Thomas Rinke stellt Arbeit von Restauratoren aus Auf Meisterwissen aufgesattelt

Worpswede. Thomas Rinke ist seit über 30 Jahren Meister im Gold- und Silberschmiedehandwerk. Jetzt kommt noch eine weitere Fähigkeit hinzu. Der Worpsweder hat sich zum Restaurator im Gold- und Silberschmiedehandwerk ausbilden lassen. Was dahintersteckt und welche Fertigkeiten dazugehören, zeigt bis zum 3. Mai eine Ausstellung in Rinkes Goldschmiede in der Bergstraße 22.
08.04.2014, 06:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Ulrike Schumacher

Worpswede. Thomas Rinke ist seit über 30 Jahren Meister im Gold- und Silberschmiedehandwerk. Jetzt kommt noch eine weitere Fähigkeit hinzu. Der Worpsweder hat sich zum Restaurator im Gold- und Silberschmiedehandwerk ausbilden lassen. Was dahintersteckt und welche Fertigkeiten dazugehören, zeigt bis zum 3. Mai eine Ausstellung in Rinkes Goldschmiede in der Bergstraße 22.

„Fachwerk(e)“ lautet der Titel der kleinen Schau, die auf ein altes, kaum noch ausgeübtes Metier aufmerksam machen soll. „Bis vor 20 Jahren waren Restauratoren im Gold- und Silberschmiedehandwerk noch gefragt“, weiß Michael van Ooyen, der zur Ausstellungseröffung die Laudatio hält. Er ist einer der Dozenten, bei denen sich Thomas Rinke fortbilden ließ. Während der einjährigen Ausbildung reiste er neunmal für jeweils eine Woche in die Hunsrück-Stadt Koblenz. Zur Ausstellungseröffnung gab es in Worpswede nun ein Wiedersehen mit den anderen Absolventen. Schließlich ist das, was – zunächst noch unter einer Decke verhüllt – mitten im Raum stand, ein Gemeinschaftswerk aller elf Seminarteilnehmer. Dafür kamen sie aus allen Himmelsrichtungen der Republik und aus Wien angereist. Bei jedem der Gold- und Silberschmiedehandwerks-Restauratoren soll das Gemeinschaftswerk im Lauf des Jahres gezeigt werden.

Fachwerk zum Draufschauen

Die „Fachwerk(e)“ sind gleichzeitig auch ein Fach- und Flachwerk zum Draufschauen. Angelehnt an die Hunsrücker Fachwerk-Gegend, erzählt Rinke. Jeder Teilnehmer hat auf dem Deckel einer hölzernen Schatulle in einem kleinen Feld dargestellt, was den Beruf des Restaurators im Handwerk ausmacht. In der Schatulle lagern die dazuhörigen Dokumentationen. „Wir können davon ausgehen, dass der Meister ein breites Wissen hat“, sagt der Laudator. Das sei eine gute Basis, um aufzusatteln und zusätzlich auch Kenntnisse und Fähigkeiten eines Restaurators zu erwerben. Bis vor ein paar Jahrzehnten hätten die Gold- und Silberschmiede über die Techniken noch Zugang zu diesem Beruf gehabt. „Dann kamen die alten Techniken aus der Mode, sie wurden nicht mehr angewandt und irgendwann nicht mehr gekonnt.“ Bundesweit, so van Ooyen, gebe es noch 50 solcher Restauratoren im Handwerk. Akademisch ausgebildete Restauratoren haben inzwischen das Feld übernommen. Allmählich würden sich Gold- und Silberschmiedemeister wie Thomas Rinke diese Techniken aber wieder zurückholen.

Es sei ein ganz anderes Arbeiten als beim Entwerfen von Schmuck, sagt der Dozent. „Keine gestaltende Handlung.“ Restauratoren befassen sich mit Stücken, die zum Teil jahrhundertealt sind. „Denen muss man sich über die Technik, die Zeit, die Wertigkeit und Kulturgeschichte annähern“, führt van Ooyen ins Thema ein. „Man darf nicht einfach hergehen und sie auf neu trimmen. Man muss erst mal schauen: Was habe ich da? Was kann ich machen? Wie kann ich reinigen? Und wie soll das Stück später aussehen?“

Und dann beginnt nicht selten der Konflikt. „Der Restaurator steht oft zwischen dem Wunsch des Kunden und dem Wunsch der Denkmalpflege.“ Zwischen Privatkunden und Museen gebe es oft große Meinungsverschiedenheiten darüber, wie die zu restaurierenden Stücke aussehen sollen. Ein Restaurator müsse immer abwägen, wie weit er gehen kann. Wesentlich sei, meint der Dozent, dass die Substanz erhalten bleibe. Van Ooyen verweist auf den Schatullendeckel, in dem sich alle Fertigkeiten vereinen – vom Ziselieren übers Vergolden, Gießen und Treiben bis hin zur Filigranarbeit und zum Guillochieren. Der Verzierungstechnik, die auf alten Taschenuhrdeckeln noch zu sehen sei und „die nur noch ganz wenige Leute beherrschen“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+