Vortrag über Balkongärten

Ausprobieren – und nicht aufgeben

Auf ungeahntes Interesse stieß jetzt in Blumenthal ein Abend zum Thema Balkongärten. Die Bloggerin Melanie Öhlenbach machte den Gästen vor allem Mut, es nicht so genau zu nehmen.
20.01.2019, 13:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniela Schilling
Ausprobieren – und nicht aufgeben

Die Gartenbloggerin empfiehlt Menschen, die einen Balkongarten anlegen wollen, ohne Scheu verschiedene Pflanzen und Gefäße auszuprobieren.

Warnecke/dpa

Blumenthal. Immer mehr Interessierte drängen sich in den Vorraum des Quartiertreffs Blumenthal. Sonja Pannenbecker, Nachbarschaftsmanagerin für Klimaschutz in Blumenthal, hatte zum Vortrag „Gärtnern auf dem Balkon“ eingeladen. Sie stellte noch kurz vor Beginn weitere Stühle auf, um auch den Nachzüglern einen Platz anbieten zu können. Als Referentin eingeladen hatte sie die Bloggerin und Gartenjournalistin Melanie Öhlenbach, die in Findorff lebt und dort seit einigen Jahren einen knapp sechs Quadratmeter großen Balkon bewirtschaftet. Den Rahmen des Vortrags bildete das Projekt „Klimaschutz in Blumenthal – ein Quartier im (Klima-)Wandel", um das sich Pannenbecker seit Frühjahr 2018 kümmert.

„Das Schöne am Balkongärtnern ist, dass man ausprobieren, basteln und werkeln kann“, findet Melanie Öhlenbach. In ihrem Blog „Kistengruen“ schreibt sie seit 2014 über ihre eigene kleine grüne Oase, die sie mit Experimentierfreude und Spaß am Ausprobieren kultiviert hat. Mit einem Satz nahm sie den potenziellen Hobbygärtnern gleich zu Beginn die Scheu vor dem Pflanzenanbau: „Es gibt immer etwas, das wächst, auch wenn es nicht immer das ist, was man erwartet.“

Melanie Öhlenbach

Melanie Öhlenbach

Foto: Hasselberg

Es beim Gärtnern nicht so eng zu sehen, lautete dann auch der Grundtenor des gesamten Vortrags. Sie selbst hätte sich auf diese Weise an ihren reich begrünten Balkon herangetastet. Inzwischen kultiviert Öhlenbach rund 40 Pflanzen pro Jahr auf einer Fläche, die einen Meter mal sechs Meter umfasst. Tomaten, Salat, Kräuter, Physalis und mehr wachsen in Bäckerkisten, auf Paletten, alten Töpfen und Balkonkästen.

Die Zuhörer kamen unter anderem aus Schönebeck, Aumund, Farge und Rönnebeck. Die meisten hofften auf Anregungen, die sie Zuhause umsetzen können. Andere fragten nach Lösungen für problematische Balkone, zum Beispiel solche, die den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt sind oder eine unbedachte Fläche haben, was dazu führt, dass bei starkem Regen alles absäuft.

Ebenfalls unter den Besuchern: eine Mitarbeiterin des „Arbeit und Lernzentrums“ (ALZ) aus dem Bereich Urban Gardening und eine Mitarbeiterin des Haus Flethe. Beide suchten nach Inspirationen, zum Beispiel, wie man den Dachgarten des Seniorenzentrums weiter gestalten könne. Eine Zuhörerin aus Syrien erzählte von ihrem großen Interesse an Heilkräutern und wünschte sich Informationen, welche sich für den Anbau Zuhause eignen. Auch ein Bewohner des Übergangswohnheims in der Kapitän-Dallmann-Straße folgte dem Vortrag mit Interesse.

Während ihrer Ausführungen verknüpfte Melanie Öhlenbach ihre Antworten mit praxisnahen Tipps und Anregungen. So motivierte sie dazu, verschiedene Gefäße zum Heranziehen der Pflanzen auszuprobieren, riet jedoch von Schuhen ab. „Ich habe es probiert. Aber ehrlich gesagt mochte ich nichts von dem essen, was darin wuchs. Obwohl es meine eigenen Schuhe waren.“

Auch sei es wichtig, sich zuvor mit dem Vermieter und anderen Bewohnern abzusprechen. Warum, das zeigt sie an einem Bild, das eine mit frischem Grün gefüllte Biotonne zeigt. „Anfangs habe ich ein Stück Hinterhof mitbegärtnert. Das fand mein Vermieter nicht lustig und ich musste alle Pflanzen abräumen“. Auch Nachbarn seien nicht immer begeistert, wenn das Gießwasser von oben auf sie hinab tropfe, weshalb es sich empfehle, vor dem Start eines Balkongartens mit ihnen zu sprechen.

Weitere Themen am Vortragsabend waren der Umgang mit Dünger und Erde, welche Pflanzen sich für welchen Standort eignen und die Frage nach Ertrag und Nutzen. Auch den großen Wert eines solchen Balkons für die Umwelt, besonders für Insekten, hob Melanie Öhlenbach immer wieder hervor. Darüber hinaus hielt sie bei der Pflege und Gestaltung zu Nachhaltigkeit an und zeigte Beispiele, wie man Dinge recyceln und sinnvoll nutzen kann. Darunter PET-Flaschen, leere Reissäcke, gesammelte Stöcke, alte Töpfe und mehr. Auch über natürlichen Gründünger, sowie die Möglichkeit, durch Tauschbörsen an Sämereien und Jungpflanzen zu kommen, erhielten die Zuhörer Informationen. „Man braucht nicht viel zum Gärtnern“, so die Bloggerin. „Das Wichtigste ist: Nicht aufgeben!“

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