Unternehmen leiden unter Winterwetter Auf den Baustellen geht gar nichts mehr

Landkreis Diepholz. Das Jahr 2010 werden die Bauunternehmen im Landkreis Diepholz wohl mit eher gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten. Einerseits profitierten die Firmen zwar vom Aufschwung, andererseits sorgten Schnee und Eis für einen langen Baustopp.
06.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Hauke Gruhn

Landkreis Diepholz. Das Jahr 2010 werden die Bauunternehmen im Landkreis Diepholz wohl mit eher gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten. Einerseits profitierten die Firmen zwar vom Aufschwung, andererseits sorgten Schnee und Eis mehr als drei Monate lang für einen totalen Baustopp - von Innenarbeiten einmal abgesehen. Vor allem das Saison-Kurzarbeitergeld helfe, die kalte Jahreszeit einigermaßen schmerzfrei zu überbrücken, berichtet Herbert Schorling, Bauunternehmer in Bassum und Obermeister der Bauinnung im Landkreis Diepholz.

"Einbußen aufgrund des Wetters gab es 2010 auf jeden Fall", resümiert Schorling. "Anfang des Jahres gab es noch nicht so viele Projekte, da wirkte sich der strenge Winter noch nicht so negativ aus", berichtet er. "Im Frühsommer ging es dann aber ordentlich mit der Konjunktur bergauf." In der zweiten Jahreshälfte habe es sogar einen Zuwachs an Arbeitskräften im Gewerbe gegeben, so Schorling. "Sonst gab es da immer einen Rückgang." Bei vielen Firmen hätten sich zahlreiche Überstunden auf den Arbeitszeitkonten angesammelt, so der Innungschef. "Die werden jetzt, wo nicht mehr gearbeitet werden kann, abgebaut."

Aber nicht nur die Arbeitszeitkontenregelung sorge für die nötige Flexibilität im Baugewerbe. "Es gibt ja seit einigen Jahren kein Schlechtwettergeld mehr, sondern das Saison-Kurzarbeitergeld", erklärt Schorling. "Jetzt können diese Mittel aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund der Witterung vom 1. Dezember bis zum 31. März beantragt werden." Die Arbeitsagentur zahlt den Löwenanteil, die Zusatzkosten werden aus einem Topf bezahlt, in den Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen - insgesamt zwei Prozent vom Bruttolohn.

Für Herbert Schorling liegen die Vorteile des Saison-Kurzarbeitergeldes auf der Hand: "Früher wurde immer zum Winter hin entlassen, heute geschieht das kaum noch." Die Situation sei für die auf dem Bau Beschäftigten früher wirklich "kriminell" gewesen, so Schorling. "Sie haben ja nie ein ganzes Jahr Arbeit am Stück voll bekommen." Die Folge: Sie bekamen auch nur sehr selten Arbeitslosengeld I. "Jetzt gibt es zwar auch Einbußen für die Arbeitnehmer, aber so kann man sich wenigstens über den Winter retten." Bevor allerdings das Saison-Kurzarbeitergeld zum Zuge kommen könne, müsse jeweils zunächst das Arbeitszeitkonto ausgeglichen werden.

Zu wenig Neubauten

Die Lage auf dem Bau sei trotz des Aufschwungs in 2010 alles andere als rosig, betont Herbert Schorling. "Es wird nur noch wenig neu gebaut, da müssen manche Firmen aus dem Landkreis schon sehr weit reisen." Neubaugebiete gebe es allenfalls noch im Speckgürtel rund um Bremen, also im Nordkreis. "Die Leute wollen aktuell vor allem sehr nahe an Bremen bauen. Aber manche Neubaugebiete sind auch noch gar nicht voll", berichtet Schorling. "Da hat sich der Wegfall der Eigenheimzulage bemerkbar gemacht." Viele Firmen hätten sich auch deshalb umgestellt, so Schorling, sie würden jetzt mehr auf Sanierungen setzen.

Weitere Gründe für die eher verhaltene Baulust der Menschen sieht Schorling in den Kosten begründet. "Es ist heute teurer zu bauen, weil es strenge Regeln zur Wärmedämmung gibt. Außerdem müssen erneuerbare Energien integriert sein, jedes neue Haus muss also mit Solaranlage, Wärmepumpe oder Ähnlichem ausgestattet sein." Zehn Prozent erneuerbare Energien seien vorgeschrieben, so Schorling. "Nur dann gibt es auch den Energiepass."

Störender als die zwei Monate Winter zu Jahresbeginn, als die Konjunktur eh noch lahmte, schlage der fast schon permanente Frost seit Ende November ins Kontor, findet Schorling. "Das haut irgendwann schon rein, die Kosten für Versicherungen und Fahrzeuge laufen ja weiter", rechnet der Obermeister der Bauinnung vor. "Insgesamt war das Jahr wegen des Winters schon sehr kurz."

Saison-Kurzarbeitergeld lohnt sich

Auch Lutz Hollmann, Bauunternehmer aus Stuhr, hat das Wetter im Jahr 2010 zu schaffen gemacht. Er sieht auch die Monate Januar und Februar kritisch. "Besonders schlimm ist es ja gerade durch den Jahresanfang geworden. Da hat sich vieles verzögert. Und jetzt wieder der frühe Winter - das wirft uns natürlich zurück", sagt er. Generell gelte für den Bau, dass man bei Frost nicht betonieren oder mauern sollte. Zur Übergabe eines Baus gehöre aber auch die Gestaltung der Außenanlagen. Bei einem Mehrfamilienhaus in Leeste zum Beispiel habe man das aufgrund des Wintereinbruchs nicht mehr rechtzeitig schaffen können. "Verluste haben wir dadurch nicht direkt, aber es verzögert sich einfach alles", sagt Hollmann. "Ich hoffe jedenfalls, dass der Winter diesmal nicht so lange dauert, denn eigentlich haben wir sehr gut zu tun."

Auch Hollmann lobt die Einführung des Saison-Kurzarbeitergeldes. "Da ist ein Segen für den Bau. Man kann flexibler reagieren und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist deutlich höher, als wenn man jeden Winter die Leute wieder entlassen und dann neu einstellen muss." Er vermutet, dass sich der Trend der harten Winter fortsetzen werde. "Es wird dann wohl darauf hinauslaufen, dass im Sommer wie bekloppt gearbeitet werden muss, weil im Winter nichts mehr geht."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+