Ausstellung im Grasberger Rathaus Astrofotograf zeigt eindrucksvolle Bilder

Grasberg. Gerald Willems ist nicht nur Astronom, sondern auch leidenschaftlicher Astrofotograf. Ab Freitag zeigt der Ottersteiner einige seine Bilder im Grasberger Rathaus.
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Astrofotograf zeigt eindrucksvolle Bilder
Von Undine Zeidler

Grasberg. Die Milchstraße nennt Gerald Willems sein "kosmisches Zuhause", und von seinem irdischen Zuhause im Teufelsmoor guckt er mit dem Fernrohr oft hinaus ins Universum, zu anderen Galaxien. Die fotografiert er, denn Willems ist nicht nur Astronom, sondern auch leidenschaftlicher Astrofotograf. Ab Freitag zeigt der Ottersteiner einige seine Bilder im Grasberger Rathaus.

Grasberg. "Ich habe schon als Kind in die Sterne geguckt", erzählt Gerald Willems. Später tat er es mit dem Feldstecher beim Segeln auf See. Seit 2002 ist der sternenklare Himmel endgültig zu seiner Obsession geworden. Verdecken keine Wolke und kein Nebel das Firmament, muss der Schlaf warten. Willems setzt die Mütze auf, und geht in Otterstein in seine Sternwarte hinterm Haus. Dort fotografiert er Licht, das teils älter als die Erde ist: Galaxien, Gasnebel, Doppelsternenhaufen und vieles mehr. Im Grasberger Rathaus zeigt er ab Freitag, 11. November, knapp 30 Bilder von diesem "Abenteuer Astrofotografie - Der tiefe Himmel über dem Teufelsmoor".

"Man blickt, wenn man eine fremde Galaxie sieht, in eine fremde Welt", sagt Willems mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn er über Astrofotografie redet, überschlagen sich fast die Worte und er erzeugt einen Sog, so wie der "tiefe Himmel" auf ihn wirken muss. Nachdem Gerald Willems im Jahr 2002 im Teufelsmoor sein Haus gebaut hatte, wurde dieser tiefe Himmel fernab allen künstlichen Lichts zu seinem Hauptmetier. Am neuen Zuhause steht die Gartensternwarte mit dem Fernrohr und der neuen Montierung - absolute Feinstmechanik - für seine Kamera nun noch besser, dort kann er noch genauer die Sterne und Galaxien im Fokus behalten, während die Erde sich dreht.

Drei Nächte lang fotografiert

Gerade ist er wieder für das Bild einer lichtschwachen Galaxie drei Nächte hintereinander wach geblieben. Er hat Gleitzeit und kann als Technischer Redakteur morgens auch schon mal erst um 10 Uhr ins Büro kommen. Dann liegt wieder eine Nacht hinter ihm, in der er die Kamera auf den Referenzstern eingestellt und im Halbstundentakt kontrolliert hat. Das braucht es, denn sinkende Temperaturen oder aufsteigender Nebel können trotz aller Feinmechanik das Fotografieren stören.

Eine Astrofotografie besteht aus vielen Einzelaufnahmen. Per Computerprogramm werden sie übereinander gelegt, erklärt Willems am Rechner in der Sternwarte. Da steht von der vergangenen Fotonacht noch eine Reihe blauer Aufnahmen unter den Grünen. Die drei Farben rot, grün, blau werden getrennt fotografiert, so Willems. Durchschnittlich 15 bis 20 schwarz-weiße, die sogenannten Luminiszensaufnahmen, kommen hinzu. Auf diese Weise kann das Rauschen aus den Bildern herausgefiltert werden, und am Ende gibt es eine jener klaren Fotografien, von denen er knapp 30 im Grasberger Rathaus zeigt. Objekte, von denen einige schon mit dem Feldstecher zu sehen sind, oder die auch nur ahnbar sind - aber alle vom Himmel über dem Teufelsmoor. Das ist Willems wichtig.

Auch auf den Nichtastronomen wirken diese Fotografien. Sie zeigen die Weite des Weltalls in stummer Schönheit, und plötzlich bekommt der eigene Planet eine neue Dimension. Willems hingegen kennt die Objekte, die er betrachtet. Er schwärmt davon, "in was für Tiefen wir schauen".

Jedes Bild wird er mit einer kurzen Beschreibung versehen, und zur Ausstellungseröffnung führt er sowohl in die Bilder als auch in die Astrofotografie ein. Denn auch ohne aufwändige Technik ist einiges möglich. Ein Stativ, ein Fernauslöser, ein Weitwinkelobjektiv und zwei Stunden in sternenklarer Nacht genügen für eine Strichspuraufnahme, wie Willems sie auf dem Plakat zur Ausstellung zeigt. Doch er fotografiert nicht nur. Als Leiter der Fotogruppe der Astronomischen Vereinigung Lilienthal (AVL) gibt er sein Wissen weiter.

Im Frühling fotografiert Gerald Willems besonders gerne, dann blickt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne aus der eigenen Milchstraße (griechisch Galaxie) heraus. Und dann zeigen sich auch seine liebsten Forschungsobjekte - andere Galaxien, dann ist "Galaxienzeit." Existiert dort irgendwo intelligentes Leben? Willems schmunzelt, lässt sich zu dem Exkurs ins Fiktive hinreißen. Würde er einem Außerirdischen begegnen - was seiner Ansicht nach theoretisch genauso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich ist - und der fragt: "Wo kommst du her?", Willems würde antworten: "Ich komme aus der Milchstraße."

Gerald Willems: "Abenteuer Astrofotografie - Der tiefe Himmel über dem Teufelsmoor", 14. November bis 31. Januar 2012 im Rathaus Grasberg während der Öffnungszeiten. Ausstellungseröffnung mit Vortrag am Freitag, 11. November, um 19 Uhr.

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