Traumberuf Veranstaltungstechniker Auf richtige Töne kommt es an

Lilienthal. Ist das Konzert super, bekommt in der Regel die Band das Lob. Geht es schief, ist häufig der Mann am Mischpult schuld. Solche Erfahrungen hat auch Mathias Boschen schon oft gemacht. Trotzdem ist er Tontechniker aus Leidenschaft und hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
03.01.2010, 18:52
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Lilienthal. Ist das Konzert super, bekommt in der Regel die Band das Lob. Geht es schief, ist häufig der Mann am Mischpult schuld. Solche Erfahrungen hat auch Mathias Boschen schon oft gemacht. Trotzdem ist er Tontechniker aus Leidenschaft und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Schon seit etwa zehn Jahren ist er selbstständig. Zunächst arbeitete er nebenberuflich. Seit April dieses Jahres ist die Eventtechnik sein Hauptberuf.

'DJ wollte ich nie werden und selber Musik zu machen ist irgendwie an mir vorbei gegangen', erzählt der 34-Jährige. Bis heute spielt er selbst kein Instrument, ein exzellentes Gehör lässt sich aber auch so entwickeln. 'Jetzt lasse ich mir gerade beibringen, wie man ein Schlagzeug stimmt.' Die Lehre aus einer Open Air-Veranstaltung im Sommer: Auf der Bühne stand ein schickes Drum-Set, aber es klang wie 'Waschmittel-Trommeln'. Keiner der anwesenden Schlagzeuger konnte das Instrument selber stimmen, zum Glück fiel noch jemandem die Telefonnummer eines fachkundigen Schlagzeuglehrers ein, der spontan aushalf. Solche Situationen sollen vermieden werden, aber selbst absolute Profis müssen immer wieder improvisieren. Und als Profi geht Boschen, den alle nur 'Matze' nennen, absolut durch. Nicht nur langjährige Erfahrung, die von kleinen Privatpartys bis zu großen Stadtfesten reichen, sondern auch seine Ausrüstung wird gehobenen Ansprüchen gerecht.

'Zwei bis drei große Festivalbühnen kann ich mittlerweile ausstatten, gegebenenfalls gibt es immer befreundete Kollegen, mit denen man kooperiert und wo man sich Fehlendes leiht.' Rund 100.000 Euro habe er über die Jahre in seine Ausrüstung mit Mischpulten, Verstärkern, Mikrophonen, Lautsprechern, mobilen Bühnen, Licht- und Discoanlagen investiert.

Angefangen hat die Begeisterung für Veranstaltungstechnik auf der Lilienthaler Freilichtbühne, wo der gelernte Energieelektroniker 14 Jahre lang die Tontechnik betreute. Bald wurde klar, dass er neben Theater auch in anderen Bereichen tätig sein wollte. Das Hauptaugenmerk lag von Anfang an auf der Musik. Neben Konzerten im Alten Amtsgericht oder der Scheune in Worpswede - die seine Firma Boschen Eventtechnik noch immer zum Freundschaftspreis beschallt - bietet er auch Tourservice an. Mit Bands wie Afterburner oder Kleinstadthelden ist er entweder selbst unterwegs oder er leiht ihnen Bus und Anlage für ihre Auftritte.

In diesem Jahr wird der Ton- und Veranstaltungstechniker verstärkt in Bremen beschäftigt sein. Die dortige Music Academy - eine Musikschule, die unter anderem auch junge Pop- und Rockbands coacht und begleitet - plant diverse Veranstaltungen mit dem Lilienthaler. Gern wäre Boschen auch in seiner Heimatgemeinde wieder häufiger tätig, dort kämen aber selbst bei Veranstaltungen der hiesigen Wirtschaftsförderer Firmen von außerhalb zum Zuge, bedauert er. Zumindest ein Angebot könnte man doch von einer ortsansässigen Firma einholen, findet der Lüninghauser.

Möglicherweise ergibt sich dazu im Sommer eine passende Gelegenheit. Gerade hat Boschen einen Beamer und eine große Leinwand bestellt, um pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft auch Public Viewings ausstaffieren zu können.

Sein größter Traum aber wäre, einmal ein Konzert von Runrig mischen zu dürfen. Die schottischen Folkrocker sind die erklärte Lieblingsband des Mannes, der überall gerne für den guten Ton sorgt.

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