Tag des offenen Denkmals Auf den Spuren der Geschichte

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, öffnen auch das Hohehorst-Archiv in Löhnhorst und die Baracke Wilhelmine in Neuenkirchen ihre Pforten.
03.09.2019, 07:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller

Löhnhorst/Neuenkirchen. Tausende Denkmale öffnen am Sonntag, 8. September, bundesweit ihre Türen. Am Tag des offenen Denkmals, den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 1993 jeden zweiten Sonntag im September ausrichtet, beteiligen sich auch zwei Stätten in der Gemeinde Schwanewede.

Auf Gut Hohehorst in Löhnhorst öffnet Hans-Werner Liebig das von ihm aufgebaute und ehrenamtlich geführte Archiv im rechten Torhaus an der Hauptstraße 1. Seit über 30 Jahren sammelt der Löhnhorster alles über die wechselvolle Geschichte des Gutes, das seit 1986 unter Denkmalschutz steht. Mehr als 10 000 Dokumente und Fotos hat er nach eigenen Angaben zusammengetragen. Im Archiv können Besucher am Sonntag von 11 bis 18 Uhr auf eine Zeitreise gehen. Das Anwesen mit seinem Herrenhaus und dem fast 20 Hektar großen Park hat glanzvolle und finstere Zeiten erlebt. 1928/29 ließ der Bremer Wollkönig Carl Lahusen das Herrenhaus als Sommersitz erbauen. Als sein Nordwolle-Unternehmen in der Weltwirtschaftskrise pleite ging, wurde Gut Hohehorst versteigert.

Von 1937 bis 1945 richtete die SS-Organisation „Lebensborn“ auf dem Gut ein Heim für ledige Mütter ein, die hier „arischen“ Nachwuchs zur Welt bringen sollten. Nach dem Krieg residierte die US-Army bis 1948 mit einem Offizierscasino auf dem Anwesen. In den folgenden Jahrzehnten wurde es von verschiedenen Einrichtungen als Krankenhaus genutzt, von 1981 bis Mitte 2014 betrieb die Drogenhilfe Bremen hier eine Therapieeinrichtung. 2016 verkaufte die Stadtgemeinde Bremen als damalige Eigentümerin das Gut an einen privaten Investor, den Bauunternehmer Thomas Stefes.

Hans-Werner Liebig wird bei seiner Suche zur Gutsgeschichte immer wieder fündig. So können die Besucher am Sonntag in einem alten Fotoalbum blättern, auf das der Hohehorst-Archivar erst kürzlich bei seinen Recherchen gestoßen ist. „Es enthält Aufnahmen aus der Dienstzeit einer Frau, die von 1939 bis 1941 ihren freiwilligen Frauenhilfsdienst im Lebenborn-Heim auf Hohehorst versah.“ Erstmals kann Liebig auch Kopien öffentlich bislang nicht bekannter Dokumente und Fotos über den ehemaligen Lehr-Schweinehof des Lahusen-Gutes zeigen. „Der Hof befand sich am heutigen Lehrhofsweg in Brundorf.“ Die Dokumente entdeckte Liebig im Archiv der Bremer Landesbank. „Nach dem Konkurs der Nordwolle wurde die Bremer Landesbank, damals eine reine Staatsbank, 1934 Eigentümerin von Gut Hohehorst. Ein Jahr später verkaufte die Bank das Anwesen an die Immobiliengesellschaft des Dritten Reiches“, erklärt Liebig. Am Sonntag zeigt er auch einen 90-minütigen Film über die Gutsgeschichte. Das Herrenhaus und der Park des jetzt privaten Anwesens sind diesmal nicht zu besichtigen. Wegen Bauarbeiten am linken Torhaus ist die Zahl der Parkplätze begrenzt.

Geöffnet ist am Sonntag von 10 bis 17 Uhr auch die Baracke Wilhelmine (An der Kaserne 122) in Neuenkirchen. Die heutige Gedenkstätte wurde 1939 als Teil eines Gemeinschaftslagers für den Bau eines Marine-Tanklagers in Neuenkirchen errichtet. Ab Frühjahr 1943 war hier die Bauleitung für den U-Boot-Bunker Valentin in Farge ansässig. Für den Bunkerbau wurden tausende Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene eingesetzt. Sie waren in mehreren Lagern in Farge, Neuenkirchen und Schwanewede untergebracht. Eine Dauerausstellung in der Gedenkstätte informiert darüber, ebenso über die Nachkriegsnutzung der Baracke. Zu den Themen NS-Lager und Zwangsarbeit werden bei Bedarf Führungen angeboten. Gezeigt wird auch ein Film, den Schwaneweder Schüler im Rahmen eines Geschichtsprojektes über die Schicksale ehemaliger italienischer Zwangsarbeiter gedreht haben. Um 14 Uhr gibt es einen Gottesdienst im Freien. Seit 2004 betreibt der Verein Heimatfreunde Neuenkirchen die Gedenkstätte in der Baracke, seit 2006 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

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