Poetry Slam begeistert in der Stadtbibliothek Verden das Publikum / Wortspiele und Philosophisches

Ausflug in das Land der Phantasie

Drei bekannte Vertreter der Poetry-Slam-Szene begeisterten in der Verdener Stadtbibliothek ihr Publikum. Doch in den spontan wirkenden Texten steckt viel Arbeit und emotionaler Einsatz.
24.04.2014, 00:00
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Von Andrea Krekemeyer
Ausflug in das Land der Phantasie

Da geht’s lang: Dalibor Markovic, bekannte Größe in der Poetry-Slam-Szene, zeigte bei seinem Auftritt in der Verdener Stadtbibliothek, dass witzige und virtuose Reime nach wie vor beim Publikum ankommen.

Andrea Krekemeyer

Drei bekannte Vertreter der Poetry-Slam-Szene begeisterten in der Verdener Stadtbibliothek ihr Publikum. Doch in den spontan wirkenden Texten steckt viel Arbeit und emotionaler Einsatz.

Eine Frau mit Mütze, ein Mann mit Schal und ein weiterer Mann mit glatt rasiertem Schädel und Bart: Dieses Trio bot am Dienstagabend beim Poetry Slam in der Verdener Stadtbibliothek ein unterhaltsames Abendprogramm. Theresa Hahl, Bas Böttcher und Dalibor Markovic, bekannte Größen in der Slam-Szene, faszinierten, begeisterten und erstaunten die knapp 70 Gäste und sorgten ein ums andere Mal im fliegenden Wechsel erst für andächtiges Schweigen, gefolgt von hemmungslosen Lachattacken.

Während Bas Böttcher mit gekonnten Wortspielen „verkuppelte, verdoppelte, verkoppelte und angedockte Worte“ konstruierte, überzeugte Theresa Hahl eher mit sentimentaler Wortakrobatik und gewährte den gebannt Lauschenden einen Einblick in das Land der Phantasie. Sie gab den Zuschauern philosophische Einsichten wie „Das Gegenteil von Freude ist nicht Traurigkeit, die Verneinung aller Dinge ist Gleichgültigkeit“ mit auf den Heimweg.

Nur mit der Stimme gefesselt

Dalibor Markovic wiederum zeigte, dass er nur mithilfe seiner Stimme, untermalt von pantomimischen Glanzleistungen und begleitet von einer fesselnden Gestik, Laute zu fabrizieren vermag, die so manche Beatbox verschämt verstummen lassen würde. „So ein begeistertes Publikum habe ich schon lange nicht mehr erlebt“, sagte auch die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek, Karin Koball. Dank ihres anhaltenden Applauses durften die Zuschauer im Anschluss an das eigentliche Programm sogar noch zwei Zugaben erleben.

Was so flüssig vorgetragen wurde, ist „mit viel Arbeit und sehr viel emotionalem Einsatz“ verbunden, wie Theresa Hahl bekundet. Slam Poetry lebe von „gelebten und erlebten Texten“. Jeder Text benötige jeweils die Individualität seines Verfassers, um überzeugen zu können. „Wir könnten unsere Werke also nicht untereinander austauschen.“ Für sie das Herausfordernde an Live-Auftritten „dass man sofort in direktem Kontakt mit dem Publikum steht, jede Reaktion auf seine Texte bemerkt und wiederum selbst darauf reagieren möchte.“ Seit fünf Jahren ist Hahl fester Bestandteil der aktiven Slam-Szene. „Es gibt einen kleinen Kreis von Poeten, die sich auf Festivals und anderen Veranstaltungen immer wieder treffen.“ So hätten auch sie, Böttcher und Markovic zusammengefunden und träten regelmäßig gemeinsam auf.

Um die Texte für einen Auftritt zu schreiben, benötige sie insgesamt mehrere Monate. „Meistens habe ich erst nur ein bestimmtes Thema im Kopf, über das ich schreiben möchte. Und dann lasse mich zum Beispiel gerne vom Theater oder von Gesprächen mit interessanten Leuten inspirieren.“ Grundsätzlich könne man zu jedem Aspekt des Lebens etwas schreiben, „getreu dem Motto: Schreiben ist, wie Informationen durch eine Antenne zu empfangen.“ Mittlerweile gebe es wahrscheinlich kein Thema mehr, zu dem nicht zig Verse verfasst worden seien. „Aber das ist ja gerade das Schöne am Schreiben: Wer mit Herzblut über etwas schreibt, erweckt diese Sache ganz neu zum Leben.“ Wenn man wie sie seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdiene, komme man mit dem Laufe der Zeit nicht umhin, eine gewisse Routine zu entwickeln. „Jemand, der seinen Job viele Jahre lang ausgeübt hat, denkt auch nicht mehr über jeden Handgriff nach.“

Reime, Metrik, Rhythmus – irgendwann gehe einem das recht flüssig von der Hand. „Schreiben ist ein Handwerk, das man zu einem bestimmten Teil erlernen kann“ sagt sie. Und wenn Talent und Übung zusammenkommen, kann man auch ein begeistertes Publikum erleben.

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