Huder Familientragödie Arzneipackung nahe der Leiche gefunden

Hude. Zwei Tage nach dem Fund von drei Leichen gingen gingen die Einsatzkräfte der Spurensicherung im Haus an der Alma-Rogge-Straße ihrer Arbeit nach. Noch ist unklar, ob der Familienvater der Täter ist. In seiner Nähe wurde aber eine Medikamentenpackung gefunden.
09.04.2010, 22:45
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexander Schmolke

Hude. Auch am Freitag noch, zwei Tage nach dem Fund von drei Leichen, gingen sie in dem Haus an der Alma-Rogge-Straße ihrer Arbeit nach: Einsatzkräfte der Spurensicherung, mit Mundschutz, speziellen Ganzkörper-Schutzanzügen, Überziehern für die Schuhe. Ihre Arbeit ist ebenso zeitaufwendig wie bedeutsam, betont Kerstin Epp, Sprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land: 'Die Spurensicherung muss wirklich jedes Puzzleteile sammeln, damit am Ende ein komplettes Bild des Tathergangs entstehen kann.'

Ein solches komplettes Bild konnte die Polizei am Freitag für die Familientragödie in Hude noch nicht präsentieren. Es ist also weiterhin unklar, ob der 53-jährige Familienvater seine Frau (51), seinen Sohn (22) und seine Tochter (17) in dem Haus an der Alma-Rogge-Straße getötet hat - und auch welches Motiv er dafür gehabt haben könnte. Staatsanwalt Rainer du Mesnil de Rochemont sagte gestern denn auch lediglich: 'Die Ermittlungen nach dem Tathergang und dem Motiv laufen auf Hochtouren.'

Mit in ihre Überlegungen einbeziehen kann und muss die 30-köpfige Mordkommission auch neue Spuren, die am Freitag gefunden wurden: So entdeckten die Ermittler in der Nähe der Leiche des Vaters, die am Donnerstag aus einem See am Hochmoorweg gezogen wurde, eine Medikamentenpackung. Um welche Arznei es sich handelt und ob diese eventuell für den Tod des Mannes verantwortlich sein könnte, ist indes noch unklar, hieß es gestern seitens der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Genauso unklar ist, wem die Jacke gehört, die die Spurensicherung ebenfalls an dem See gefunden hat.

Ob am See oder im Haus: Bei ihrer Arbeit geht die Spurensicherung mit äußerster Sorgfalt vor und beschäftigt sich mit jedem kleinen Detail. Fotografiert wird dabei unter anderem mit einer Spheron-Panoramakamera, mit der große Teile eines Raums auf einem Bild erfasst werden können, zudem dokumentieren die Polizisten alles schriftlich. Hunderte Spuren werden so asserviert, wie es im Fachjargon heißt (was im Wortsinn 'aufbewahrt' bedeutet). 'Diese Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch - doch es könnte eben auch alles wichtig sein', erklärt Polizeisprecherin Epp, warum die Einsatzkräfte auch gestern noch in dem Haus an der Alma-Rogge-Straße im Einsatz waren. Die Sachbeweise, die die 'SpuSi' auf diese Weise zusammenträgt, werden nun mit Aussagen der Zeugen in Verbindung gebracht.

Dass die Experten der Spurensicherung während ihres Einsatzes durchgehend ihre Schutzanzüge tragen, ist der Normalfall. Das hundertfach gesehene Bild des Fernsehkommissars, der sich maximal Gummihandschuhe überstreift, wenn er sich am Tatort einer Leiche nähert, hat mit der Realität nichts zu tun. 'Spurenschonendes Arbeiten ist unerlässlich', sagt Kersin Epp. 'Jedes kleine Haar, das einem Ermittler vielleicht bei seiner Arbeit ausfällt, würde den Tatort verändern.' Ganz zu schweigen von Fuß- und Fingerabdrücken, Fasern der Kleidung, Körpersekret.

Gedächtniswand in der Kirche

Alles, was die Spurensicherung zusammenträgt, wird aktuell und in den nächsten Tagen ausgewertet. Am kommenden Montag wird die Polizei aller Voraussicht nach neue Erkenntnisse bekannt geben. Dann soll auch das Ergebnis der Obduktion vorliegen, wie gestern noch einmal bestätigt wurde.

Auf den Tod von vier Menschen des Ortes reagiert die Evangelische Kirchengemeinde Hude mit der Aufstellung einer Gedächtnis- und Gebetswand: Sie wird morgen, Sonntag, um 10 Uhr mit dem Beginn des Gottesdienstes im Altarraum der St. Elisabeth-Kirche aufgestellt. 'Hier können alle Menschen aus dem Ort und der Umgebung bis zur Trauerfeier aufschreiben, was sie bewegt', sagt Pfarrer Reiner Backenköhler.

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