Weyher Verein B-Native will aufforsten Ein Ziel über viele Generationen

In Deutschland wie auch weltweit sind bereits viele Urwälder abgeholzt. Ralf Gutjahr und Uwe Klüngler aus Weyhe und Bremen sind damit nicht einverstanden und haben den Verein B-Native zur Aufforstung gegründet.
10.06.2020, 17:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Weyhe. Mehr Bäume braucht das Land, findet der noch junge Verein B-Native aus Weyhe. Er hat sich zum Auftrag gemacht, Ackerland zu finden, zu kaufen und zu bepflanzen. Örtlich beschränkt er sich aber auf die Gemeinde Weyhe. Das erste Projekt ist zwar gescheitert, das Folgeprojekt aber immerhin beschlossene Sache. Es geht um Crowdfunding.

Ralf Gutjahr und Uwe Klüngler, erster und zweiter Vorstand, des Vereins, müssen sich noch etwas zurechtruckeln in der Vereinsarbeit. Ende Oktober haben sie den Startschuss für ihre Gründung fallen lassen. Seinerzeit waren sie erst einmal zu viert: Gutjahr und Klüngler, jeweils mit Lebensgefährtin. Hinzu kamen Bekannte. Die Idee entstand beim Grillen, wie Gutjahr berichtet, der alles ins Rollen brachte, nachdem er beim Arzt in einem der Magazine dort eine Reportage über Deutschlands wohl bekanntesten Förster Peter Wohlleben gelesen hatte. „Das ließ mich nicht mehr los“, sagt Gutjahr und überlegte sich, was man tun könne. Eine Satzung wurde ausgearbeitet und damit auch ein erklärtes Ziel festgelegt: „Wir wollen Wälder aufforsten, die später zu Urwäldern werden, das heißt, sie sollen nicht wirtschaftlich genutzt werden, sondern vor sich hinwachsen“, erklärt Gutjahr. B-Native spricht von „zukünftigen Urwäldern“, die überwiegend aus Laubbäumen bestehen sollen, mehrere hundert Jahre alt werden „und so eine Menge CO2 speichern können“ sollen, heißt es in der Selbstbeschreibung. Dabei bedeutet Urwald eigentlich: eine natürliche Entstehung ohne den Eingriff von Menschenhand. B-Native, was auf Deutsch „Sei ursprünglich!“ bedeutet, sieht angesichts der massiven Abholzung von Urwald, nicht nur in Deutschland, Handlungsbedarf und will diese eigentlich ursprünglichen Areale nun wieder hergestellt wissen.

Der Verein spricht von einem Mehrgenerationenprojekt. Schließlich brauche ein Laubbaum 40 bis 50 Jahre länger zum Wachsen verglichen mit einem Nadelbaum, erklärt Gutjahr. Was genau die Vereinsvorsitzenden stört? „Wie wir mit dem Wertstoff Holz umgehen, ist mir seit Langem ein Dorn im Auge“, bringt es Klüngler auf den Punkt. Es gebe fast nur noch Wirtschaftswälder, sagt Gutjahr. Mit ihrem neuen Verein wollen sie das ändern und Bäume setzen, die bleiben. Beim Abnehmen von Ackerland habe die Forstbehörde des Landkreises bereits Bereitschaft signalisiert. Sie ist die zuständige Genehmigungsinstanz. Preislich ist, so Klüngler, mit einem Preis von 20 bis 70 Cent pro Quadratmeter zu rechnen. Teil der Satzung ist übrigens auch: Was der Verein an Eigentum anschafft, geht bei einer eventuellen Auflösung an den Verein Robin Wood. Jeder Verein müsse einen anderen für diesen Fall benennen, berichtet Ralf Gutjahr weiter.

Mit dem ganzen „Papierkram und Prozedere“ rund um die Vereinsgründung war die neue Gruppe im Januar fertig und auch die Internetseite war bereit – für die erste Aktion nämlich. Über eine Plattform startete B-Native mit einem Crowdfunding-Projekt. Das Ziel: Geld sammeln, um Ackerflächen zu kaufen und Bäume darauf zu setzen. Die Zielmarke: 15 000 Euro. Zunächst zumindest. Die Mitglieder, inzwischen sind es zehn, gingen dann runter auf 10 000 Euro. Angesetzt war die Sammlung bei Spendern über eine entsprechende Plattform auf vier Wochen im April. Knapp 1000 Euro sind letztlich zusammengekommen, sagt Gutjahr und resümiert: „Das war ein Versuchsballon.“ Wird die vorher festgesetzte Summe bei einem Crowdfunding-Projekt nicht erreicht, bekommen die Geldgeber – hier waren es vier oder fünf – ihre Spende zurück. So auch in diesem Fall, wie Klüngler erklärt.

So ganz viel erwartet hatte der Verein ohnehin nicht. Schließlich ist er noch jung und entsprechend unbekannt. Deshalb geht B-Native immer mal wieder auf Werbezug. Und der war eben auch im Projektmonat geplant. 2500 Flyer hatte der Verein gedruckt, um sie bei der bundesweiten Fridays-For-Future-Demo im April zu verteilen. Gutjahr: „Dann kam leider Corona dazwischen.“

Zweck der Flyer war nicht nur, Unterstützer für das Crowdfunding zu bekommen, sondern für die Sache überhaupt. „Wir wollten bekannter werden“, sagt Klüngler. Und das hat der Verein stattdessen über Inserate erreichen wollen. Zwei Treffen gab es inzwischen in der Bremer Neustadt, angezettelt über das schwarze Brett der Internetseite www.bremen.de. „Die Treffen waren mit fünf bis sechs Leuten jeweils ganz gut besucht“, sagt Klüngler. Doch eine Mitgliedschaft scheiterte beispielsweise an falschen Vorstellungen. Einer habe nahezu direkt mit dem Buddeln loslegen wollen, ein anderer sei enttäuscht gewesen, dass nicht jüngere Leute zum Verein gehören, berichtet Gutjahr, der gemeinsam mit Klüngler weiterhin nach Mitgliedern auf die Suche gehen will. Auch online sind sie präsent: bei Facebook und auch Instagram (jeweils unter unter „Naturebnative“), wo sie bereits mehr als 200 Follower haben. Auch Zeitungsannoncen sollen geschaltet werden. Wer mitmachen will, könne das als zahlendes Fördermitglied oder auch als – ebenfalls zahlendes – aktives Mitglied tun. Voraussichtlich wird in Kürze ohnehin wieder vom Verein zu hören sein. Ab August könnte es neue Informationen geben. B-Native will zur nächsten Aktion ansetzen und bei der kommenden bundesweiten Fridays-For-Future-Demo dabei sein – wenn Corona es zulässt.

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