 12:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Vegesack. Sie kümmern sich um längst versunkene Schiffe, machen ihren Versammlungssaal in der Weserstraße 7 zu einer Bühne für plattdeutsches Theater und lüften sogar ein paar gar nicht so geheime Geheimnisse um die Freimaurerei, wenn es am Freitag, 14. September, ab 20 Uhr um die Frage geht „Wo liegen unsere Wurzeln?“. Die Herbst-Kulturveranstaltungen der Vegesacker Loge „Der Anker der Eintracht“ haben inzwischen Tradition.

Der Grundgedanke für die Öffnung des Männerbundes auch in der Vegesacker Freimaurerloge ist der, sich nicht von der Öffentlichkeit abkapseln zu wollen und die gesellschaftliche Relevanz der eigenen Positionen zu stärken. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind ja durchaus Werte, die man heutzutage durchaus stärker hochleben lassen sollte, finden die Männer, die sich regelmäßig an der Weserstraße treffen. Claus Teske, Erster Aufseher der Loge, bringt es auf den Punkt: „Wir selber werden nicht weiterkommen im Streben, wenn wir nicht nach vorne schauen: Wir sehen das hier als so etwas wie das Gegenprogramm zur Facebook-Blase.“

Dass immer wieder maritime Themen auf der Tagesordnung der öffentlichen Veranstaltungen stünden, hätte etwas mit den Gründern der Loge zu tun. In der Gründungsgruppe von zwölf Herren befanden sich seinerzeit gleich vier Kapitäne. So ist im Logenhaus an der Weserstraße schon über die Geschichte der Container seit 1960 referiert worden oder es ging um Einblicke in die Tätigkeit eines Lotsen heute. Aktuell steht als maritimes Thema für Freitag, 19. Oktober, ab 20 Uhr ein Vortrag zum Untergang der „Bremen“ 1858 vor San Francisco auf dem Programm. Berichten wird der Captain's Table der Lions.

Und weil man sich der Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache sehr zugeneigt fühlt, ist für den Freitag, 16. November, auch noch ein aus Logensicht besonderes Experiment vorgesehen: Mit dem Beckedorfer Ensemble „De Pottkieker“ holen sich die Logenbrüder zum ersten Mal eine Theaterproduktion ins altehrwürdige Haus. Maximal einhundert Gäste haben in dem Spiegelsaal Platz. Mit fünf Euro Eintritt ist man dabei. Die Gruppe verspricht plattdeutsche Lieder, Sketche, Döntjes und Geschichten. Klaus Fischer, Meister vom Stuhl und damit Chef in der Loge „Anker der Eintracht“, erinnert sich, dass die Kontakte zur plattdeutschen Szene ausgelöst wurden durch eine Freimaurer-Spende für das Plattdeutsche Institut im Schnoor, das sich um den Erhalt und die Förderung dieser Sprache verdient macht.

„Wir sind bei der Veröffentlichung unserer Aktionen zurückhaltender, weil wir nicht mit den Service-Clubs in einen Topf geworfen werden wollen,“ erläutert Klaus Fischer, warum wenige Außenstehende etwas über das soziale Engagement der Freimaurer mitbekommen. Andererseits werde bei jeder Arbeit in der Loge gesammelt. Dietmar Warwas, zugeordneter Meister vom Stuhl und Stellvertreter in rituellen Dingen: „Jeder gibt nach seinem Vermögen.“ Wobei das wohl eher metaphorisch gemeint ist und abgeglichen mit der Realität bei zwei Euro anfängt und dann bei Papiergeld irgendwann endet.

Jedenfalls versetzt diese Spendenbereitschaft die Loge in die Lage, immer mal wieder schnell und unbürokratisch zu helfen: Mal sind die Freimaurer dabei, wenn Obdachlose in Bremen vor dem Winter mit warmen Schlafsäcken versorgt werden. Oder man hilft dem Blindengarten dabei, schnell Sturmschäden an der Umzäunung ausbessern zu können. Fehlt einem Kindergarten noch etwas Geld für ein Außenspielgerät, kriegt die Schule nicht Geld für moderne Laptops zusammen oder ruft spontan die Krebshilfe, dann findet man bei der Loge offene Ohren. Claus Teske: „Aber sie werden nicht erleben, dass wir bei der Scheckübergabe im Edeka-Markt mit auf das Bild wollen. Aber da, wo schnelles Handeln erforderlich ist, versuchen wir in unseren Möglichkeiten zu helfen.“

Manchmal sind diese Bemühungen sogar in Stein gemeißelt. In Vegesack wurden die Logenbrüder vor nicht langer Zeit gefragt, ob sie beim Austausch des Blauen Bandes helfen könnten. Das Ergebnis ist seit Kurzem in der Gerhard-Rohlfs-Straße auf dem Boden zu besichtigen: Wo früher ein blauer Lichtwürfel eben kein Licht mehr verbreitete, ist jetzt ein Granitstein im Pflaster zu finden. Er zeigt den Zirkel und den Winkel, die Symbole der Freimaurerei.

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