Klinkerwerk in Hambergen Auf dem Dach entsteht das größte Solarkraftwerk im Landkreis Osterholz

Hambergen. Die Öfen sind kalt, auf dem leeren Lagerplatz spiegelt sich die Wintersonne im Schnee und die Werkshallen wirken verlassen. Ziegel werden im Klinkerwerk in Hambergen schon lange nicht mehr hergestellt. 'Das hätten wir nicht erwartet', sagt Werkseigentümer Eiko Reins mit einer Spur Wehmut.
04.01.2010, 03:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter von Döllen

Hambergen. Die Öfen sind kalt, auf dem leeren Lagerplatz spiegelt sich die Wintersonne im Schnee und die Werkshallen wirken verlassen. Ziegel werden im Klinkerwerk in Hambergen schon lange nicht mehr hergestellt. 'Das hätten wir nicht erwartet', sagt Werkseigentümer Eiko Reins mit einer Spur Wehmut. Die Fabrik ist an einen großen Hersteller verpachtet. Doch der stellt seine Ziegel lieber woanders her.

Seit Wochen herrscht wieder Leben auf dem Gelände. Lastwagen steuern das Gelände an, manche sogar bei Nacht und Nebel. Was auf den ersten Blick mysteriös anmutet, entpuppt sich als völlig legale Aktion: Auf dem Süddach der Ofenhalle entsteht ein Solarkraftwerk - das größte im Landkreis. Die imposante Fläche hat eine Nennleistung von 200 Kilowatt. Genug, um rund 70 Haushalte mit Strom zu versorgen. Kurz vor dem Jahreswechsel ging die Anlage ans Netz. Kommendes Jahr soll die Leistung sogar um weitere 300 Kilowatt erweitert werden. Die zusätzlichen Module werden ihren Platz auf der ehemaligen Lehmhalle finden.

Für Eiko Reins und dem ehemaligen Geschäftsführer Gottfried Puckhaber ist es eine zeitweilige Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte. Derzeit kommen sie jeden Morgen in das Büro, wie in alten Zeiten. Auf Mitarbeiter treffen sie dabei aber nicht. Die Solarzellen werden künftig einsam ihren Strom erzeugen und in das Netz einspeisen. 'Die Anlage wird per Datenanschluss überwacht', verrät Experte Holger Laudeley, der das große Solarkraftwerk realisiert hat. Die Steuerungsmodule haben ihren Platz an einer Hallenwand gefunden. Im Hintergrund verstauben die Anlagen zur Ziegelherstellung. Erinnerungen werden wach. 'Wir haben immer investiert, die Umwelt im Blick gehabt', seufzt Reins. Jetzt will er alternativen Strom erzeugen. 'Wenn ich meinem Vater erzählt hätte ich wolle mit Sonne Strom machen, hätte er mich vermutlich enterbt', lacht Reins. Regenerative Energie passt auf den ersten Blick nicht zu einem bodenständigen Unternehmer, der seinen Geschäftsführer Puckhaber in den siebziger Jahren

per Handschlag auf einer Weserfähre eingestellt hat. Doch der Schein trügt. Die beiden Rentner haben gezeigt, was sie drauf haben. Denn bei Solarstrom herrscht Goldgräberstimmung. 'Der Markt boomt einfach. Material ist knapp', ergänzt Laudeley. Für die Anlage in Hambergen wurden Teile aus ganz Europa zusammengekauft. Die Firma Laudeley hat ihre langjährige Erfahrung in die Waagschale geworfen. Hemdsärmelig ist Reins aber nicht an die Sache herangegangen. Vertreter, die mit dicken Papierstapeln und schönen Worten vom Kern ablenken wollten, sahen sich schnell herauskomplementiert. 'Ich begann selber zu recherchieren', erinnert sich Reins. Dabei stieß er schnell auf Holger Laudeley. Im Sommer begannen die Planungen. Eine Anlage dieser Größenordnung birgt einige Fallstricke. 'Die kann man nicht einfach an das Schwachstromnetz anschließen', erklärt Laudeley. Also musste zunächst die elektrische Infrastruktur geschaffen werden. Zum Glück konnten vorhandene Transformatoren genutzt werden, um den Strom in das Mittelspannungsnetz der EWE einspeisen zu können. 'Die Abwicklung verlief reibungslos', freut sich Reins.

Zuvor musste aber noch das Dach saniert, Asbestplatten entfernt und stabile Trapezbleche montiert werden. 700.000 Euro wurden investiert. Trotzallem ist das Kraftwerk für Reins eine stressfreie Angelegenheit. 'Solange die Sonne nicht vom Himmel fällt, kann nichts passieren.' Was machen Reins und Puckhaber, wenn der Aufbau abgeschlossen ist? 'Wir haben noch ein Werk auf Rügen', wirft Reins lächelnd in den Raum. Und in zwei Jahren läuft der Pachtvertrag aus. Vielleicht wird dann doch wieder etwas Greifbares im Werk produziert.

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