Kommunalkino zeigt morgen "So weit und groß - Die Natur des Otto Modersohn" Aus dem Leben des Malers

Verden. Für Freunde der Künstlerkolonie Worpswede und des Landschaftsmalers Otto Modersohn ist der Besuch des Kommunalkinos morgen Pflicht. Die Cineasten zeigen um 20.15 Uhr im Cine City den Dokumentarfilm "So weit und groß - Die Natur des Otto Modersohn".
03.05.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriele Tetzner

Verden. Für Freunde der Künstlerkolonie Worpswede und des Landschaftsmalers Otto Modersohn ist der Besuch des Kommunalkinos morgen Pflicht. Die Cineasten zeigen um 20.15 Uhr im Cine City den Dokumentarfilm "So weit und groß - Die Natur des Otto Modersohn".

Die 80 Minuten lange Dokumentation ist reine Familiensache: Regie führte Modersohns Urenkel Carlo, das Drehbuch stammt von dessen Mutter Marina Bohlmann-Modersohn, Autorin der Biografien "Paula Modersohn-Becker" und "Paula und Otto Modersohn". Die Idee zum Film entstand bei einer Ausstellung über Künstlerpaare im Kölner Wallraff-Richartz-Museum. "Die Kuratorin fragte nach einem Begleitfilm, den es aber nicht gab", berichtete der Filmemacher in einem Radiointerview anlässlich der Kinopremiere. Also machte er sich gemeinsam mit seiner Mutter an die Arbeit und erstellte eine ungemein konzentrierte Dokumentation, die ausschließlich mit zeitgenössischen Filmen, Fotografien, Reproduktionen von Gemälden und Zeichnungen bebildert ist. Die unter anderem von Schauspieler Hanns Zischler eingesprochenen Texte, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen stammen von Otto Modersohn selbst, von seiner zweiten Frau Paula und von seinem Dichterfreund Rainer Maria Rilke.

Die Möglichkeit, Szenen nachzustellen, hatte Carlo Modersohn im Vorfeld ausgeschlossen. "Ich besuchte bei den Vorbereitungen Worpswede und fand dort das, was Otto Modersohn so faszinierte, nicht mehr vor", so der junge Regisseur. Erst das Archivmaterial verschaffte ihm Zugang zu der Welt seines Urgroßvaters, die er dann auch in möglichst authentischer Art vermitteln wollte. So entstand eine Montage, in der die Lebensphasen des Malers intensiv vorüberziehen. Der Zuschauer erhält einen Einblick in die Ehejahre mit Paula Modersohn-Becker, das Hin und Her zwischen Paris und Worpswede, das gegenseitige Nehmen und Geben zwischen dem ausschließlich der Abbildung der Natur zugewandten Maler und der hochbegabten Gattin, deren Interesse den Menschen, die in dieser Landschaft lebten, galt.

"So weit und groß"

Die Zeitzeugnisse lassen die Diskussionen in der Künstlerszene um 1900 auferstehen zwischen den Vertretern der Akademien und den verschiedenen Schulen der Landschaftsmalerei. Unter ihnen der 1865 in Soest geborene Otto Modersohn, der schon in seinen Kinder- und Jugendtagen als Hobbybotaniker unterwegs war. Als er seinen Eltern später die Erlaubnis zum Kunststudium in Düsseldorf abgerungen hatte, fand er in den akademischen Pflichtübungen jedoch nicht die gesuchte Erfüllung. Erst im Sommer 1889, als er der Einladung des Künstlerkollegen Fritz Mackensen folgte, einmal mit ihm den Sommer in Worpswede zu verbringen, überwältigte Modersohn die dortige Umgebung so, dass sie ihn nie wieder loslassen sollte. "So weit und groß", schwärmte er vom Teufelsmoor rund um Worpswede, wo er mit Mackensen, Hans am Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler eine Künstlerkolonie begründete, die international bekannt werden sollte.

Dennoch blieb der 1943 in Rotenburg verstorbene Otto Modersohn ein Einzelgänger, dem die Einsamkeit, Ruhe und Konzentration auf Licht und Formen der geliebten, urwüchsigen Landschaft so wichtig waren, dass er schon 1899 aus dem Verbund wieder ausschied. "Ich verkenne durchaus nicht, dass unsere Vereinigung uns zu unserer Einführung die größten Dienste geleistet hat, aber sie fängt ernstlich an, durch alle mit ihr verbundenen Pflichten ..., uns über den Kopf zu wachsen. Sie bedroht unsere Ruhe, die man zum künstlerischen Schaffen in erster Linie braucht", schrieb er am 25. Juli 1899 in einem "Rundbrief an die Freunde".

"So weit und groß - Die Natur des Otto Modersohn", Dokumentarfilm von Carlo Modersohn (Deutschland 2010) im Cine City am Mittwoch, 4. Mai, 20.15 Uhr.

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